Opfer berichtet: "Es waren zu viele"

U-Bahn-Pöbler schlagen Helfer bewusstlos

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Er wurde im Giesinger U-Bahnhof Candidplatz von einer Gruppe junger Männer zusammengeschlagen: Der angehende Werbekaufmann Dave S. (25)

München - Dave S. (25) filmte am Freitag eine Schlägerei, weil er dachte, es könnte für die Polizei wichtig werden. Dann wurde er selbst zum Prügel-Opfer. "Es waren einfach zu viele", schildert er fassungslos.

Dave S. (25) läuft stets mit wachen Augen durch die Welt. Und er schaut nicht weg, wenn andere Hilfe brauchen. Diese liebenswürdige Eigenschaft brachte ihn am Freitag im U-Bahnhof Candidplatz (Giesing) allerdings in ernste Schwierigkeiten, Dort wurde der angehende Werbekaufmann um 21.40 Uhr zufällig Zeuge, wie eine Gruppe von neun pöbelnden jungen Männern ein Pärchen umringte und rüde herumschubste. „Ich hatte keine Ahnung, worum es da ging. Aber ich dachte, es könnte wichtig werden für die Polizei.“ Und so zückte Dave sein Handy und versuchte, die Szene zu filmen. Allerdings nicht lange: „Zwei aus der Gruppe bemerkten mich.“ Die U-Bahn (U1) kam gerade. Dave stieg schnell ein. Noch in der Tür fühlte er von hinten einen Schlag: „Ich hab mich gewehrt und nach hinten getreten. Dabei habe ich einen der Typen voll am Unterleib erwischt.“ Da wurden die Schläger wild: „Sie wollten mich zwingen, den Film zu löschen.“ Jemand schlug Dave voll ins Gesicht. Dann zerrten sie ihn aus dem Zug. „Es waren einfach zu viele. Ich hatte keine Chance.“

Dave hörte, wie sich hinter ihm die Türen schlossen. Mehrere Fahrgäste hatten den Notknopf gedrückt, um Dave zu helfen. Es gab eine kurze Diskussion über die Sprechanlage mit dem U-Bahnfahrer, der auf seinen Fahrplan bestand und die Türen nicht wieder öffnen wollte: „Er hat sie dann aber doch noch hinausgelassen. Zu meinem Glück.“

Denn Dave lag mittlerweile bewusstlos auf dem Bahnsteig – schwer getroffen von einem Tritt gegen seine rechte Kopfseite. Als er erwachte, waren die Täter weg. Drei von ihnen – allesamt polizeibekannte junge Polen im Alter von 18 und 19 Jahren – konnte die Polizei festnehmen. Sie wurden angezeigt wegen gefährlicher Körperverletzung, sind aber schon wieder frei.

Dave lag zwei Tage lang mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus, fürchtete um sein Augenlicht: „Ein Hämatom bewirkte, dass ich auf dem rechten Auge fast blind war. Es wird langsam besser. Das Brummen im Ohr und die Schmerzen im Nacken habe ich immer noch.“ Auf seinem Handy-Film ist übrigens nichts drauf: „Alles verwackelt.“

Dorita Plange

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