Zu viel Spiegel

Pschorr-Haus: Fassade muss umgebaut werden

Die Fassade des Pschorr-Hauses muss umgebaut werden.

München - Mit dem Joseph-Pschorr-Haus entsteht wohl der ambitionierteste Neubau im Herzen der Stadt. Trotzdem gibt es eine Panne bei dem Millionen-Projekt: Die Fassade spiegelt so stark, dass sie umgebaut werden muss.

Die Spiegelung war im Entwurf des Joseph-Pschorr-Hauses nicht zu erkennen – jetzt wird umgebaut

Mit dem Joseph-Pschorr-Haus entsteht wohl der ambitionierteste Neubau im Herzen der Stadt: namhafter Eigentürmer, renommierte Architekten, riesiges Areal, Zehntausende Passanten, hohe Investitionen, akribische Planung. Trotzdem gibt es eine Panne bei dem Millionen-Projekt: Die Fassade spiegelt so stark, dass sie umgebaut werden muss – weniger Glas, mehr Metall! Auch die Stadtgestaltungskommission hat sich schon mit dem Fall befasst. Spieglein, Spieglein an der Wand …

Vor wenigen Wochen haben die Arbeiter die Front fertiggestellt – pünktlich zum Sommer-Start. „Gerade beim sonnigen Wetter der letzten Wochen hat die Fassade an der Neuhauser Straße einen sehr spiegelnden Effekt, der so nicht vorauszusehen war“, bestätigt Sabine Hagn, Sprecherin der Eigentümerin Bayerische Hausbau, die einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Bau steckt.

Dabei hatten sich die Planer die Fassade wohl heller und durchlässiger vorgestellt. „Kein Koloss, kein Brecher“, kündigte Architekt Wilfried Kuehn vom Berliner Büro Kuehn Malvezzi vor einem Jahr beim Richtfest an. In seinen Grafiken sind aus der Fußgängerzone sogar Menschen in den Etagen zu erkennen, in denen bald SportScheck, Mango und For­ever 21 eröffnen.

In der glasgewordenen Realität wirkt das Pschorr-Haus jetzt auf viele wie das Gegenteil: kantig, abgeschirmt – ein bisschen wie ein Ufo, das in der Neuhauser Straße gelandet ist. „Das wirkt zu futuristisch“, sagt FDP-Fraktionschef Michael Mattar, der in der Jury des Architektenwettbewerbs saß und an der Sitzung der Stadtgestalter teilnahm. „Es passt nicht in die Umgebung.“ In der Fassade spiegeln sich etwa St. Michael und die Alte Akademie aus dem 16. Jahrhundert.

Mehr Messing, weniger Glas: Die neue Front wird der seitlichen Fassade in der Eisenmannstraße ähneln

„Wir haben mit den Architekten und der Stadt eine Lösung erarbeitet, die zurückhaltender wirkt“, sagt Hausbau-Sprecherin Hagn. Jetzt wird jedes dritte Fenster-Element im zweiten und dritten Stock abgedeckt – durch 34 weitere hohe Messingverkleidungen, jede 70 Zentimeter breit. Glas und Messing wechseln sich weiter ab, dann aber in dichterer Folge. Hagn sagt: „Die Planungen sind in Arbeit, erste Vorbereitungen laufen bereits.“

Bei der jüngsten Sitzung der Stadtgestaltungskommission sind die Pläne kurzfristig auf die Tagesordnung gerutscht. Die Experten haben den Entwurf abgenickt, weil das Mehr an Messing immerhin zur seitlichen Fassade in der Eisenmannstraße passt, die durchgehend mit dem Metall verkleidet ist. Sie und FDP-Mann Mattar fürchten aber – wie schon vor drei Jahren in der Architektur-Jury –, dass die Fassade dann zu dunkel wird.

David Costanzo

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