Warum wollte auch der Sohn sterben?

Rätsel nach dem Doppelselbstmord

+
Rudolf S. (66) stößt mit seinem Sohn Martin auf die Hotel-Eröffnung an. Am Samstag stürzten sie sich in München vor seinen Zug - sie waren sofort tot.

Der Doppelselbstmord vom S-Bahnhof Fasanerie – er wird immer rätselhafter. Nachdem die Identität eines Toten – Rudolf S. (66) – mit Hilfe eines Fingerabdrucks schon am Sonntag geklärt werden konnte, ist nun auch der zweite Tote identifiziert.

Martin H. „Es handelt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den Sohn von Rudolf S.“, sagt Polizeisprecher Peter Reichl. „Letzte Sicherheit wird aber erst ein DNA-Abgleich geben.“

Lesen Sie auch:

Bewaffneter auf der Flucht

Unterschleißheim: Rentner (67) hält Ex-Freundin gefangen

Doppelselbstmord nach SEK-Einsatz

Die beiden Männer hatten sich am Samstagabend am S-Bahnhof Fasanerie gemeinsam vor einen Regionalzug gestürzt. Nach Rudolf S. hatte die Polizei seit Freitagvormittag gefahndet. Seine langjährige Lebensgefährtin Renate H. (60) war an jenem Tag blutüberströmt in ein Friseurgeschäft in Unterschleißheim geflüchtet. Der Polizei sagte die Frau, sie sei wochenlang von Rudolf S. festgehalten, geschlagen und vergewaltigt worden.

Ein Spezialeinsatzkommando stürmte kurz darauf ein ehemaliges Schreibwarengeschäft an der Raiffeisenstraße, in dem Rudolf S. zeitweise lebte und Renate H. festgehalten hatte. Der 66-Jährige war jedoch schon geflüchtet.

Bislang ist völlig unklar, weshalb auch Martin H., der gemeinsame Sohn von Rudolf S. und Renate H., den Freitod wählte. Es gibt Hinweise, dass der junge Mann seinen Vater unterstützt hatte, seine Mutter Renate in Unterschleißheim festzuhalten. Zumindest soll er seine Eltern mit dem Auto herumgefahren haben. Ob Martin H. aber tatsächlich wusste, dass sein Vater die Mutter gegen ihren Willen in dem Ladengeschäft festhielt, ist noch nicht ermittelt. Dazu sind weitere Befragungen der Mutter nötig.

Derzeit gibt es noch kein eindeutiges Motiv, weshalb Rudolf S. seine ehemalige Lebensgefährtin Renate H. als Geisel hielt. Möglicherweise war ein anderer Mann der Grund.

Rudolf S. und Renate H. haben eine bewegte Vergangenheit: Im Jahr 2006 machte das Paar, das noch eine 21 Jahre alte gemeinsame Tochter hat, erstmals Schlagzeilen. Die beiden betrieben damals in Grafenau im Bayerischen Wald das Parkhotel Grafenau. Über das Auktionsportal ebay versteigerten sie mehr als 1000 Wellnessgutscheine zum Schnäppchenpreis – per Vorkasse.

Als die ersten Gäste anreisten, standen diese jedoch vor verschlossenen Türen. Die Hoteliers hatten sich mit 85 000 Euro aus dem Staub gemacht. Renate H. hatte sich zunächst in einer Pension versteckt. Nach zehn Tagen stellte sie sich der Polizei.

Im Februar diesen Jahres standen Renate H. und Rudolf S. vorm Amtsgericht Freyung – wegen Betrugs und nicht abgeführter Sozialleistungen ihrer Hotelangestellten. Die geständige Renate H. bekam zwei Jahre auf Bewährung. Sie hatte während des Prozesses ihren Lebensgefährten belastet. Sie sei zwar die Geschäftsführerin gewesen, er aber der „Manager“. Rudolf S. wurde zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Er legte dagegen Berufung ein, die Verhandlung wäre im Januar nächsten Jahres gewesen.

Rudolf S. hat neben seinen zwei gemeinsamen Kindern mit Renate H. noch drei weitere mit seiner Münchner Ehefrau, von der er sich nicht hatte scheiden lassen. Bis zuletzt war er bei ihr noch gemeldet.

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Trotz Verbots! Georg D. schleicht sich 130 Mal in die Uni – seine Rechtfertigung ist überraschend 
Trotz Verbots! Georg D. schleicht sich 130 Mal in die Uni – seine Rechtfertigung ist überraschend 
Stammstrecke am Wochenende erneut gesperrt: Fahrgäste müssen Geduld mitbringen
Stammstrecke am Wochenende erneut gesperrt: Fahrgäste müssen Geduld mitbringen
Polizei verhaftet Hertha-Fan - am Viktualienmarkt hatte er sich tierisch daneben benommen
Polizei verhaftet Hertha-Fan - am Viktualienmarkt hatte er sich tierisch daneben benommen

Kommentare