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Bilder: "Rama dama! München nach 1945"

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Von: Gregory Straub

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1 / 27Noch viele, viele Bilder und Geschichten mehr gibt es in dem Buch "Rama dama! München nach 1945" von Heidi Fruhstorfer. Das Buch gibt es bei uns in unserem Heimatshop für 19,90 Euro zu kaufen. Hier können Sie das Buch bestellen. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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2 / 27Fotograf Georg Fruhstorfer zog in jenen Tagen mit seiner Leica durch die Stadt und hielt die Trümmerlandschaft auf beeindruckenden Bildern fest. © mzv-mm
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3 / 27Fruhstorfer verstarb im Jahr 2003, doch seine Frau Heidi Fruhstorfer stellte anhand der Bildersammlung ein Buch mit dem Titel "Rama dama! München nach 1945" zusammen. Das größtenteils bislang unveröffentlichte Bildmaterial wird hier durch die informativen Texte von Heidi Fruhstorfer ergänzt. Wir haben einige Bilder aus dem Buch für Sie zusammengestellt! © mzv-mm
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4 / 27Bei einem Angriff der Air Force in den Mittagsstunden des 22. November 1944 wurden die die Stadtsilhouette prägenden Kulturbauten getroffen. Die gotische Frauenkirche, das Wahrzeichen der Stadt mit den beiden charakteristischen welschen Hauben, blieb zwar als Gebäude erhalten, doch wurde die Kathedrale aus dem 15. Jahrhundert übel zugerichtet. Dem Glasmaler Adalbert Mayer war es zu verdanken, dass immerhin zwei Drittel der alten gotischen Glasmalereifenster vor Zerstörung gerettet werden konnten. Mayer überzeugte die Kirchenmänner vor dem verheerenden Luftangriff das Böse ahnend, die Fenster ausbauen und an einem sicheren Ort lagern zu lassen. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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5 / 27Erbarmungswürdig sieht die älteste Kirche der Stadt aus, die Peterskirche. Die charakteristische Domspitze fehlt, das Kirchenschiff ist zerstört. Nach Ende des Krieges wurde die Kirchenruine zum Abriss freigegeben, die Sprenglöcher waren bereits gebohrt. Doch mit der Entschlusskraft der beiden Stadtpfarrer Max Stritter und Max Zistl, den Wiederaufbau unter allen Umständen durchzuführen, retteten beide die Kirche. Die Reparaturarbeiten begannen 1946. 1951 beschloss der 1950 gegründete „Wiederaufbauverein Alter Peter“, die Turmkuppel nach historischen Aufnahmen wiederherzustellen. Mit der Aufsetzung des Kreuzes auf dem Turmhelm am 8. September 1951 und der Weihe des Hochaltares am 27. Juni 1954 durch Kardinal Wendel, wurde der Wiederaufbau der äußeren Form abgeschlossen. Die Rekonstruktion des Inneren dauerte bis zum Jahre 2000. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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6 / 27Heute gehören sie zu den glanzvollsten musikalischen Erlebnissen in der Stadt: die festlichen Konzerte christlicher Musik aus fünf Jahrhunderten, die Hochämter, feierlichen Messen und Gottesdienste, die in der Jesuitenkirche St. Michael in der Neuhauser Straße aufgeführt werden. St. Michael, die größte Renaissancekirche in Bayern, zählt zu den schönsten Gotteshäusern der Stadt. Dass die Michaelskirche am 23. November 1944 nach einem Bombenangriff fürchterlich zugerichtet war, ist für viele Menschen heute unvorstellbar. Das Deckengewölbe, nach dem Petersdom in Rom das Größte seiner Art, wurde regelrecht von den zerstörerischen Kräften weggepustet. Eine Ruine mit offenem Dach und verwüstetem Inneren blieb von all der Pracht übrig. Und selbst die gusseisernen Särge in der Gruft unter der Kirche, unter ihnen auch jener von Ludwig II., wurden zerbeult, was man auch heute bei einem Besuch noch erkennen kann. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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7 / 27Die Mauern des Bayerischen Nationalmuseums wurden durch Luftangriffe stark beschädigt, die Säle waren ausgebrannt. Doch durch die Auslagerung großer Teile der wertvollen Sammlung konnte diese gerettet werden. Die amerikanische Militärregierung übernahm den Schutz der Bergungsplätze und verbot jede unbefugte Bewegung der Kunstgegenstände. Mit einfachsten Mitteln wurde der Bau wiederhergestellt. Bereits im Frühjahr 1947 konnten die Münchner durch die ersten neuen Säle schreiten. Der unter Prinzregent Luitpold nach Entwürfen von Gabriel von Seidl im Jahre 1900 eröffnete Museumsbau, die „Schatztruhe Bayerns“, birgt eine einzigartige Kunst- und kulturhistorische Sammlung. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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8 / 27Am 1. April 1946 begann in der vom Krieg beschädigten Universität wieder der Lehr- und Lernbetrieb. Da es an Bau- und Facharbeitern mangelte, wurden die Studenten aufgefordert, sich am Wiederaufbau mit je 100 Arbeitsstunden zu beteiligen. Am Vormittag des 17. Juni 1948 demonstrierten erstmals nach dem Kriege an die 11 000 Studenten gegen die schlechte Ernährungslage. Knapp fünfeinhalb Jahre zuvor wurden hier Sophie und Hans Scholl, die Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose", beim Verteilen von Flugblättern verhaftet. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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9 / 27Im ehemaligen Zeughaus am Anger wurde ab 1888 das Stadtmuseum eingerichtet. Vom „Historischen Museum der Stadt München“ – wie es vor 1954 hieß – war nur die Fassade übrig geblieben. In der Nachkriegszeit entwickelte sich das Münchner Stadtmuseum zu einem beachtlichen Ausstellungshaus mit umfangreichen Sammlungen. Heute trifft man täglich viele Münchner und Touristen aus aller Welt an diesem Ort der kulturellen Begegnung. Sie alle gehen durch den romanischen Eingangshof zum Zeughaus, einem der letzten Zeugnisse spätgotischer Profanarchitektur. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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10 / 27Der Justizpalast im Herzen der Stadt zwischen Prielmayer- und Elisenstraße war in einem erbärmlichen Zustand. Das imposante neobarocke Gebäude war in den Jahren 1890 bis 1897 nach Plänen von Friedrich von Thiersch errichtet worden. Nun war es ausgebrannt. Nur zwei Jahre zuvor, im Frühjahr 1943, war der Justizpalast Schauplatz der Prozesse des „Volksgerichtshofes“ gegen die Mitglieder der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gewesen. Heute erinnert eine Dauerausstellung in Saal 253 an die mutigen Studenten um die Geschwister Scholl. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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11 / 27Beim Anblick dieser wackeligen Behelfsläden dürfte wohl die Lokalbaukommission ein Auge zugedrückt haben. Das „Baumaterial“ hatte man sich auf Schutthalden zusammengesucht, Nägel aus alten Bretten gezogen, flachgeklopft und wiederverwendet. Es galt zu improvisieren – Not machte erfinderisch! © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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12 / 27Von hoch oben aus hatte Fotograf Georg Fruhstorfer die zerstörte Bahnsteighalle des Hauptbahnhofs und die dahinterliegende Stadtkulisse mit den Frauentürmen vor die Linse bekommen. Links hinter dem Bahnhofsgebäude ist das vom Bombenhagel fast verschont gebliebene Kaufhaus Herman Tietz, „Hertie“, zu sehen, dahinter das neugotische Backsteingebäude des Neuen Justizgebäudes mit den beiden Türmen. Daran schließt sich der neobarocke Justizpalast an. Rechts neben dem Kaufhaus Hertie, das eingerüstete Telegrafenamt. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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13 / 27Im Krieg erlitt der Bahnhof schwerste Schäden durch die Bombardierungen. Trotzdem, nach fast jedem Bombenangriff konnte der Zugverkehr teilweise wieder aufgenommen werden, auch weil zerbombte Gleise repariert werden konnten. Wegen der Luftangriffe mieden Soldaten und Zivilisten die Nähe des Hauptbahnhofes. Erst Ende April 1945 war das Eisenbahnnetz durch die ständigen Luftangriffe vielfach unterbrochen, das Bahnhofsgebäude fast völlig zerstört. Vom 16. Mai bis 16. August 1949 wurde die einsturzgefährdete Bahnsteighalle erst gesprengt und dann die restlichen Gebäuderuinen abgerissen, um einen Wiederaufbau zu ermöglichen. Im heutigen Bahnhof finden sich aber noch einige Original-Fundamente des alten Bürklein-Bahnhofs (benannt nach dem Erbauer und Architekten Friedrich Bürklein). © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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14 / 27Die Zeiten waren schwer und schlecht. Ein junger Mann hat Blumensträußchen zum Verkauf ausgelegt. Schauplatz ist die Bayerstraße, der heutige Eingang zu einem Schnellrestaurant. Im Hintergrund die alte Hauptpost, heute mit einem Stockwerk weniger das "Sofitel". © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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15 / 27„Der ‚Donisl‘ hat wieder auf!“ – schnell hatte sich die Neuigkeit in München verbreitet und regte die wieder erwachten Lebensgeister der darbenden Bevölkerung an. Ein Himmelreich hätte man gegeben für echte Würstel und schäumendes Bier - und das ab fünf Uhr in der Früh. Zu entbehrungsreich waren die Zeiten. Obwohl das „Donislhaus“ zerstört war, schaffte man schnell ein Provisorium mit Durchblick zum Dom. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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16 / 27Der Schutt ist weggeräumt, die ersten Autos fahren wieder über den Marienplatz. Auch die Straßenbahnen zockeln vom Tal kommend über den Platz, die Kaufinger- und Neuhauser Straße hinunter zum Stachus. Für den Wiederaufbau und die Gestaltung des Marienplatzes aber hat man noch keine Lösung gefunden. Die Stadt hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben: über 360 Entwürfe waren eingegangen, die bis Ende Januar 1949 in einer Ausstellung gezeigt wurden. Die meisten Menschen wollten den Platz wieder so haben, wie er war – mit Toren, Türmen und Türmchen. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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17 / 27Bei hilflosen und alten Menschen schlug das Schicksal besonders hart zu. Sie fanden sich nicht mehr zurecht in dieser kaputten Welt. Ihr Lebenswerk war zerstört, viele gingen betteln oder resignierten. Hier eine Aufnahme vor dem Karlstor am Stachus. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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18 / 27Zerstört und noch nicht wieder aufgebaut waren die Gebäude zwischen Promenadeplatz und Löwengrube. Man schrieb das Jahr 1952. Tausende von Menschen gaben Kardinal Faulhaber das letzte Geleit. In großer Prozession wurde sein Leichnam am 17. Juni 1952 auf einem von Braurössern gezogenen Wagen zur Frauenkirche gefahren, wo er in der Bischofsgruft die letzte Ruhe fand. Die Münchner empfanden den Verlust ihres 83-jährigen Oberhirten als schmerzlich, war er doch seit 1917 35 Jahre lang Erzbischof der Erzdiözese München-Freising gewesen. © Georg Fruhstorfer/Wartberg Verlag
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19 / 27Ein Standerl am Viktualienmarkt - im Hintergrund die zerbombte Heiliggeistkirche. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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20 / 27Das Siegestor an der Ludwig-/Leopoldstraße war einst als Denkmal zu Ehren des bayerischen Heers errichtet worden. Bei ­einem Luftangriff im Juli 1944 wurde es schwer beschädigt. Der erste amerikanische Stadtkommandant Eugene Keller ließ es aber nicht abreißen, sondern wiederaufbauen. Heute findet sich hier die Inschrift: „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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21 / 27Nein, es geht nicht um Schnickschnack. Was man in diesen schweren Jahren braucht, ist Grundsätzliches. So wie an diesem Standl am Marienplatz: Hämmer und Feilen. Im Hintergrund ist das zerstörte Kaufhaus Beck gut zu erkennen, links das neue Rathaus und davor die Mariensäule. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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22 / 27Im Hintergrund: der alte Hauptbahnhof, dem der heute bekannte Zweckbau folgte. Auf Fruhstorfers Aufnahme sehen wir Menschen, die auf die Tram warten. Ja, sie fuhr – aber bloß hin und wieder. Oft gab es stundenlange Stromsperren, deshalb gehörte Warten dazu. Aber für viele Menschen war die Tram das einzige Verkehrsmittel. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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23 / 27Das Herz der Stadt – eine einzige Wüste der Zerstörung: Dieses Foto ist am Stachus (offiziell der Karlsplatz) entstanden. Im Hintergrund kann man den Justizpalast ­erkennen, ansonsten sieht man nur Ruinen und Schutt. Mittendrin sitzt ein Mann und hält den Schrecken auf einer Zeichnung fest. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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24 / 27Die Jahre nach dem Krieg: Sie waren hart, bitterhart. Zum Beispiel auch für die Blumenfrau am Stachus. Die knappe Rente reichte hinten und vorn nicht, die Ersparnisse waren der Geldentwertung zum Opfer gefallen. Ihren Lebensunterhalt verdiente diese Frau mit dem Verkauf ­kleiner Sträuße, die sie fast täglich am Stachus feilbot. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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25 / 27Ein Behelfs-Zeitungskiosk. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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26 / 27Dieses Bild entstand nicht weit vom Sendlinger Tor, in der Kreuzstraße. Die Eheleute Fahrngruber hatten die ­Wirtschaft Zum Tannenbaum von der Tante geerbt. Zunächst führten sie den Betrieb in einem Behelfsbau, in den 50er-Jahren folgte dann der ­Wiederaufbau der Gaststätte und des Hotels. Aus einer Baracke wurde ­unter großem Einsatz und mit viel Schweiß wieder ein richtiges Haus. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer
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27 / 27Große Augen gab es bei den Menschen in den frühen 50er Jahren, als das Wirtschaftswunder seinen Lauf nahm und in den Schaufenstern Dinge zu sehen waren, von denen die Menschen ein paar Jahre zuvor nicht mal zu träumen gewagt hätten. © Bayerische Staatsbibliothek/Georg Fruhstorfer

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