Die Mumie von Haidhausen

Hausmeister hängt 13 Jahre im Keller

München - Gruseliger Fund in Haidhausen: Bei einer Entrümpelungsaktion in einem Mehrfamilienhaus in der Franziskanerstraße wurde jetzt die mumifizierte Leiche eines Mannes entdeckt.

Haidhausen: Vermisster nach 13 Jahren tot aufgefunden

Bei Räumungsarbeiten in einem Mehrfamilienhaus in der Franziskanerstraße (Haidhausen) ist ein Mann gefunden worden, der 13 Jahre lang vermisst war. © Kruse
Seine inzwischen 80 Jahre alte Frau hatte ihn vermisst gemeldet, sie lebte weiter in nächster Nähe in der gemeinsamen Wohnung in dem Altbau. Der mumifizierte Leichnam des Mannes wurde in dem seit Jahren nicht mehr genutzten und versperrten Duschraum einer stillgelegten Backstube entdeckt. © Kruse
Über diesen Kellerraum ging es zu der Dusche, in der der Leichnam gefunden wurde. © Kruse
Doch der Zugang (hinten rechts) war durch Gerümpel verstellt. © Polizei
Hier hing Otto B. - er hatte im Oktober 1996 Selbstmord begangen. © Kruse
 „Es steht zweifelsfrei fest, das es sich um einen Suizid handelt“, sagt Polizeisprecher Andreas Ruch. © Kruse
Als Hausmeister hatte der damals 67-Jährige die an sich versperrte Tür im Keller offenbar mit seinem Generalschlüssel geöffnet und hinter sich wieder zugezogen. © Kruse

Seinem Nachbarn sagt er, dass er zum Oktoberfest will. Stattdessen aber geht Otto B. in den Keller. Es ist ein verwinkelter Keller. Doch Otto B. kennt jede Nische – er ist der Hausmeister des Anwesens in Haidhausen. Er sperrt einen versteckten Raum auf, die Tür ist hinter lauter Gerümpel versteckt. Dann schließt er sie – und setzt seinem Leben mit einem Strick ein Ende. Es ist der 6. Oktober 1996, Otto B. ist 67 Jahre alt. Seitdem gilt der Münchner als vermisst. Es gibt keine Spur von dem ehemaligen Bühnenarbeiter.

Jetzt kann die Polizei seine Akte schließen. Die neue Besitzerin des Wohnhauses an der Franziskaner Straße hatte Otto B. gefunden, als sie am Samstag den weitläufigen Keller entrümpeln wollte. Als die 47-Jährige die Tür zu dem ehemaligen Duschraum einer Backstube aufstößt, macht sie eine schreckliche Entdeckung. In dem fensterlosen Raum hängt ein Leichnam, er ist teilweise mumifiziert.

Die Kriminalpolizei findet keinerlei Hinweise für ein Verbrechen. „Es steht zweifelsfrei fest, das es sich um einen Suizid handelt“, sagt Polizeisprecher Andreas Ruch. Zwar muss jetzt ein DNA-Test letzte Sicherheit über die Identität der Leiche bringen, aber die Polizei ist sich jetzt schon sehr sicher: Es ist Otto B.!

Fast genau 13 Jahre nach seinem plötzlichen Verschwinden haben die Ehefrau und die Tochter von Otto B. nun Gewissheit. Ihr Ehemann und Vater hat sich das Leben genommen. Warum, weiß niemand. Otto B. hatte keinen Abschiedsbrief zurückgelassen. Seine Frau lebt heute noch in dem Haus, in dem ihr Mann so lange unbemerkt tot im Keller war.

Die Mieter des Hauses sind erschüttert. „Ich wusste gar nicht, dass es da noch einen Raum gibt“, sagt eine Frau, die schon seit Jahrzehnten in dem Haus wohnt. Ja, an die Bäckerei erinnert sie sich schon noch, aber die gibt es seit mehr als 30 Jahren nicht mehr. Warum all die Jahre die Leiche nicht entdeckt wurde, ist ein Rätsel. Offenbar hatte keiner der Bewohner einen Grund, einmal in dem Duschraum der Backstube zu stöbern. Dieser Raum ist nur über ein Kellergewölbe zu erreichen. Dort gibt es kein Licht, in diesem Raum stapeln sich Türstöcke und Fensterrahmen. Demnächst sollten neue Wasserrohre verlegt werden, dazu musste der gesamte Keller entrümpelt werden. Als sich jetzt die Hausbesitzerin einen Überblick verschaffte, klärte sich das Schicksal von Otto B.

Jacob Mell

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