Geheimdienst öffnet sich

Ausstellung: Die Geheime Welt des BND in Pullach

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Eingang zum Fußgängertunnel, der die durch eine öffent­liche Straße getrennten BND-Geländeteile verbindet.

München - Eine Ausstellung über den Bundesnachrichtendienst ist ab Mittwoch in München zu sehen. Dort werden auch Bilder von Räumlichkeiten des Auslandsgeheimdienstes in Pullach gezeigt.

Geheimdienste haben spätestens seit dem NSA-Skandal ein Image-Problem. Der Bundesnachrichtendienst (BND) reagiert darauf mit einer „Transparenzoffensive“: Anfang Juni schraubte BND-Chef Gerhard Schindler medienwirksam an der Bad Aiblinger Abhörstation ein Behördenschild mit der Aufschrift „Bundesnachrichtendienst“ an. Vorher stand dort der Fantasiename „Ionosphäreninstitut“.

Ab Mittwoch ist in München im Kunstfoyer der Versicherungskammer ein weiterer Schritt dieser dosierten Geheimdienst-Transparenz zu besichtigen: eine Ausstellung über den Auslandsgeheimdienst, in der zum Beispiel historisches „Agenten-Werkzeug“ zu besichtigen ist wie Abhör-Kugelschreiber oder „nachrichtendienstliche Verbringungsmittel“ (etwa eine Kleiderbürste mit Hohlraum).

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen aber die Werke Martin Schlüters, der sich für seine Foto-Serie 14 Nächte lang frei auf dem BND-Gelände in Pullach bewegen durfte. „Ich misstraue Ihrer Behörde noch immer, aber vielleicht muss das so sein“, so sein Fazit bei der Ausstellungseröffnung.

Der BND in Pullach - Bilder

Der Dienstplan für die Wachhunde: Mit deutscher Gründlichkeit ist beim BND alles geregelt, etwa der Freilauf der „dienstfreien Hunde“, aber auch Wauwaus Geschäft: „Bei Bedarf (Verschmutzung durch Urin, Kot, Erbrochenem etc.) bitte entsprechend reinigen“, heißt es auf dem Schild. © Schlüter
Schlüters Blick auf die spießige BND-Welt lässt oft schmunzeln, bisweilen aber auch gruseln: Silikonmasken für Erste-Hilfe-Übungen © Schlüter
Das chaotische Büro eines BND-Chemikers: Mitarbeiter durfte Schlüter nicht fotografieren, aber die Wurstsemmel auf den Akten verrät, dass hier eben noch gearbeitet wurde. © Schlüter
Das neue IT-Zentrum, das auch nach dem Berlin-Umzug in Pullach bleiben wird. Ein ungewöhnlich modernes Gebäude auf dem Gelände, das sonst eher DDR-Mief ausstrahlt . © Schlüter

BND-Präsident Schindler räumte ein, dass die früher übertriebene Geheimniskrämerei eine Ursache für das schlechte Bild seiner Behörde in der Öffentlichkeit sei. So war bis vor Kurzem auf Luftaufnahmen des 68 Hektar großen BND-Geländes in Pullach nur Wald zu sehen – und obwohl jeder wusste, dass dort der Geheimdienst residiert, tarnte sich die Behörde als „Liegenschaftsverwaltung“.

„Die Geheimhaltung hatte lächerliche Züge, die Öffnung ist ein notwendiger Schritt“, so Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund zur tz. Die Grünen-Politikerin erinnert sich, dass in Zeiten des Kalten Krieges selbst Schulfahrten aus Pullach nach Berlin unmöglich waren – denn die Kinder der BND-Mitarbeiter hätten ja enttarnt werden können.

Auch nach dem Umzug nach Berlin werden rund 1000 der 6500 BND-Mitarbeiter in Pullach bleiben. Wie groß der Teil des Geländes ist, der dann der Öffentlichkeit übergeben wird, ist noch offen. Frühestens ab 2017 kann Pullach hoffen, bis zu zwei Drittel des Ex-BND-Geländes für Kitas oder Wohnungen zu nutzen – darunter die unter Denkmalschutz stehende NS-Mustersiedlung mit der Stabsleitervilla von Hitlers Sekretär Martin Bormann.

Die BND-Ausstellung des Fotografen Martin Schlüter im Kunstfoyer (Maximilianstr. 53, U-Bahnhaltestelle Lehel oder Tram 18/19, Haltestelle Maxmonument) ist ab heute bis zum 5. Oktober täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Klaus Rimpel

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