Stadt stellt falsche Taferl auf

Radl-Falle! Falsches Schild kostet sie 20 Euro

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Anna Biermann mit ihrem Radl

München - Links? Geradeaus? Oder wie jetzt? So genau weiß das manchmal sogar die Polizei nicht. Macht aber nix: Im Zweifel verlangt man trotzdem ein Bußgeld vom Radlfahrer …

Was ist hier erlaubt? Das verwirrende Schild, das das Baureferat aufgestellt hat

Genau diesen Ärger erlebt Anna Biermann, als sie mit ihrem Radl in der Innenstadt unterwegs ist. „Ich wollte vom Viktualienmarkt über die Sonnenstraße in die Arnulfstraße fahren“, sagt die BR-Journalistin. Ihr Problem: Am Färbergraben ist eine Baustelle – und zwar eine mit seltsamen Schildern. Sie zeigen an: Die Durchfahrt für Autos ist verboten (Einbahnstraße), Radeln ist aber bis hin zur Sonnenstraße erlaubt. Denn: Unter dem gelben Radl-Schild hängt noch ein weißes Zusatz-Taferl mit der Aufschrift „Sonnenstraße“. Anna Biermann fährt also geradeaus – und wird von zwei Polizisten zur Kasse gebeten. 20 Euro, bitteschön!

Biermann: „Ich war mir keiner Schuld bewusst. Wir haben die Schilder sogar noch gemeinsam angeschaut. Die Polizisten waren sich auch nicht einig, wo Radler langfahren dürfen.“ Bezahlen muss sie trotzdem. Sie will noch widersprechen. „Aber die Beamten drohten mir mit einer Anzeige und sagten, dass hohe Kosten auf mich zukommen könnten.“ Die Münchnerin ärgert sich: „Die Schilder sind irreführend. Ich fühle mich zu Unrecht abkassiert.“

Der Schilderwahnsinn hat seinen Ursprung am 25. April. Im Zuge des Rückbaus der Hofstatt-Baustelle ordnet das KVR die Beschilderung an. Die Vorgabe: Vom Färbergraben müssen Radler nach links abbiegen, geradeaus ist nur die Durchfahrt bis zu den Radl-Parkplätzen erlaubt. So der Plan des KVR – Mitarbeiter des Baureferats stellen die Schilder am 6. Mai aber falsch auf. „Die Umsetzung hat nicht unser verkehrlichen Anordnung entsprochen. Das ist bedauerlich für die betroffenen Radfahrer“, sagt Matthias Rischpler vom KVR. Erst am 16. Mai bemerkt das KVR den Fehler, bis zum 21. Mai (!) braucht das Baureferat, um die Schilder richtig aufzustellen – also um einfach die weißen Taferl abzunehmen. Bis dahin kassieren die Polizisten weiter.

Münchens kuriose Radlfallen

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Mittlerweile hat der Schildbürgerstreich ein Ende. Betroffene Radler haben die Chance, ihre Bußgelder zurückzubekommen. „Wir prüfen derzeit den Fall“, sagt Polizeisprecher Oliver Timper. Wichtig ist, dass die Radler ihre Quittung vorzeigen können.

Jagd auf Radl-Sünder: So teuer sind Verstöße

Andreas Thieme

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