Brutaler Zwischenfall vor drei Jahren

Au: Prügel-Polizist ging schon mal auf eine Frau los

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München - Der Prügel-Polizist von der Au: Nach tz-Informationen geriet Frank W. (33) Anfang des Jahres nicht zum ersten mal ins Visier der Staatsanwaltschaft! Er soll bereits vor knapp drei Jahren auffällig geworden sein.

Der Prügel-Polizist von der Au: Nach dem Faustschlag gegen Teresa Z. (23, siehe Text unten) muss er sich am 6. August wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Amt vor dem Amtsgericht verantworten. Nach tz-Informationen geriet Frank W. (33) damit allerdings nicht zum ersten mal ins Visier der Staatsanwaltschaft! Gegen den gebürtigen Sachsen wurde bereits 2010 wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt.

Die Kreuzung Schorn-/Gebsattelstraße in der Au: Hier wurde die damals schwangere Sury N. (30) von Polizisten mit Bauch und Kopf voran gegen ein Autodach gedrückt

Marta T. (30, Name geändert) hatte den Beamten im September 2010 angezeigt. Ihr Vorwurf: „Er und ein Kollege haben mich gegen ein geparktes Auto gedrückt. Einer schlug meinen Kopf fest gegen das Dach.“ Unfassbar: Die zierliche Münchnerin war damals im sechsten Monat schwanger! Dem Vorfall gegen 1 Uhr nachts auf offener Straße war ein Streit mit dem Fahrer eines Abschleppwagens vorausgegangen. „Ich war mit meinem Freund mit dem Auto auf dem Heimweg vom Kino. Doch der Abschleppwagen hat die Schornstraße blockiert, und wir konnten nicht weiterfahren“, sagt Marta T.

Minutenlang ging nichts voran, der Abschlepper stellte sich offenbar stur. Nach einigem Hin und Her alarmierte Marta T. die Polizei. Doch die Streifenbeamten sprachen erst mit dem Fahrer des Abschleppwagens. „Die wollten mir nicht zuhören. Das hat mich richtig wütend gemacht.“ Da ging das Temperament mit ihr durch. Marta T. schmiss ein zusammengerolltes Kino-Programm auf den Boden, drehte sich um und wollte gehen.

Doch ein Beamter stellte Marta T. zur Rede, packte sie von hinten am Arm. „Ich habe Panik bekommen und meinen Arm losgerissen. Doch plötzlich umklammerte mich jemand von hinten am Hals. Ich habe mit dem Fuß getreten. Ich hatte ja Angst um mein Baby!“ Im Laufe der Fixierung soll die schwangere Kubanerin von Prügel-Polizist Frank W. und seinem Kollegen mit Bauch und Kopf voran gegen das Auto gedrückt worden sein. „Ich hatte Schmerzen im Gesicht und erlitt eine Jochbeinprellung. Mein Freund hat das gesehen und lief zu mir. Er schrie die Polizisten auch an, dass ich schwanger sei.“ Marta T. und ihr Freund wurden daraufhin in Handschellen auf die Polizeiwache gebracht und vernommen. Ein Alkoholtest ergab bei beiden 0,0 Promille!

Ein Nachspiel hat der Vorfall allerdings nur für Marta T. – sie kassierte einen Strafbefehl über 1200 Euro wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Körperverletzung. Und sie hat auf Grund des Eintrags im Führungszeugnis keine Chance, sich jetzt um eine Stelle in ihrem Wunschberuf als Kinderpflegerin zu bewerben.

Die Ermittlungen gegen Frank W. und seinen Kollegen wurden dagegen eingestellt. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch bestätigt: „Wir sind damals zu dem Ergebnis gekommen, dass sich die Beamten nichts zu Schulden haben kommen lassen.“ Polizeisprecher Wolfgang Wenger ergänzt: „Die Ermittlungen wurden von Staatsanwaltschaft und Polizei geführt. Der richterliche Strafbefehl wurde von der Beschuldigten akzeptiert.“

In der Einstellungsverfügung der Ermittlungen gegen Frank W. und seinen Kollegen, die der tz vorliegt, heißt es: „Eine Gefährdung des ungeborenen Kindes lag – Gott sei Dank – nicht vor. Die Eskalation ist alleine auf die Unbeherrschtheit der Anzeigeerstatterin zurückzuführen.“ Marta T. sieht das natürlich anders: „Die Polizisten haben nur darauf gewartet, dass wir einen Fehler machen.“

Der Faustschlag gegen Teresa Z. (23)

Am 20. Januar gegen 16 Uhr war ein anfänglich harmloser Polizeieinsatz eskaliert: Polizeiobermeister Frank W. (33) schlug Teresa Z. mit der Faust ins Gesicht und brach ihr Nase und Augenhöhle. Zum Zeitpunkt des Vorfalls in der Haftzelle der Inspektion 21 (Au) war die 23-Jährige gefesselt und von weiteren Polizisten auf der Pritsche fixiert. Der aus Sachsen stammende Polizist machte für sich eine Notwehrsituation geltend. Teresa Z. hatte ihn angespuckt und laut Aussage des Polizisten anschließend zu einem Kopfstoß angesetzt. Diesen habe er mit einem ungezielten Faustschlag ins Gesicht abgewehrt.

Ein Gutachten widerlegte die Notwehrversion jedoch eindeutig. Die Distanz zwischen der auf dem Rücken liegenden Teresa Z. und dem auf der Pritsche knieenden Polizisten sei zu groß gewesen, um einen Kopfstoß ausführen zu können.

Die Staatsanwaltschaft erhob daraufhin gegen den Polizisten Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Amt. Der Prozess beginnt am Dienstag, 6. August. Teresa Z. wird sich demnächst wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung verantworten müssen.

jam

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