Assistentin sexuell belästigt

„Psychoterror“ bei der Messe: Chef muss gehen

München - Psychoterror bei der Messe München: Ein Vorgesetzter soll seine Assistentin sexuell belästigt und gemobbt haben. Jetzt muss der leitende Angestellte gehen.

Ständige Belästigung, anzügliche Sprüche und unsittliche Berührungen: Jahrelang soll eine Mitarbeiterin der Messe München unter den Übergriffen ihres Chefs gelitten haben. Der Fall hat Konsequenzen - der leitende Angestellte der Messe München

Bei dem Opfer handelt es sich um die Assistentin eines leitenden Mitarbeiters der Messe. Dieser soll seine Angestellte über einen langen Zeitraum hinweg mit sexistischen Sprüchen traktiert und gegenüber Kollegen gemobbt haben. „Heute pfeift der Straps“, tönte er laut einem AZ-Bericht an einem arbeitsreichen Tag. Zudem soll er sie auf seinen Schoß gezogen und an ihren Po gefasst haben.

Wenn die Mitarbeiterin ein Hotel für ihren Chef buchte, soll er wiederholt gescherzt haben, sie möge ihm „eine Schwarze oder Braune zubuchen“. Als er ein neues Haus bezog, sprach er von seinem „Liebesnest“, in dem der „Viagra-Ständer schon steht“. Selbst als der Ehemann der Angestellten im Büro anrief, soll der Chef zum Hörer gegriffen und gesagt haben: „Ihre Frau sitzt gerade auf meinem Schoß.“ Außerdem habe er sich ihr als „Erzeuger“ eines Kindes angeboten, so der Vorwurf. Als eines Tages eine stillende Frau auf der Titelseite einer Zeitschrift abgebildet war, soll der Vorgesetzte gesagt haben: „Daran würde ich auch mal gerne zuzeln.“

Die Angestellte litt schwer unter dem „Psychoterror“ am Arbeitsplatz. Schließlich fasste sie allen Mut zusammen und klagte ihr Leiden dem Vertrauensanwalt der Messe. Der informierte sofort Messe-Chef Klaus Dittrich.

Weil es sich bei dem vermeintlichen Peiniger nicht bloß um einen einfachen Angestellten handelt, sondern um eine hohe Personalie im Unternehmen, schaltete Dittrich umgehend den Aufsichtsrat ein, in dem unter anderem OB Christian Ude und Wirtschaftsminister Martin Zeil sitzen. Der Fall wurde zunächst intern geprüft, der Chef zur Rede gestellt. „Herr K. hat zu den Vorwürfen Stellung genommen“, bestätigt Zeil. „Die Darstellung der Assistentin und die Darstellung von Herrn K. divergieren in wesentlichen Punkten.“

K. soll einen Teil der Vorwürfe zugegeben, andere jedoch verharmlost oder bestritten haben. Im Endeffekt steht Aussage gegen Aussage. Dennoch glauben die Verantwortlichen offenbar eher der Assistentin. Ihr Chef, Herr K., wurde zunächst abgemahnt.

Man dachte bei der Messe auch über eine fristlose Kündigung nach, doch diese schien laut Einschätzung eines Fachanwalts für Arbeitsrecht nicht durchsetzbar. Der Vertrag des Vorgesetzten läuft noch bis Ende 2014. „Eine Vertragsverlängerung ist für mich nicht vorstellbar“, betonte Minister Zeil anfang der Woche. „Auch von Seiten der anderen Gesellschafter sehe ich keine andere Auffassung.“

Am Donnerstag teilte die Stadt via "Rathausumschau" mit, dass man sich mit dem Angestellten geeinigt habe: Er wird "mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben" entbunden. Das Mitglied der Geschäftsführung habe sich jetzt damit einverstanden erklärt.

Die Assistentin wollte nicht warten, bis ihr Chef seinen Posten räumt. Das Angebot für eine interne Versetzung soll sie abgelehnt haben. „Sie arbeitet nicht mehr für unser Unternehmen“, bestätigt ein Messe-Sprecher auf Anfrage. Die Frau hielt das permanente Mobbing einfach nicht mehr aus – und ging.

Thomas Schmidt/mm

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