Radl-Razzia in der Residenzstraße

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Einmal pro Woche rücken die KVR-Kontrolleure den Radlern auf die Pelle

München - Kaum zu glauben, aber für Radler gilt an der Residenz tatsächlich Schrittgeschwindigkeit. Die Stadt greift durch: Selbst Park-Schandis jagen schon die Falsch-Radler und kassieren kräftig ab.

Erwischt! Kaum zu glauben, aber für Radler gilt an der Residenz tatsächlich Schrittgeschwindigkeit. Wer zu schnell strampelt, dem winkt die Kelle – und zwar nicht nur die der Polizei, sondern immer öfter auch die der Kommunalen Verkehrsüberwachung der Stadt. Radl-Razzia an der Residenz: Selbst Park-Schandis jagen schon die Falsch-Radler!

Ihre Uniform ist blau, ihre Waffe ist der Kugelschreiber und sie stehen unter dem Kommando von KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle. Rund 20 der 180 Park-Schandis der Stadt dürfen auch mal die Kelle schwingen und so die grünen Kollegen von der bayerischen Polizei verstärken. Das erlaubte das Innenministerium per Gesetzesänderung vor zwei Jahren.

Und in ihrem zweiten Jahr waren die Park-Schandis schon schreibfreudiger als im ersten: 788 Radler kassierten die Kontrolleure 2011 vor Ort oder per Brief ab, so steht es im neuen Verkehrsbericht, den der KVR-Chef morgen im Rathaus vorstellt. 2010 waren es 751 Strafzettel. Und dabei stehen sie nur einmal pro Woche an der Residenz, versichert das KVR – und das auch nur bei schönem Wetter. Aber nicht weil die Überwacher zimperlich wären, die müssen bei Wind und Wetter raus. Sensibler sind die Radler, bei Sonnenschein sind viel mehr unterwegs.

Die Altstadt zwischen Odeonsplatz und Rathaus gilt als Brennpunkt: Über 25 000 Fußgänger treffen täglich auf 15 000 Strampler. Bis zu fünf Prozent von ihnen gelten als Radl-Rambos, schrieb Blume-Beyerle jüngst dem Stadtrat. Das entspricht 750 Rabauken am Tag. Viel, viel höher liegt die Quote der Schnell-Strampler. An der Residenz ist zwar noch viel Platz, aber am Übergang zur Dienerstraße wird es richtig eng. „Beinahezusammenstöße und gegenseitige Beschimpfungen sind an der Tagesordnung“, stellte die Polizei fest. Trotzdem will die Stadt im neuen Radl-Konzept an diesem „Mischprinzip“ festhalten, aber zusätzlich einen Radl-Highway durch die Sparkassenstraße schaffen (tz berichtete). Am Mittwoch stimmt der Stadtrat ab.

Den Park-Schandis dürfte also viel Arbeit bleiben: Fährt ein Radler schneller als Schrittgeschwindigkeit, schreiben sie 15 Euro auf. Erwischen sie einen in der Fußgängerzone, macht das zehn Euro. Und darauf schauen alle Schandis im Dienst, versichert das KVR, auch die ohne Kelle.

110 000 Knöllchen mehr

Die 180 Münchner Verkehrsüberwacher waren vergangenes Jahr besonders fleißig: 876 786 Strafzettel bekamen Autofahrer an den Scheibenwischer gehängt! Das sind fast 110 000 mehr als 2010 und fast doppelt so viele wie im Jahr 2007. Es gibt allerdings auch immer mehr Parklizenzgebiete.

Überwachungsschwerpunkte sind die Gebiete um Grundschulen, Behindertenparkplätze, Feuerwehranfahrts- und Fußgängerzonen. Regelmäßig kontrolliert werden auch Bewohnerparkplätze und Parkscheinzonen in den Parklizenzgebieten. Wer im Halteverbot steht, in der zweiten Reihe, an einer Bushaltestelle sowie auf Geh- und Radwegen parkt, muss neben einem Knöllchen auch noch damit rechnen, dass der Wagen abgeschleppt wird. Im vergangenen Jahr sind 1267 Fahrzeuge wegen besonderer Gefährdung oder Behinderung abgeschleppt worden – 75 mehr als im Jahr 2010.

dac

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