Ermittlungsergebnisse

Amoktäter vom OEZ: So verworren tickte David S.

Das Motiv für den Münchner Amoklauf ist in Rachephantasien und Fremdenhass wegen Mobbingerfahrungen zu suchen. Die Ermittler zeichnen ein differenziertes Psychogramm des Täters.  

München -  Auf einer Pressekonferenz haben Staatsanwaltschaft und LKA am Freitag die Ergebnisse ihrer Ermittlungen präsentiert. Dabei zeichneten sie auch ein ausführliches Bild von der Psyche des Täters David S., der bei dem Amoklauf am 22. Juli 2016 neun Menschen tötete, fünf verletzte und sich anschließend selbst erschoss. 

Wie Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst erläutert, litt der Amokschütze David S. seit seiner Kindheit an psychischen Problemen, und war deswegen in Behandlung. Unter Gleichaltrigen war er weitgehend isoliert, hatte Schwierigkeiten sich einzubringen. "Über Jahre hinweg" hatten Mitschüler ihn gemobbt und sogar körperlich misshandelt, erklärten die Ermittler. 

In der Folge entwickelte David S. einen Hass auf Personen, die seinen Peinigern ähnelten, sei es in Alter, Aussehen, Herkunft und Lebensstil. Für ihn waren dies vor allem Personen mit südosteuropäischer Herkunft. Er machte sie für das Mobbing und auch seinen Misserfolg in der Schule verantwortlich. Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst sagte, trotz des Fremdenhasses des nach dem Amoklauf durch Suizid ums Leben gekommenen S. sei "nicht davon auszugehen, dass er die Tat selbst aus politischen Gründen verübte".  

OEZ-Amokläufer hatte irrationales Weltbild

David S. war wegen seiner psychischen Störungen immer wieder in psychiatrischer Behandlung. Er hatte sich ein eigenes, sehr irrationales Weltbild geschaffen. Zum Beispiel glaubte er, dass die Personen, die er so hasste mit einem Virus infiziert seien und deshalb vernichtet werden müssten. 

Seine Freizeit verbrachte er mit exzessivem Computerspielen, vor allem Ego-Shooter. Er entwickelte Rachephantasien und beschäftigte sich intensiv mit dem Thema Amok. David S. war fasziniert von dem Anschlag von Andres Breivik 2011 auf der norwegischen Insel Utoya. Den Amoklauf am OEZ hatte er über längere Zeit geplant. S. habe zwar eine Bevölkerungsgruppe treffen wollen, die seinem Feindbild entsprochen habe. Es hätten sich aber keine Hinweise ergeben, dass er die Opfer gezielt ausgewählt habe, sagte Kornprobst. 

David S. handelte als Einzeltäter: Laut den Ermittlern hatte er die Tat allein geplant und durchgeführt. Es gebe keine Erkenntnisse, dass Dritte in die Tatpläne eingeweiht oder gar an der Ausführung beteiligt gewesen wären, so die Ermittler. 

Auch im Ermittlungsverfahren gegen einen 16-jährigen Bekannten des Täters, Samer R., mit dem sich David S. am Tattag gegen 16 Uhr am späteren Tatort getroffen hat, haben sich keine Belege ergeben, dass er über die anstehende Tat informiert war. Familienmitglieder, behandelnde Ärzte, Lehrer oder sonstige Personen aus dem Umfeld von David S. haben die Tat nicht vorhersehen können, so die Ermittler.

Aber: Der Waffenhändler, der David S. die Tatwaffe und Munition verkaufte, ist für den Tod der Menschen strafrechtlich sehr wohl mitverantwortlich, so die Einschätzung der Staatsanwaltschaft. Neben Verstößen gegen das Waffenrecht wird ihm fahrlässige Tötung von neun Menschen zur Last gelegt. Bereits Mitte Februar 2017 wurde deshalb Anklage erhoben gegen ihn erhoben, im Fall einer Verurteilung droht ihm eine mehrjährige Freiheitsstrafe.

Sehen Sie hier ein Video der Pressekonferenz in voller Länge

my/Video: snacktv

Rubriklistenbild: © joh

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