Der Radl-Krieg an der Isar

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Breiter Protest gegen Mountainbiker auf den sogenannten Isartrails (v. l.): Georg Etscheit (BN), Christian Hierneis (BN), Heinz Sedlmeier (LBV), Rudolf Nützel (BN), Christine Kammermeier (Isartalverein), Manfred Siering (Ornithologische Gesellschaft)

München - An der Isar ist ein Kampf zwischen Naturschützern und Mountainbikern entbrannt. "Das ­Isartal wird der Mountainbike-Lobby geopfert", schimpft ein Vogelschützer.

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Der Vogelschützer Manfred Siering watet mit Storchenschritten durch den Pfützensumpf. „Das Isartal ist eine Schatzkammer der Natur“, verkündet der Vorsitzende der Ornithologischen Gesellschaft Bayern. Doch ­Siering sieht das Landschaftsschutzgebiet in Gefahr. Der Waldlaubsänger habe sich bereits verabschiedet, eine überfahrene Schlingnatter habe er gefunden. Siering blickt auf die Stollenreifenspuren zu seinen Füßen und schimpft: „Das ­Isartal wird der Mountainbike-Lobby geopfert!“

Am Dienstag versammelten sich Umweltschützer südlich des Tierparks zu der angekündigten Protestaktion gegen die wilden Mountainbike-Wege. Rudolf Nützel, Geschäftsführer des Bund Naturschutz (BN) in Bayern, erklärte die Lage: „Das Isartal ist ein Schutzgebiet von höchstem europäischem Rang. In einem FFH-Gebiet darf der Zustand nicht verschlechtert werden. Er verschlechtert sich aber, weil bis runter nach Wolfratshausen immer mehr Trampelpfade von Mountainbikern zu teils mehrere Meter breiten Trails ausgefahren werden.“ Nicht einmal nachts oder im Winter komme die Natur zur Ruhe, weil Biker auch mit Stirnlampen und Spikes durch die Auen preschten.

Auch der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Isartalverein forderten, die Isartrails zu sperren. „Die Biker sollen auf den Hauptwegen fahren“, verlangt Heinz Sedlmeier vom LBV und verweist auf konkrete Schäden: „Die Biker beschädigen Wurzeln, was unweigerlich zum Tod des Baumes führt.“

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Zu der symbolischen Blockade der Isartrails waren auch einige Mountainbike-Aktivisten gekommen. In teils hitzigen Wortgefechten betonten sie, dass man Mountainbiker nicht auf breite Forstwege verbannen könne; das nehme dieser Sportart den Reiz. Der ehemalige Mountainbike-Weltmeister Stefan Herrmann setzt auf „kanalisieren und informieren“: Wenn man einen der vielen Isartrails zum Biken freigebe, könne man andere Bereiche schonen. Davon will Vogelschützer Sedlmeier nichts wissen: „Das Tal ist nicht verhandelbar.“ Immerhin konnten sich beide Seiten darauf einigen, die Biker künftig verstärkt über ­naturverträgliches Verhalten in den Isarauen aufzuklären.

Darauf zielt auch Grünen-Stadträtin Sabine Krieger ab. Via Pressemitteilung kündigte sie am Dienstag außerdem an, im Streit um die Isartrails alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. „Der Schutz der Auwälder muss gewährleistet sein“, erklärte Krieger. „Und den Bikern muss eine Möglichkeit geboten werden, ihren Sport auszuüben.“

Ingo Wilhelm

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