Referat will Radweg nur auf 1,60 Meter ausbauen

Das Radl-Öhr: Zoff zwischen Grünen, SPD und der Verwaltung

Ringen um Zentimeter: 2,30 Meter, wie der Radentscheid es fordert, will die Verwaltung den Radlern auf der Von-der-Tann-Straße vor der Kreuzung Ludwigstraße nicht zuordnen. SPD und Grüne beharren aber darauf.
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Ringen um Zentimeter: 2,30 Meter, wie der Radentscheid es fordert, will die Verwaltung den Radlern auf der Von-der-Tann-Straße vor der Kreuzung Ludwigstraße nicht zuordnen. SPD und Grüne beharren aber darauf.

Es gibt Radl-Ärger im Rathaus: Bau- und Mobilitätsreferat lehnen es ab, am Knotenpunkt Von-der-Tann- und Ludwigstraße den Radweg auf mindestens 2,30 Meter zu verbreitern. Das verlangt aber nicht nur der Radentscheid, es steht auch im Koalitionsvertrag von Grünen und SPD. Die sind sauer.

160 000 Unterschriften hatten die Initiatoren des Radentscheids gesammelt und am 4. Juli 2019 auf dem Marienplatz medienwirksam an OB Dieter Reiter (SPD) übergeben. Der Stadtrat hatte sich kurz darauf entschieden, die Forderungen des Radbegehrens zu übernehmen. Und Grüne und SPD hatten im Koalitionsvertrag festgeschrieben, die Ziele des Radentscheids bis 2025 umzusetzen. Und die sehen unter anderem einen Altstadt-Radlring sowie den Ausbau von Radwegen auf mindestens 2,30 Meter Breite vor.

Doch nun spielt ausgerechnet die Verwaltung nicht mit. Wie aus einer Beschlussvorlage hervorgeht, die unserer Zeitung vorliegt, lehnen Mobilitäts- und Baureferat es ab, auf einer Länge von 60 Metern im Bereich Von-der-Tann- und Ludwigsstraße den Radweg auszubauen. Denn dann müsste die zweite Rechtsabbiegerspur in Richtung der nördlichen Ludwigstraße entfallen. Mithin wäre der Knoten Ludwigstraße/Von-der-Tann-Straße nicht mehr leistungsfähig. Es käme vermehrt zu Staus, prophezeien die Experten aus der Verwaltung. An der Kreuzung zur Prinzregentenstraße sei sodann die Verkehrssicherheit des dort querenden Fuß- und Radverkehrs nicht mehr gegeben.

Überdies müsste der Linienbus hohe Verlustzeiten einplanen, wie es weiter heißt. Es entstünde eine Gefahrenstelle für den Radverkehr beim Rechtsabbiegen von Lastwagen, denn Abbieger hätten zeitgleich mit dem Radverkehr grün. Und zu guter Letzt befürchten die Fachleute aus der Verwaltung, dass der Stau dazu führe, dass mehr Autofahrer durch die südliche Maxvorstadt ausweichen.

Die Rathaus-Regierung ist nicht begeistert. „In einer Variante wird lediglich ein Radweg mit 1,60 Metern Breite vorgeschlagen“, sagte SPD-Stadtrat Andreas Schuster auf Anfrage. „Das können wir so nicht umsetzen. Hier wird der Autoverkehr bevorzugt.“ Er erwarte von der Verwaltung eine neue Vorlage. „Die Planer wollen an der Kreuzung fünf Spuren für Autofahrer in der Von-der-Tann-Straße und sechs Spuren in der Ludwigstraße.“ Zwischen Münchner Freiheit und Von-der-Tann-Straße gebe es aber nur Verkehr mit Ziel und Start in Schwabing. „Wer von Osten in den Norden will, kann auch den Isarring nutzen. Wir wollen den Verkehr ja nicht in die Viertel ziehen.“

Es sei wenig sinnvoll, dass weiterhin mit fünf bis sechs Spuren für den Autoverkehr geplant werde, sagt auch Grünen-Stadträtin Gudrun Lux. „Und für den Fuß- und Radverkehr wird’s dann eng, da haben wir dann Gedränge und Radlstau.“ Lux kündigt an, einen Änderungsantrag zu stellen, man sei mit der SPD im Gespräch, um das gemeinsam zu tun.

Es gebe nun eben einen Paradigmenwechsel seit der Kommunalwahl, sagt Lux weiter. Die Stadtratsbeschlüsse für Saubere Luft, Klimaschutz und der Radentscheid seien nicht nur Papier, sondern verbindlicher Handlungsauftrag. „Klar müssen immer wieder auch Kompromisse gemacht werden. Aber wir werden nicht jede Kröte schlucken. Und hier ist die Planung definitiv zu sehr fürs Auto gedacht und zu wenig fürs Rad und fürs Zufußgehen.“

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