Münchner im Westend schwer verletzt

Rentner im Koma: Hier ließ der Radl-Rambo das Opfer liegen

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Der Tatort vor der Hansastraße 24: Am Donnerstag behinderte schon wieder ein Fahrzeug auf dem Gehsteig die Fußgänger. In genau dieser Situation kollidierte Orhan S. (74; kl. Foto) mit dem Radfahrer.

München - Orhan S. (74) wurde am Mittwochabend in der Hansastraße von einem Geisterradler ohne Licht umgefahren. Er ringt seitdem mit dem Tod. Der Radl-Rambo flüchtete. Nach ihm fahndet die Polizei.

Ein kleiner Abendspaziergang durchs nächtliche Westend gehört zu den liebgewonnen Gewohnheiten des Ehepaares Ülkü (66) und Orhan S. (74), die seit 40 Jahren in Deutschland leben und lange Jahre als Lehrer an der deutsch-türkischen Gesamtschule in München lehrten.

Orhan S. ringt seit Mittwochabend auf der Intensivstation mit dem Tod.

Auch am Mittwoch schlenderten die beiden in Begleitung einer Freundin gegen 23.10 Uhr heimwärts. Vor dem Haus Hansastraße 24 blockierte ein Handwerkerfahrzeug den Gehweg. So wichen sie über den Radweg aus. Orhan S. ging voraus, blickte sich sogar noch vorschriftsmäßig um und lief los – genau hinein in den Geisterradler ohne Licht, der ihm aus der Dunkelheit entgegenkam. Orhan S. ringt seitdem auf der Intensivstation mit dem Tod. Nach dem Radfahrer fahndet das Unfallkommando der Polizei (Tel. 6216-3322). Er war feige geflohen, als er die Tragweite des Unfalls begriff.

Ehefrau Ülkü und Sohn Umut (28) richten einen flehentlichen Appell an ihn: „Wir appellieren an Ihr Gewissen. Bitte melden Sie sich bei der Polizei. Es wäre so wichtig für uns.“

Münchens kuriose Radlfallen

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Denn der Zustand des 74-Jährigen ist äußerst ernst. Der Sohn sagte am Donnerstag tieftraurig: „Die Ärzte im Klinikum Rechts der Isar tun wirklich alles für meinen Vater. Doch ob er wieder erwacht, das weiß zur Stunde keiner.“

Der etwa 30 Jahre alte Radfahrer muss ein hohes Tempo gefahren sein. Der Aufprall warf Orhan S. rückwärts zu Boden. Dabei schlug er hart mit dem Hinterkopf auf. Der Radfahrer stürzte ebenfalls voll auf den 74-Jährigen. Der junge Mann stand sofort wieder auf, Orhan S. dagegen fiel in tiefe Bewusstlosigkeit. Die Freundin des Ehepaares S. und auch Ehefrau Ülkü sprachen beide mit dem Radfahrer: „Meine Mutter wollte seinen Ausweis sehen. Er sagte: Ja gleich. Ich suche ihn heraus.“ Dann kam der Rettungswagen. Orhan S. erlitt neben mehreren Brüchen im Gesicht (Nase, Wangenknochen, Stirnbein) eine Hirnblutung, die sich am Donnerstag allerdings verschlechterte. Während sich am Unfallort noch alle um ihn kümmerten, stieg der Radfahrer plötzlich auf sein Radl und floh.

„Die Freundin ist ihm hinterhergelaufen, ebenso wie einige Security-Männer. Doch sie konnten ihn nicht mehr einholen.“ Der Radfahrer fuhr ein schwarzweißes Fahrrad (eventuell Mountainbike). Er hat eine kräftige Statur, dunkle, leicht krause Haare und ist 1,90 Meter groß. Er könnte leicht verletzt sein. Wenn er sich freiwillig melden sollte, hinterlässt er vor Gericht einen wesentlich besseren Eindruck.

Befragt nach seiner fehlenden Beleuchtung hatte er am Unfallort gesagt: „Ich fahre schon seit acht Jahren ohne Licht. Es ist noch nie etwas passiert …“

D. Plange, A. Thieme

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