Knackpunkt Verkehrsplanung

München als moderne Fahrradstadt? Radfahrer-Demo für mehr Platz - zu Lasten der Autos

Auch in Zukunft zu schmale Radwege in München? Am 14. Mai fand eine Protestaktion statt
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Auch in Zukunft zu schmale Radwege in München? Am 14. Mai fand eine Protestaktion statt.

Die Initiatoren des Radentscheids kritisieren die Umsetzung am Beispiel Von-der-Tann-Straße. Werden Fahrradfahrer auch in der Zukunft benachteiligt? Die Vertreter sind skeptisch.

München - „Wir brauchen Platz“, rufen die Initiatoren des Radentscheids München* auf der Ludwigstraße. Dort haben sie sich mit einem großen Banner versammelt. Das reicht über die gesamte Breite der Straße und zeigt deren Aufteilung zwischen Autos und Radfahrern: 18 Meter Autospuren gegen zwei Meter Fahrradstreifen auf beiden Seiten. „Wir brauchen endlich sichere Radschnellwege, wenn hier täglich bis zu 30.000 Radfahrer unterwegs sind“, sagt Radentscheids-Sprecher Andreas Schön.

Der Stadtrat hatte bereits im Sommer 2019 beschlossen, die Forderungen des Radentscheids umzusetzen. Der sieht unter anderem den Ausbau der Radwege auf mindestens 2,30 Meter vor, eher aber 2,80 Meter. Für den Umbau der Kreuzung Von-der-Tann- und Ludwigstraße hatten Mobilitäts- und Baureferat aber zunächst für einen Bereich von 60 Metern einen 1,60 Meter breiten Radweg geplant. Das führte zu Kritik, unter anderem von Grünen und SPD im Stadtrat. Die Verwaltung hatte zwischenzeitlich eingelenkt und bei einem Treffen mit Vertretern der Fraktionen versprochen, die Pläne zu überarbeiten.

Neue Radwege in München: Stadtrat lenkt ein - Rad-Aktivisten sind skeptisch

Vorgesehen ist nun, dass auf der Ludwigstraße eine Linksabbiegespur sowie dann im Anschluss auf der Von-der-Tann-Straße eine Fahrspur Richtung Osten entfallen sollen. Dieser frei werdende Raum soll den Radwegen zugeschlagen werden. Der Stadtrat wird sich im Juli mit den überarbeiteten Plänen befassen. Zuvor ist eine digitale Bürgerbeteiligung geplant. Also warum kommt es dann zum Protest? Radentscheid-Sprecher Andreas Schön sagte am Freitag, er begrüße das Einlenken der Verwaltung. „Aber wieso wurden überhaupt solche Pläne vorgelegt, die dem Willen des Stadtrats derart offensichtlich entgegenstehen? Wir bleiben daher skeptisch!“ Die Stadt hat im Sommer begonnen, die Forderungen des Radentscheids umzusetzen. Für den Altstadt-Radlring laufen die Bauarbeiten.

Auf der Blumenstraße zwischen Sendlinger-Tor-Platz und Papa-Schmid-Straße etwa werden bis Ende 2021 beidseitig 2,80 Meter breite Radwege mit einem je 50 Zentimeter breiten Sicherheitstrennstreifen angelegt. Außerdem wird der schmale Gehweg auf der Südseite der Blumenstraße verbreitert. Für den Autoverkehr wird es dann stadteinwärts nur noch eine Fahrspur geben, 17 Längsparkplätze fallen weg. Und auch am Thomas-Wimmer-Ring werden in beide Richtungen 2,80 Meter breite Radwege plus 50 Zentimeter Sicherheitsabstand gebaut. Auch an Engstellen sind noch mindestens 2,30 Meter breite Radwege vorhanden. Für den Autoverkehr sind künftig je Richtung noch zwei Fahrspuren vorgesehen.

München als moderne Fahrradstadt? Neues Konzept für 38 Straßen der Stadt

Ferner hat der Stadtrat vier Bündel mit mehreren Maßnahmen beschlossen. In insgesamt 38 Straßen sollen in beiden Fahrtrichtungen neue, breitere oder besser markierte Radwege entstehen. Bereits laufende Projekte werden an die im Bürgerbegehren genannten Ziele angepasst.

Auf der Fraunhoferstraße waren schon im August 2019 in beiden Richtungen 2,30 Meter breite, rot markierte Radfahrstreifen angelegt worden. Die Verwaltung prüft nun, wie der gesamte Straßenzug auch mit baulichen Eingriffen umgestaltet werden kann. Unterdessen sind die sogenannten Pop-up-Radwege wieder in der Stadt*. Allerdings in Weiß und nicht mehr in Gelb wie noch vergangenes Jahr. (Karowski/Voelkel) *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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