Prozessauftakt gegen zwei Kaufmänner

Zockten sie 25 Millionen ab?

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Die Kaufmänner Karl M. (69, Mitte links) und Roland L. (67) am Freitag vor dem Landgericht.

München - Nicht nur mit ihrem Auftritt im Landgericht sorgten zwei Kaufmänner für Aufsehen. Gleiches gilt für die Zahl der Fälle, in denen sie angeklagt sind.

Und das sollen Verbrecher sein? Mit ihren weißen Rauschebärten sehen Karl M. (69) und Roland L. (67) aus wie der lustige Alm-Öhi aus einer Milka-Werbung. Unvergessen sein Spruch: „Ihr glaubt wohl auch, dass wir hier oben etwas altmodisch sind?“ Etwas aus der Mode gekommen sind auch die beiden Angeklagten. In abgehalfterten Mänteln betraten sie am Freitag den Saal B 273 des Landgerichts, wo ihnen wegen Betrugs der Prozess gemacht wird. Für Aufsehen sorgten sie aber schon davor: Denn gleich fünf Anwälte werden die beiden Kaufmänner verteidigen.

Allein das zeigt schon, wie üppig das Verfahren gegen sie werden wird. 13 Verhandlungstage sind bislang angesetzt. Mehrere Stunden lang verlasen zwei Staatsanwälte gestern die Anklageschrift. Sie werfen den beiden Kaufmännern Anlagebetrug in Höhe von rund 25 Millionen Euro vor. Zahlreiche Geschäftskunden sollen Karl M. (69) und Roland L. (67) um deren Geld gebracht haben. Angeklagt sind insgesamt 779 bzw. 557 Fälle.

Laut Anklage sammelten die Kaufmänner fünf Jahre lang Gelder für Finanz-Projekte. Bereits 1997 schlossen sie sich zusammen, um sogenannte Seed-Beteiligungen an Investoren zu verkaufen. Bei dem Anlagemodell geht es um die Beteiligung an der Entwicklung und Verwertung einer bestimmten Geschäftsidee – diese sollen aber mutmaßlich nie existiert haben. Erst im Januar 2014 flog die Masche auf, seitdem sitzen die Männer in der Untersuchungshaft.

Angeblich soll Karl M. im Ermittlungsverfahren bereits ein Teilgeständnis abgelegt haben. Wie auch Roland L. (67) soll er aber nach wie vor fest an das zweifelhafte Anlagemodell glauben. Ob dieses tatsächlich kriminell ist, entscheidet das Landgericht erst Mitte Juni.

Andreas Thieme

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