Einstiger Serienstraftäter

Immer noch auf freiem Fuß: Rätseln über "Mehmet"

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Beschuldigt: Muhlis Ari wurde in der Türkei wegen schweren Raubs und Freiheitsberaubung verurteilt. foto: rtl

München - Der einstige Serienstraftäter Muhlis Ari alias "Mehmet" wurde in der Türkei zu elf Jahren Haft verurteilt – und ist doch auf freiem Fuß. Sein Fall gibt Rätsel auf.

Im Dezember 2013 kam eine Nachricht auf, die viele Leute nicht überrascht haben dürfte: Muhlis Ari, der als jugendlicher Serienstraftäter „Mehmet“ in den neunziger Jahren zum Politikum wurde, ist in der Türkei zu elf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Antalya hatte ihn bereits im Oktober des schweren Raubs und der Freiheitsberaubung schuldig gesprochen. Muhlis Ari, ein unverbesserlicher Gewalttäter? Bei näherem Hinsehen gibt es in dem Fall aber einige Ungereimtheiten.

Aris Anwalt Burkhard Benecken hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Ein Termin für die Verhandlung steht noch nicht fest, die Mühlen der türkischen Justiz mahlen langsam. Benecken ist sich sicher, dass sein Mandant in zweiter Instanz freigesprochen werden wird: „An dem Urteil bestehen starke Zweifel.“ Das sehe man allein daran, dass der 29-Jährige trotz der drakonischen Haftstrafe weiterhin auf freiem Fuß sei: „Es wurde kein Haftbefehl verhängt.“ Das bezeichnet auch ein türkischer Beobachter des Falls gegenüber unserer Zeitung als „sehr ungewöhnlich.“ Benecken verweist darauf, dass „90 Prozent der erstinstanzlichen Urteile in der Türkei aufgehoben“ würden.

Angezeigt hatte Muhlis Ari der 63-jährige Münchner Rouven A. Er sagte aus, Ari habe ihn zusammen mit einem Komplizen im August 2012 in den Bergen bei Antalya in einen Hinterhalt gelockt und ihm eine Uhr sowie eine Halskette im Wert von mehreren zehntausend Euro geraubt. „Der vermeintliche Geschädigte war im Prozess gar nicht anwesend“, berichtet Benecken. „Seine Aussage lag nur schriftlich vor.“ Er hoffe, dass sich in einem Berufungsprozess alle offenen Fragen klären ließen. Denn Muhlis Ari bestreitet die Vorwürfe vehement.

Dass es zu einem Treffen in der Türkei kam, räumt Benecken ein. Muhlis Ari habe Rouven A. noch 5000 Euro geschuldet. Die beiden waren einst Geschäftspartner. Rouven A. soll laut Benecken einen „Versicherungsbetrug“ geplant haben, darüber sei es zum Streit mit Ari gekommen. „Die Anzeige war ein Racheakt“, sagt Benecken, der aber nicht näher auf die Vorwürfe eingehen möchte.

Sein Mandant wisse zwar, „dass er gute Karten in einer Berufung hat“. Trotzdem sei Ari beunruhigt: „Er hat nicht immer gute Erfahrungen mit der Justiz gemacht.“ Auch mit der deutschen kam er immer wieder in den Konflikt. Mit 14 Jahren wurde er nach dutzenden Straftaten mitten im Landtagswahlkampf vom damaligen Innenminister Günther Beckstein in die Türkei abgeschoben. Später kehrte er zurück, wurde jedoch 2005 zu einer 18-monatigen Gefängnisstrafe wegen Erpressung und Körperverletzung seiner Eltern verurteilte. Damals setzte sich Ari vor Haftantritt in die Türkei ab.

Sobald Ari deutschen Boden betritt, droht ihm die Festnahme. Im Oktober war Ari mit einem Antrag auf Betretungserlaubnis gescheitert, um auf einer Buchmesse seine Autobiographie vorzustellen. Bis zum Abschluss des Verfahrens in der Türkei stelle man nun alles zurück, sagt Benecken. „Er möchte aber nach wie vor zurück nach Deutschland.“

Angelo Rychel

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