Rätsel um den Mann ohne Kopf und Arme

Der Fundort in der Grafschaft Sussex liegt 60 Kilometer südlich von London.

München - An einem kühlen Oktobertag des Jahres 1991 macht ein Spaziergänger nahe der Ortschaft Bolney in der englischen Grafschaft Sussex (60 Kilometer südlich von London) eine grauenhafte Entdeckung.

Neben dem Waldweg liegt ein grauenhaft verstümmelter, toter Mann. Kopf und Arme fehlen. In den folgenden Monaten ermitteln die britischen Detectivs fieberhaft. Doch selbst die Identifizierung des Toten gelingt nicht. Auf dem Friedhof von Haywards Heath findet das Mordopfer seine letzte Ruhe. Der „Cold Case“ (engl:. Ungelöster Fall) landet im Archiv.

Gewaltverbrecher auf der Flucht

Gewaltverbrecher auf der Flucht

Den beiden Schwerverbrechern Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski gelang am 26. November der Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt Aachen. Nun wurden beide gefasst. © dpa
Peter Paul Michalski (46) gilt als brutal und rücksichtslos. © dpa
Fünf Tage war er auf der Flucht. © dpa
Dann schnappte ihn die Polizei auf der Bundesstraße 58 bei Schermbeck am Niederrhein. © ap
Michalski war auf einem silbernen Damenfahrrad unterwegs. © dpa
Der Medienrummel war groß. © dpa
Nach über fünf Tagen sind nun beide Schwerverbrecher wieder im Gefängnis. © dpa
Michael Heckhoff (50) war 1992 an einer Geiselnahme in der sauerländischen Justizvollzugsanstalt Werl beteiligt. Damals hatte er mit einem Mithäftling einen Zahnarzttermin genutzt, um drei Justizbeamte und drei Arzthelferinnen in seine Gewalt zu bringen. Beim Zugriff der Polizei übergoss Heckhoffs Kumpan zwei der Geiseln mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sie an. Die Frauen erlitten schwere Verbrennungen. © dpa
SEK-Beamte stehen vor dem Haus in Mühlheim/Ruhr, in dem Heckhoff gefasst wurde. Ihn konnte die Polizei bereits am Sonntag in Mülheim festnehmen. © dpa
Mit diesem Fluchtfahrzeug waren die beiden Flüchtlinge in Mühlheim unterwegs. © dpa
Wie Heckhoff in einem Interview berichtet, hatten sie die Waffe in der JVA Aachen gekauft. © dpa
Heckhoff berichtet, er habe von einem Wärter den Schlüssel bekommen und auf den Kopierer gelegt. © dpa
Am Donnerstag konnten die beiden Verbrecher aus der JVA fliehen. © dpa
Seitdem wurde mit einem Großaufgebot gefahndet. © dpa
In der Nacht zum Freitag untersuchten Polizisten den Eingang der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Eine Beamtin steht im Gang vor den Gemeinschaftsräumen der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Aachen stehen im Gang vor ihren Zellen. © dpa
Der Eingang der Justizvollzugsanstalt in Aachen. © dpa
Kurz nach ihrem Ausbruch hatten sich die beiden Kriminellen in ein Taxi gesetzt und den Fahrer aufgefordert, sie nach Kerpen-Buir zu fahren. © dpa
Dort zwangen sie den Fahrer, gemeinsam mit ihnen in ein anderes Taxi zu steigen und weiter nach Köln zu fahren. © dpa
Vom Bahnhofsvorplatz am Dom aus flüchteten die Verbrecher zu Fuß in die Innenstadt. © dpa
Die beiden Taxifahrer ließen sie frei. Sie erlitten einen Schock. © dpa
Danach verlor sich voerst die Spur, bis Heckhoff am Sonntag wieder auftauchte und in Mühlheim festgenommen werden konnte. © dpa
Mit der Festnahme von Michalski am Dienstag, ist die tagelange Fahndung nach den beiden Schwerverbrechern nun zu Ende. © dpa

Heute – 18 Jahre später – rollt Detective Superintendent Andy Griffiths vom Criminal Investigation Department Sussex den Fall noch einmal auf. Seine Hoffnungen ruhen auf dem technischen Fortschritt Isotopen-Analyse (siehe unten). Sie lässt heute Rückschlüsse auf die Herkunft von Toten zu, die vor 18 Jahren noch völlig undenkbar waren. Die Spur weist nach Deutschland, eventuell sogar nach Bayern. Darum reiste Andy Griffiths nach München, um seine Kollegen und auch die Bürger um Hilfe zur Bitten. Im März dieses Jahres wurde das Grab des Mordopfers noch einmal geöffnet. Rechtsmediziner entnahmen Oberschenkel- und Rippenknochen sowie Zehennägel. Zähne und Haare, die sich am besten für die Herkunfts-Bestimmung eignen, fehlen in diesem bedauerlichen Fall.

Die Untersuchung im Kriminallabor ergab, dass der Mann eine längere Zeit seines Lebens in Mittel- oder Osteuropa verbrachte. Das belegen Mineralienspuren in seinen Knochen, die einen Zeitraum von etwa zehn Jahren wiederspiegeln. Auch Österreich oder die Schweiz kommen als frühere Wohnorte in Frage, weshalb der Fall am Mittwoch auch in der Fernsehfahndung Aktenzeichen XY ... ungelöst vorgestellt wurde. Zehennägel verändern bzw. erneuern sich im Gegensatz zu Knochen naturgemäß schneller. Anhand dieser Analyse sind sich die Techniker sicher, dass der Unbekannte das letzte Jahr seines Lebens in England verbrachte – eventuell als Bauarbeiter? Damals wurde ganz in der Nähe des Fundorts die Autobahn errichtet. „Ich habe es im Gefühl. Er ist kein Brite“, sagte Andy Griffiths am Donnerstag.

Der Tote war noch keine 40 Jahre alt, etwa 1,70 Meter groß und auffallend muskulös. Er war beschnitten (ob aus religiösen oder gesundheitlichen Gründen ist unklar) und hatte am rechten Oberschenkel ein sternförmiges, nagelgroßes Muttermal – sehr persönliche Details, an die sich eine Partnerin oder nahe Verwandte eventuell noch erinnern könnten. Unter der Rufnummer 0044-7827-234344 werden Hinweise (auch auf deutsch) entgegengenommen.

Dorita Plange

Die Isotopenanalyse

Die Isotopen-Analyse macht sich die Tatsache zunutze, dass alles organische Material auf Erden aus chemischen Elementen besteht. Somit bestehen alle Pflanzen und Tiere und eben auch der Mensch aus Isotopen. Diese wiederum lassen direkte Rückschlüsse auf das Herkunftsland bzw. bestimmte Regionen zu. Luft und Wasser beinhalten Stoffe, die je nach Region spezifische Zusammensetzungen enthalten, die wiederum in Knochen, Haaren und Zähnen ihre „isotopen Fingerabdrücke“ hinterlassen. Das gleiche gilt für Obst und Gemüse, denn auch Pflanzen spiegeln die Gegebenheiten des Ortes wieder, an dem sie wuchsen. So findet sich die Ernährung mit pflanzlichen und tierischen Produkten im menschlichen Gewebe wieder und erlaubt Rückschlüsse auf Abstammungs- und Aufenthaltsorte bzw. Ernährungsgewohnheiten eines Menschen. Einzelne Bio- und Geo-Elemente verraten den Medizinern, ob ein Mensch zum Beispiel am Meer oder in einer Industrie-Region gelebt hat. Bereits im Gewebe Neugeborener lassen sich Ernährungsgewohnheiten und Aufenhaltsregionen der Mutter vor und während der Schwangerschaft nachvollziehen. In München wird die Isotopen-Analyse vom Institut für Rechtsmedizin durchgeführt, das z. B. über eine Datenbank von weltweit gesammelten Haar-Proben verfügt.

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