Barkeeper aus München

Prügel-Opfer fahndet auf Facebook nach dem Täter

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Dieses Foto verbreitete Tobias auf Facebook

München - Tobias (29) weiß nicht, wer ihn so zugerichtet hat. Der Barkeeper aus München ist beim Weggehen verprügelt worden. Jetzt fahndet er auf Facebook nach dem Täter.

Er wollte nur einen Streit schlichten: Jetzt fehlt ihm ein Schneidezahn, sein linkes Auge ist blutunterlaufen, eine tiefe Risswunde zieht sich über sein Jochbein. Tobias (29), Barkeeper

Vor dem ADAC am Sendlinger Tor wollte Tobias (29) einen Streit schlichten. Doch dann wurde er selbst brutal zusammengeschlagen.

beim Burger-Restaurant Hans im Glück, ist übel zusammengeschlagen worden. Vom Täter aber fehlt jede Spur. Deshalb sucht der Münchner auf Facebook nach ihm (hier geht's zur Facebook-Gruppe der tz). „Ich habe einen totalen Blackout durch den Schock. Ich kann mich nicht erinnern, wer mit mir das Ganze angestellt hat“, schreibt der 29-Jährige an seine Freunde.
An die Stunden vor der brutalen Attacke kann sich Tobias allerdings noch gut erinnern. „Wir haben im YipYab-Club den Geburtstag einer Freundin gefeiert.“ Irgendwann, gegen 3 Uhr am Sonntag, verlässt Tobias mit Freunden die Party. Während die anderen ein Taxi nehmen, will der Barkeeper zur S-Bahn am Stachus.

Vor dem ADAC an der Sonnenstraße steht eine Gruppe Nachtschwärmer. Sie schreien einen Mann an, fuchteln mit den Armen. „Ich hatte das Gefühl, gleich gehen sie auf ihn los“, erinnert sich Tobias.

Der Münchner denkt nicht lange nach. Er tritt zwischen die drei, vier Männer und das vermeintliche Opfer. „Hey, alles cool“, sagt er. Dann gehen bei ihm die Lichter aus! Wenig später taumelt Tobias blutüberströmt am Foto Sauter vorbei. Hier bemerkt ihn eine junge Frau. Sie spricht ihn an, fragt, ob sie helfen kann. Jetzt erst spürt der Münchner das Blut, das ihm über die Wange läuft. Und den abgebrochenen Schneidezahn. Die Helferin alarmiert die Sanitäter. Sie bringen Tobias ins Krankenhaus.

Ausgeartete Facebook-Partys in der Region

Ausgeartete Facebook-Partys in der Region

Hohenbrunn, 300 Menschen, November 2010: Hanna (18) hatte eigentlich nur mit ein paar Freunden gerechnet und ließ die ungebetenen Gäste nicht ins Haus. Die versuchten daraufhin, die Tür einzudrücken. Die Polizei machte dem Spuk ein Ende. © Symbolfoto: dpa
München, 700 Menschen, Mai 2011: Eigentlich sollten nur 30 Freunde kommen, bei der Party im Englischen Garten wurden es mehr als das 20-fache. Wegen Ruhestörung machte die Polizei dem Treiben ein Ende. © Symbolfoto: dpa
München, 500 Menschen, September 2011: Dem Motto "Wildes Tanzen am Karlsplatz" folgten rund 500 Partyjünger. Wegen der lauten Musik kam die Polizei und stellte allen Gästen einen Platzverweis aus. © dpa
München, 2000 Menschen, Dezember 2011: Das Ende des neuen Alkoholverbots in der S-Bahn "feierten" rund 200 Partywütige im Dezember 2011. Sie hatten sich bei Facebook dazu verabredet. 50 Wagen nahmen Schaden. © dpa
München, 1500 Gäste, April 2012: Während der Langen Nacht der Musik feierten rund 1500 Gäste auf Facebook-Einladung unter der Münchner Reichenbachbrücke. Nach Anwohner-Protesten wurde die Party gegen 23.30 Uhr von der Polizei aufgelöst. Das Gelände grenzte an eine Müllhalde. © Jantz/Mell
Dachau, 150 Gäste, April 2012: 20 Gäste hatte eine 16-Jährige über Facebook in die Villa ihrer Eltern eingeladen. Tatsächlich kamen 150 - und die Polizei. Diese konnte die Party schnell beenden, im Inneren der Villa waren ganze Zimmer verwüstet. © dpa
München, 2500 Zusagen, Mai 2012: Bei 2500 Zusagen ließ Ministerpräsident Horst Seehofer die Gästeliste für seine Facebook-Party in der Nobel-Disco P1 schließen. Weil deutlich mehr Gäste befürchtet wurden, gab es ein Großaufgebot an Polizei und Ordnungskräften. Seehofer kam mit einem blauen Auge davon: Es erschienen nur wenigen hundert Menschen. © dpa
Hallbergmoos (Kreis Freising), 120 Gäste, Mai 2012: Alle seine Facebook-Freunde (rund 500) lud ein 19-Jähriger Neufahrner ein. Die Sache lief aus dem Ruder, vor seinem Haus sammelten sich 120 Leute. Dank Polizeipräsenz löste sich die Party auf. © ev
Ebersberg, 150 Gäste, Juni 2012: 3000 Leute lud in Ebersberg ein 18-Jähriger zu einem "Freund" nach Hause ein. Als dieser die Gäste rauswarf, randalierten der Mob im Ort. Bilanz: 50 Polizisten im Einsatz, die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie das dem Verursacher in Rechnung stellen kann. © dapd
Kaufering (Kreis Landsberg am Lech), 17.000 Zusagen, Juni 2012: Eigentlich wollte ein Mädchen nur seinen 14. Geburtstag am Baggersee im Kaufering feiern. Am Ende standen rund 180.000 Gäste auf der Liste, 17.000 davon sagten zu. Die Polizei sagte die Party nach Hinweisen aus ganz Deutschland ab. © mm

„Ich kann nicht sagen, wer mich geschlagen hat. Mir fehlt jede Erinnerung“, sagt Tobias. „Aber ich hoffe, dass irgend jemand etwas gesehen hat und sich bei der Polizei meldet.“

Die ermittelt jetzt wegen Körperverletzung. Hinweise unter Telefon 089/29100.

JAM

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