Radl-Rambo: Sein Reue-Brief an die Familie

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Der Tatort in der Hansastraße 24.

München - Der Zustand des pensionierte Lehrers Orhan S. (74) ist unverändert. Seine Familie wacht Tag und Nacht an seinem Bett. Jetzt hat sich der Radl-Rambo mit einem Reue-Brief bei der Familie entschuldigt.

Der Brief ist an die Familie des im Koma liegenden, pensionierten Lehrers Orhan S. (74) gerichtet. Es ist eine mehrere Seiten lange Entschuldigung – geschrieben von dem Geisterradler (30), der am Abend des 30. Mai auf der Hansastraße ohne Licht und falsch herum aus der Dunkelheit heranschoss. Er erfasste den Rentner, der einem auf dem Gehsteig geparkten Auto ausweichen musste. Beim Sturz erlitt Orhan S. neben mehreren Brüchen eine lebensgefährliche Hirnblutung. Er liegt seitdem im Koma. Der Radfahrer (30) floh während der Rettungsarbeiten. Er stellte sich erst sieben Tage später in Begleitung eines Anwalts aus der Münchner Kanzlei Steffen Ufer der Polizei.

Nach Ufers Darstellung bereut der derzeit arbeitslose und bis dato unbescholtene Speditionskaufmann (30) aus Laim sein Verhalten zutiefst. „Er täte alles, um dieses Unglück rückgängig zu machen“, so Ufer. In seinem Brief schildert er laut Ufer, dass ihn der Anblick des Rettungsdienstes am Unfallort an den Tod seines Opas erinnerte: „Da ist er in Panik geraten.“ Der 30-Jährige raste auf seinem Radl davon, obwohl Orhan S.’ Ehefrau ihm hinterherlief und laut rief: „Stopp! Stopp!“

Der 30-Jährige hatte beim Sturz eine Rückenprellung davongetragen. Ufer: „Er lag daheim und klammerte sich an die Hoffnung, dass der Unfall glimpflich für den Fußgänger ausgegangen sei. Zunächst habe er auch geglaubt, gegen einen Baum gefahren zu sein. Ein Freund zeigte ihm dann die Berichterstattung in der Presse. „Da wusste er, dass er sich stellen musste.“ Am Mittwoch ging er in Begleitung des Anwalts Manuel Weber zur Polizei. Sein demoliertes Radl nahm er mit, ebenfalls den Brief an die Familie. Ufer: „Bei der Vernehmung weinte er sehr. Er hat sich zwischenzeitlich in der Psychiatrie der Uniklinik Hilfe gesucht. Er bereut zutiefst.“

An diese Reue kann Umut S., Sohn des schwerverletzten Rentners, nicht so recht glauben: „Ich frage mich: Wie echt ist eine Reue, die sich erst nach sieben Tagen und erheblichem Fahndungsdruck einstellt? Vieles passt überhaupt nicht zusammen.“ Die Familie S. wird auch einen Anwalt einschalten: „Vor Gericht werden all diese Widersprüche zur Sprache kommen.“

dop

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