82-Jähriger vor Gericht

Rambo-Rentner würgt Bub am Schulhof

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Daniel zeigt das Fenster, von dem aus er von dem Rentner Hermann G. (l.) attackiert wurde.

München - Rentner Hermann G. (82) regt sich über die spielenden Schulkinder vor seinem Fenster auf. Eines Tages wird es ihm zuviel: Er packt Daniel (11) am Hals und würgt ihn. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

Dieses Erlebnis war für den elfjährigen Daniel der Horror schlechthin: Während einer Schulpause spielte er mit Freunden Verstecken. Plötzlich kamen aus einem Fenster zwei knochige Hände, ergriffen den Hals des Buben. „Mich hat jemand von der Seite gepackt und gewürgt“, berichtete der Bub am Dienstag als Zeuge vor Gericht. Er habe um Hilfe rufen wollen, aber kaum einen Laut herausgebracht. „Ich habe keine Luft bekommen!“

Herrmann G.

Auf der Anklagebank sitzt Hermann G., der am 22. Januar 82 Jahre alt geworden ist. Er regt sich über die Schulkinder auf, die direkt vor seinem Fenster spielen. Denn zwischen dem Pausenhof der Mittelschule Moosach an der Leipziger Straße und dem angrenzenden Garten um sein Haus besteht kein Zaun. Für die Kinder gibt es keine Grenze. Einen vorhandenen Zaun hätten die Schulkinder schon in früheren Jahren zerstört, sagt der Angeklagte. „Die schauen bei uns ins Fenster.“ Hermann G. stört vor allem der Lärm. Indirekt gibt er zu, dass er schon Kinder angegangen hat: „Ein Schubser kann schon sein.“

Von der Vorgeschichte wusste Daniel nichts, der gerade von der Grundschule in die Realschule gewechselt war. „Es war mein zweiter Schultag“, erinnert er sich, der 18. September. „Ich und meine Freunde haben im Gebüsch Verstecken gespielt.“ Daniel schlich gerade an der Wand des Wohnhauses vorbei, den betagten Mann am Fenster nahm er gar nicht wahr.

Wie lange hat das Würgen gedauert? Auf die Frage von Richterin Karin Jung antwortet Daniel: „Zehn Sekunden.“ Er zählt langsam auf zehn: „Ja, zehn Sekunden.“ Eine schrecklich lange Zeit, wenn man keine Luft bekommt. Als der Mann endlich losließ, war Daniel fix und fertig. Mitschüler brachten den weinenden Buben ins Klassenzimmer. Die Schulleitung rief die Polizei.

„Seither schläft Daniel nur noch bei Licht“, so eine Mutter Goriza M. „Aus Angst macht er immer Türen und Fenster zu.“ Ihr Sohn traue sich nicht mehr alleine zur Schule, sie müsse ihn begleiten. „Deshalb habe ich meine Arbeit verloren.“

Angesichts des Alters von Hermann G. stellte Richterin Jung das Verfahren ein, aber unter der Bedingung, dass er dem Buben 2000 Euro Schmerzensgeld zahlt! Davon habe das Opfer mehr, als wenn der Angeklagte eine Geldstrafe zahlen müsse, betonte Karin Jung. „Das Geld ginge an den Staat.“

Eberhard Unfried

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