Prozessbeginn gegen die Parkräume KG

Der Abschlepp-Atlas - Ein Mitarbeiter packt aus

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Die tz-Karte mit den Abzock-Adressen: Schwarze Punkte zeigen, wo die Angeklagten (s.u.) Parkkrallen verwendet haben, an roten Punkten wurden Autos von ihnen einbehalten.

München - Am Montag begann der erste Strafprozess gegen die Parkräume KG, die im Autos von Privatparkplätzen abschleppen lässt. Ein ehemaliger Mitarbeiter packte aus.

Erpressung. Nötigung. Körperverletzung. Die Vorwürfe gegen die Parkräume KG sind heftig, zivile Verfahren gibt es seit Jahren. Am Montag begann der erste Strafprozess gegen das Unternehmen, das im Auftrag von Firmen und der Stadt Autos von Privatparkplätzen abschleppen lässt. Seit 2008 sollen Geschäftsführer Joachim G. (58) und Außendienstmitarbeiter Björn F. (33) etliche Münchner abgezockt haben.

Mit solchen Lastern ließ die Parkräume KG Autos in der ganzen Stadt abschleppen.

Davon will der Chef aber nichts wissen! Er verweigerte seine Aussage und schwieg eisern. Sein ehemaliger Angestellter Björn F. aber packte aus – und gab Einblicke in die Geschäftspraktiken der Parkräume KG, bei der er in Vollzeit fest angestellt war und von G. selbst angelernt wurde. „Tagsüber fuhr ich mit Objektlisten durch die Stadt, führte stichprobenartig Kontrollen auf Parkplätzen durch und machte Fotos“, sagt Björn F. Bis zu sechs Autos ließ er täglich abschleppen. „Neben dem regulären Gehalt erhielt ich dafür Erfolgsprämien.“

Laut Staatsanwaltschaft nahmen beide durch die 46 angeklagten Fälle (siehe Karte oben) rund 7500 Euro ein und weitere 2500 Euro dadurch, dass sie Autos mit Parkkrallen festgesetzt haben. Denn die Fahrer mussten sich angeblich freikaufen! Sonst, so die Drohung, wurden ihre aufgeladenen Fahrzeuge abgeschleppt. Oder sie erfuhren den Standort ihres Autos erst gar nicht, wenn es bereits abtransportiert war. In einigen Fällen soll das am Klinikum Bogenhausen passiert sein. Oder auf Supermarkt-Parkplätzen, wo selbst Angestellte rücksichtslos abgeschleppt wurden.

„Oft sind die Leute durchgedreht, haben geschimpft oder die Polizei gerufen“, erzählt Björn F. „Viele Kollegen hätten diesen Job gar nicht ausgehalten.“ Dass es viel Ärger gab, daraus macht auch Verteidiger Martin Goering keinen Hehl. „Natürlich wurde den Fahrern gedroht. Aber nur, um die Forderungen durchzusetzen.“ Denn schon, wenn der Abschlepp-Dienst verständigt worden war, seien Vorbereitungskosten entstanden, die eben der Falschparker zu tragen habe – so rechtfertige sich, dass G. und F. die Autos einbehalten hatten!

Genau das sehen die Ankläger aber anders. Sie argumentieren, dass die beiden Angeklagten genau gewusst hätten, dass man die Kosten für die Feststellung einer Parksünde nicht von den Fahrern verlangen darf. Allein deshalb handele es sich um Nötigung! Und um Erpressung, wenn der Fahrer ohne zu zahlen nicht erfuhr, wo sein Auto steht. Zumal F. handgreiflich geworden sein soll.

Die Parkräume KG weist alle Vorwürfe von sich. Fraglich, ob das so bleibt, wenn auch die Betroffenen aussagen. Noch sitzt mit Björn F. zwar der wichtigste Verbündete von Joachim G. neben ihm auf der Anklagebank. Im Prozess ist er aber weit von ihm abgerückt.

Andreas Thieme

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