Angst vor "kleiner Reeperbahn"

Aufstand gegen das neue Rotlicht-Viertel in Perlach

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Das Bürogebäude in der Hofer Straße 19: Hier soll in 40 Zimmern bald Liebe verkauft werden.

München - Ein riesiges Haus der Lust soll es werden. Und genau das finden viele Anwohner in Perlach gar nicht lustig.

Es geht um die Hofer Straße im Perlacher Gewerbegebiet. Dort wird bald ein riesiges Freudenhaus mit Massagebetrieb entstehen. Über fünf Stockwerke hinweg, mit gleich 40 Zimmern. Nur: Der Bezirksausschuss sieht deswegen nun rot. „Wir müssen aufpassen, dass wir hier keine kleine Reeperbahn werden“, schimpft BA-Chef Guido Bucholtz (parteilos) gegenüber der tz. „Wir wollen dieses Etablissement hier bei uns nicht!“

Der Streit um das Mega-Freudenhaus: Tatsache ist, dass der Stadt ein entsprechender Antrag auf Nutzungsänderung des ehemaligen Bürogebäudes vorliegt. Heißt: Ein Unternehmen will dort Prostituierte und Freier im großen Stil unterbringen. Bei der Stadt tut man sich schwer, diese Anfrage abzulehnen, weil solch ein Freudenhaus in einem Gewerbegebiet nunmal generell erlaubt ist.

„Das Problem ist aber, dass wir hier ja eh schon einen FKK-Club haben“, erklärt Guido Bucholtz. Daher lehnte der Bezirksausschuss das neue Bordell auch einstimmig ab. „Es gibt zu der Adresse an der Hofer Straße auch nur eine Zufahrtsstraße“, so Bucholtz. „Da wird es zwangsläufig Probleme mit den vielen Autos geben, die dort hinwollen.“

Der ganze – meist nächtliche – An- und Abfahrtsverkehr müsse über enge Wohnstraßen abgewickelt werden. Dies sei eine extreme Belastung für all die Anwohner. „Das wird richtig laut.“ Zudem gebe es in dem Viertel viele leer stehende Büroräume, die dann gar nicht mehr zu vermitteln wären. „Dann will doch keiner mehr hierher ziehen, wenn alles zum Rotlicht-Bezirk wird. Ich sehe das sehr kritisch.“ Doch Bucholtz ist Realist: „Ich befürchte, dass die Stadt da wenig machen kann.“

Das sagen die Nachbarn

Zieht die Gegend runter

"Ich bin hier in der Nähe aufgewachsen und wohne jetzt in Neubiberg. Ich habe bisher noch nie davon gehört, dass das Rotlicht-Gewerbe im Industriegebiet Probleme gemacht hätte. Aber ich habe die Befürchtung, dass es die ganze Gegend runterzieht, wenn dort ein großes Bordell aufmacht. Das könnte für Probleme sorgen - zumal sich in direkter Nachbarschaft eine Kita befindet …"

Susi Z. (30, Name geändert), Neubiberg

Zu viele Männer lungern rum

"Ich wohne nur ein paar Hundert Meter von dem Bordell entfernt. Insbesondere nachts gehe ich sehr ungern durch die Straße, an der sich das Gewerbe niederlassen will. Da fühle ich mich unsicher. Hier lungern sehr viele Männer rum. Sie werden von Taxis abgesetzt oder sitzen ewig in ihren Autos und beobachten die Straße. Wir haben schon genug Rotlicht-Gewerbe in Perlach. Das Bordell kann sich doch auch woanders niederlassen, oder?"

Anja M. (24), Studentin, Perlach

Mache lieber einen Umweg

"Grundsätzlich meide ich die Hofer Straße in Perlach. Wenn ich zum Beispiel nachts an der S-Bahn-Station Perlach ankomme, dann nehme ich lieber einen längeren Umweg in Kauf, nur um nicht durch die Straße gehen zu müssen. Dort ist es komischerweise dunkler als in allen anderen Straßen in Perlach. Die Stadt sollte dort ein paar Laternen aufstellen. Mittlerweile sind sogar schon Freundinnen von mir angesprochen worden, ob sie in dem Bordell arbeiten möchten."

Anne R. (20), Studentin, Perlach

Keine Probleme mit dem Plan

"Das neue Bordell stört mich nicht. Mir sind auch bisher keine Probleme mit dem Gewerbe bekannt. Ich wohne seit 1988 in Altperlach, nur gut fünf Minuten von dem Industriegebiet weg. Ein paar Mal habe ich mich schon beim Einkaufen im Lidl mit den Damen, die im Rotlicht-Gewerbe arbeiten, unterhalten. Die sind alle sehr nett. Ich finde, das Bordell wäre dort gut aufgehoben."

Richard W. (64), Rentner, Altperlach

age, jor

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