„Alle sieben Wellen“

Bauer sucht Frau im Bayerischen Hof

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Ralf Bauer und Ann-Cathrin Sudhoff standen schon 2013 bei "Gut gegen Nordwind" in der Komödie im Bayerischen Hof zusammen auf der Bühne.

München - Nach "Gut gegen Nordwind" stehen Ralf Bauer und  Ann-Cathrin Sudhoff in „Alle sieben Wellen“ erneut zusammen auf der Bühne der Komödie im Bayerischen Hof .

Romeo und Julia, gut und (tragisch) schön. Aber letztlich schmachtet doch der Leser beziehungsweise ­Zuschauer danach, dass zwei sich am Ende kriegen. Daniel Glattauer, Wiener Journalist und Autor, hätte gegen alle Vernunft gehandelt, wenn er seinen Erfolgsroman Gut gegen Nordwind von 2006 nicht mit Alle sieben Wellen fortgesetzt hätte.

Haben Emmi Rothner und Leo Leike in Nordwind über eine E-Mail-Zufallsbekanntschaft – nämlich einen Vertipper in der Adresszeile– Gefallen an einer Seelen-Austausch-Korrespondenz gefunden, so mailen sie sich jetzt immer gefühlsintensiver in Richtung Happy End. Auch dieses Glattauer-Stück, wiederum in Ulrike Zemmes Bühnenfassung, bringt uns die Komödie im Bayerischen Hof jetzt auf die Bretter.

Wie das bei Serien so ist: Man ist schon sehr vertraut mit diesem sich bis in die letzten Psycho-Verwinkelungen einander offenbarenden Paar. Aglaia Szyszkowitz und Walter Sittler haben es 2011 in der Regie von Michael Kreihsl ernsthaft-eindringlich gespielt, 2013 dann Ann-Cathrin Sudhoff und Ralf Bauer unter Regisseur Wolfgang Kaus.

Nun spinnt das Trio Bauer – Sudhoff – Kaus die neoromantische, aber durchaus nicht realitätsferne Geschichte zweier magnetisch angezogener Liebessehnsüchtler weiter – auf die von der ersten Emmi-Leo-Runde her bekannte trocken-heitere Art.

"Alle sieben Wellen"

Bis 22.11., immer 20 Uhr, sonntags 18 Uhr. Karten unter Telefon 089/29 16 16 33.

Sentimentalität und Kitsch bleiben da wohltuend draußen. Und es macht doch, bei aller Bekanntheit der gegenseitigen Charakter-Ausforschung und analysierenden Selbsttherapierung, wieder viel Spaß, den spitzbübischen Charme-Boy Bauer und die attraktive Sudhoff zu erleben, wie sie sich in Thomas Peknys „Zwillings-­Appartement“ (zwei identische Behausungen mit imaginärer Trennwand) von der gemeinsamen Kleiderstange immer wieder andere schicke Bequem-klamotten überwerfen, dabei prima Figur machen – Bauer setzt mit Klimmzug und Trockenrudern seinen yogagestählten Body ein –, und wie sie sich die gegenseitigen Einschätzungen, Vorwürfe und Bedürfnisse im flotten Pingpong-Rhythmus zuwerfen. Da kommen diese ja „geschriebenen“ Texte relaxed über die Rampe.

Zuerst verschanzen sich die beiden noch hinter dem Schutzwall einer anderen Verbindung: Emmi ist ja (noch) mit Bernhard verheiratet, und Leo glaubt, in Pamela die richtige Zukünftige gefunden zu haben. Beide eisen sich schließlich los: Nach langen Umwegen haben sie sich endlich als das ideale Yin-und-Yang-Paar erkannt. Das ist wenig Handlung. Umso größer die Kunst von Stück, Regie und Spiel, diese mit immer neuen kleinen Wendungen, neuen Seelenpreisgaben am Laufen zu halten: von der Neugier – wie sieht der/die andere aus? – und der Lust an der narzisstischen Bestätigung durch den Mail-Freund bis zu dem Wunsch des konkreten Kennenlernens, der körperlichen Berührung – mit all den damit verbundenen Zweifeln und Ängsten der möglichen Enttäuschung.

Dass Daniel Glattauer die Fertigkeit des Variierens bis an die Grenzen ausgereizt hat, ist nicht zu übersehen. Aber für Glattauer-Newcomer ist es sich ein ganz ungetrübtes Vergnügen. Und sollte der Autor, wie von Ralf Bauer und Ann-Cathrin Sudhoff gerne gesehen, eine dritte Folge schreiben, wird er sich sicher etwas Neues einfallen lassen.

Malve Gradinger

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