Münchner erklärt die Feuerwerks-Klassiker

Pyrotechniker: Diese Kracher sind eine Wucht!

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Florian Schulz im Laden am Gustav-Heinemann-Ring 125,

München - Am Mittwochabend wird der Himmel bunt: Die tz nimmt mit dem Münchner Pyrotechniker Florian Schulz (34) die bekanntesten Böller genauer unter die Lupe: So wird Silvester zum Kracher!

Am Mittwochabend wird der Himmel bunt. In den Münchner Straßen kracht’s und pfeift’s – beim alljährlichen Silvester-Feuerwerk! Nach Schätzung des Verbands der pyrotechnischen Industrie geben die Deutschen rund 124 Millionen Euro dafür aus.

Aber Vorsicht! Der Spaß hat auch seine Kehrseiten.

  • Die Münchner Tierrettung warnt: Knallgeräusche können das viel empfindlichere Gehör von Hunden erheblich schädigen. „Achten Sie darauf, dass Türen und Fenster geschlossen sind! Am besten verteilen Sie Leckereien und spielen mit dem Hund, um ihn abzulenken.“
  • Die DRF Luftrettung rät allen, die gerne böllern: Verwenden Sie ausschließlich Feuerwerksartikel mit Prüfsiegel! Raketen bräuchten außerdem einen festen Untergrund: Kippen sie um, werden vielleicht Mitmenschen zum Ziel. Halten Sie einen Abstand von vier bis fünf Meter zu den böllern ein! Weitere Tipps lesen Sie unten auf dieser Seite.
  • Die Schlösserverwaltung weist außerdem darauf hin, dass rund um die Schlösser, Burgen und Residenzen Feuerwer verboten ist. Der Schlossplatz Dachau etwa ist gesperrt.

Die tz nimmt mit dem Münchner Pyrotechniker Florian Schulz (34) die bekanntesten Böller genauer unter die Lupe: So wird Silvester zum Kracher!

Die Silvester-Rakete

„Bei der klassischen Rakete bringt eine Düse aus Ton oder Gips den Antrieb nach oben“, erklärt Experte Schulz. „Durch einen Verzögerer dauert es drei bis fünf Sekunden, ehe die Zündschnur am Himmel das Effektgemisch aus Schwarzpulver und sogenannten Sternen mit Metallen und Salzen erreicht.“ Die bringen die Farben hervor.

Knallfrosch

„Knallfröschebestehen je nur aus etwa einem Gramm Schwarzpulver“, sagt Schulz. „Sie sind nichts weiter als ein gefalteter und zusammengebunder Schlauch aus Schwarzpulver. Durch die spezielle Form sammelt sich die Energie – und der Böller springt nach oben.“

Springbrunnen

Der Geheimtipp von Pyrotechniker Schulz: das Boden-Feuwerk, dessen Sprühregen einem Springbrunnen ähnelt (21,50 Euro). Die einzelnen Fontänen sind miteinander verbunden und sprühen zwei Meter hoch in alle Richtungen. Die blauen Fontänen unten bringen die Halbkugel zum Rotieren.

Vulkane

Vulkane wie dieser „Yeti“ (zwei Stück 12,50 Euro) werden oben angezündet. „Drin sind bis zu 200 Gramm Effektpulver mit Schwarzpulver“, erklärt der Pyrotechniker. „Würde man die Öffnung versperren, würde es das Ding zerreißen.“ So aber schießt es die bis zu 3,5 Meter hohen Funken durch die Düse in die Luft.“

Batterien / Verbundfeuerwerk

In Batterien sind kleine Pappröhrchen mit Effektladungen durch Zündschnüre verbunden. Schulz: „Insgesamt dürfen bis zu 500 Gramm Effektpulver drin sein.“ Das Verbundfeuerwerk, das aus aneinanderhängenden Batterien besteht, enthält noch mehr Wucht. Es kann weit über 100 Euro kosten.

nba

"Raketen niemals in der Hand zünden"

Wenn die Feuerwerks-Gaudi zum Albtraum wird: Jedes Jahr passieren in der Silvesternacht dramatische Unfälle – und besonders oft erwischt es Kinder und Jugendliche. Der Münchner Verbrennungsspezialist Dr. Hans Grundhuber hat schon zahlreiche Opfer operiert. Im tz-Interview erklärt der leitende Oberarzt der Kinderklinik am städtischen Klinikum Schwabing, wie man Verletzungen vorbeugt und im Notfall richtig handelt.

Worauf sollten Eltern achten, wenn Ihre Kinder Böller, Raketen oder andere Feuerwerkskörper zünden?

Dr. Hans Grundhuber: Am Sichersten wäre es natürlich, sie würden die Feuerwerkskörper gar nicht in die Finger bekommen. Aber das lässt sich manchmal ja gar nicht vermeiden – gerade bei Jugendlichen. Deshalb gilt folgende Faustegel: Schärfen Sie Ihren Sprösslingen zumindest ein, Raketen und Böller niemals in der Hand anzuzünden. Dabei entstehen nämlich oft besonders schwere Verletzungen. Und: Sie sollen die Dinger niemals auf andere werfen – das ist nicht witzig, sondern sehr gefährlich. Auch Wunderkerzen gehören übrigens nicht in Kinderhände, sie versprühen Funken und können dadurch ganz schnell die Kleidung in Brand setzen.

Und wenn doch etwas passiert ist – was sollte man dann unternehmen?

Dr. Hans Grundhuber: Wenn es sich nur um eine kleinere Verletzung, etwa um eine Brandblase handelt, dann reicht ein trockener Verband ohne Salbe. Man kann die Wunde kühlen, allerdings nur mit Leitungwasser, nicht mit Eis. Bei schwereren Verletzungen, ungefähr ab Handtellergröße, sollte man sofort in eine Klinik fahren oder die Rettungsleitstelle unter der Nummer 112 verständigen – insbesondere, wenn die Verbrennungen in die Tiefe gehen. Kühlen macht bei größeren offenen Verletzungen in der Regel keinen Sinn. Verbrennungen im Gesicht sollte man generell im Krankenhaus anschauen lassen.

Woran erkenne ich, dass es sich um eine schwerere Verbrennung handelt?

Dr. Hans Grundhuber: Wenn sich der Wundgrund grau-weiß verfärbt, dann ist die Verbrennung bis in die Lederhaut gegangen. Bei dieser Verbrennungstiefe bleiben in der Regel Narben zurück – wir Mediziner sprechen vom Grad 2b oder 3. Je nach Ausmaß der geschädigten Fläche kann es sein, dass man dann die zerstörte Haut entfernen muss und gesunde Haut von anderen Körerstellen verpflanzen muss.

Interview: Andreas Beez

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