Rätsel um Prügelopfer Teresa

Wusste der Richter zu wenig?

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Faustschlag-Opfer Teresa Z. in der Notaufnahme

München - Nach dem Prügel-Vorfall in der Polizeiinspektion 21 (Au) tauchte eine zentrale Frage auf: Warum hatte ein Richter die Blutentnahme bei Opfer Teresa Z. abgelehnt?

Schließlich steht seit Beginn der Ermittlungen der Vorwurf der Polizei im Raum, die 23-Jährige habe an jenem Sonntagnachmittag im „Drogenrausch“ gehandelt und dadurch die Situation in der Zelle zum Eskalieren gebracht.

Nach tz-Informationen lagen weder der zuständigen Staatsanwältin noch dem Amtsrichter alle wichtigen Informationen zu dem Fall vor. Aus einer Telefonnotiz geht hervor, dass Teresas massive Gesichtsverletzungen – noch dazu von einem Polizisten verursacht – von der Inspektion zunächst gar nicht weitergegeben worden sind! Eine Beamtin der Polizeiinspektion 21 hatte nämlich nach dem Vorfall in der Zelle mit der Staatsanwältin telefoniert und einen Sachverhalt geschildert, in dem ein Faustschlag ihres Kollegen kein Thema war. Es war nur von einer Verletzung bei der Fesselung die Rede. Dagegen wurde Teresas Verhalten ausführlich geschildert. Beispielsweise dass sie Beamte angespuckt, getreten und gekratzt habe. Der Sachverhalt, den der Amtsrichter dann von der Staatsanwältin geschildert bekam, war ihm wohl nicht gravierend genug, um eine Blutentnahme anzuordnen. Womöglich hätte er anders entschieden, wenn er von den Gesichtsverletzungen gewusst hätte.

„Das inzwischen per Gerichtsbeschluss angeordnete Haargutachten kann jedenfalls nicht beweisen, dass meine Manddantin am Tag des Faustschlag-Vorfalls im irgendeinem Drogenrausch gewesen war“, sagt Teresas Anwalt Franz J. Erlmeier.

Auch gut zwei Monate nach dem Vorfall in der Haftzelle der Polizeiinspektion 21 laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Unstrittig ist, dass Teresa Z. (23) an jenem Sonntagnachmittag mit gebrochener Nase und Augenhöhle ins Krankenhaus kam. Ebenso, wie es zu den massiven Verletzungen gekommen war: Ein Polizist (33) hatte der jungen Frau mindestens einmal mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Der aus Sachsen stammende Beamte beruft sich auf Notwehr. Teresa Z. habe zu einem Kopfstoß angesetzt, nachdem sie ihm ins Gesicht gespuckt hatte. Die junge Frau sagt: „Stimmt nicht. Ich habe nie meinen Kopf gegen den Beamten gerichtet“. Ihre Arme waren zum Zeitpunkt des Faustschlags auf den Rücken gefesselt. Zudem war sie von drei, vier Polizisten auf der Zellenpritsche fixiert gewesen.

JAM

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