Radschnellwege und Grüne Welle

Radfahrer sollen in München häufiger Vorfahrt haben

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In der Schellingstraße testet die Stadt ab Frühling für ein halbes Jahr eine grüne Welle für Fahrradfahrer.

München - Der Stadtrat will ein Maßnahmenpaket zur Förderung des Radverkehrs verabschieden. Geplant ist eine grüne Welle für Radfahrer in der Schellingstraße zu erproben. Außerdem will die Stadt Teststrecken ausweisen, wo Radfahrer stets Vorfahrt haben.

München bezeichnet sich selbst als Radlhauptstadt. Das ist zwar etwas dick aufgetragen, weil andere Städte deutlich weiter sind bei der Förderung des Radverkehrs. Tatsächlich ist aber auch in München seit einigen Jahren das Bemühen erkennbar, Radfahrern ein schnelleres Vorankommen in der Stadt zu ermöglichen. Nächste Woche wird der Stadtrat nun ein weiteres Paket zur Förderung des Radverkehrs verabschieden. Folgende Maßnahmen sind geplant.

Fahrradstraßen

München ist mit insgesamt 58 die Stadt mit den meisten Fahrradstraßen in Deutschland. Die Stadt hat in einer Studie überprüfen lassen, welche Auswirkungen die Fahrradstraßen haben. Das Ergebnis wird nächste Woche im Stadtrat präsentiert und liegt unserer Zeitung vor. Die Untersuchung zeigt, dass wesentliche Erwartungen, die an Fahrradstraßen gestellt werden, erreicht wurden. In fast allen Fahrradstraßen sind inzwischen mehr Radler als Autofahrer unterwegs. Zudem sank die Zahl der Unfälle in Straßen, die in Fahrradstraßen umgewidmet wurden. Ereignete sich im Schnitt alle 10,8 Monate in den untersuchten Straßen ein Unfall, so krachte es nach Einführung der Fahrradstraße nur noch alle 14,1 Monate. Allerdings stieg die Zahl der schweren Unfälle.

Die Autoren der Studie stellen fest, dass sich die Autofahrer überwiegend regelkonform verhalten und Radfahrern die Vorfahrt gewähren. Radfahrer dagegen achteten weniger auf rechts vor links und führen meist ohne erkennbare Reaktion über Kreuzungen hinweg. Oft „erzwingen“ Radfahrer laut Studie die Vorfahrt. Die überwiegend in den Fahrradstraßen geltende Rechts-vor-Links-Regel funktioniert, aber behindert und gefährdet teilweise das hohe Radverkehrsaufkommen. Fazit der Studie: Fahrradstraßen sind ein wirksames und vergleichsweise kostengünstiges Element zur Förderung des Radverkehrs.

Grüne Welle

Ab dem kommenden Frühling gibt es in der Schellingstraße probeweise für Fahrradfahrer eine grüne Welle. Die Regelung gilt auf dem rund einen Kilometer langen Abschnitt zwischen Luisenstraße und Ludwigstraße. Bislang sind die MVG-Busse in der Schellingstraße durch die dortige Ampelschaltung beschleunigt. Dies muss auch so bleiben, denn die Förderung des Radverkehrs darf nicht auf Kosten des Öffentlichen Personennahverkehrs gehen. Dies hat der Stadtrat in einem Grundsatzbeschluss 2009 festgelegt. Die Stadt testet deshalb ab Frühling mehrere Varianten gleichzeitig: Eine reine grüne Welle ausschließlich für Radfahrer und eine grüne Welle gleichzeitig für Radfahrer und Busse. Die ÖPNV-Beschleunigung wird immer nur kurz unterbrochen. Zudem wird zeitweise auch eine grüne Welle für alle Verkehrsteilnehmer, also auch Autofahrer, geschaltet. So sollen die Wechselwirkungen der Bevorzugung von Verkehrsarten auf die jeweils anderen betroffenen Verkehrsarten aufgezeigt werden. Eine Restgrünzeitanzeige wird voraussichtlich an der Ampel Schelling-/Türkenstraße installiert. Nach einem halben Jahr will die Stadt die Ergebnisse des Versuchs auswerten.

Bevorrechtigung

Auch wenn es vielen nicht klar ist: Als Radfahrer ist man auf einer Fahrradstraße nicht automatisch vorfahrtsberechtigt. In der Regel gilt an Kreuzungen rechts vor links. Dadurch werden Radfahrer aber stark ausgebremst. Fahrradstraßen zu bevorrechtigen, wäre mit enormem Aufwand verbunden. An jeder Kreuzung müssten Schilder errichtet werden, um die Rechts-vor-Links-Regel außer Kraft zu setzen. Bis zu drei Verkehrszeichen pro Richtung wären je Kreuzung erforderlich. Die Stadt hofft deshalb, dass die Straßenverkehrsordnung angepasst wird, um Fahrradstraßen einfacher zu bevorrechtigen.

Pilotstrecken

In einem Pilotprojekt will die Stadt drei Fahrradrouten ausweisen und diese für Fahrradfahrer bevorrechtigen, so dass an Einmündungen und Kreuzungen kein Anhalten mehr nötig ist. Dazu werden Verkehrsschilder errichtet und der Asphalt an Kreuzungsbereichen rot angemalt. Eine der drei Routen verläuft von Nymphenburg bis zum Petuelring. Täglich nutzen zahlreiche Radfahrer die 4,5 Kilometer lange Strecke, die von der Menzinger Straße über die Kuglmüllerstraße, Canalettostraße, Hohenlohestraße zum Olympiapark und über die Birnauer Straße zum U-Bahnhof Petuelring führt. Entlang der Strecke sind viele kleinere und einige größere Maßnahmen vorgesehen. Unter anderem wird die Hohenlohestraße in Gern verbreitert, dort gibt es immer wieder gefährliche Situationen zwischen Fahrrädern und Autos. Im Rahmen des Pilotversuchs wird zudem die Clemensstraße in Schwabing zur bevorrechtigten Fahrradstraße, außerdem die geplante Nord-Süd-Achse durch das Neubaugebiet Freiham.

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