Neue Anlage stößt auf Protest

Neuperlacher Biomasse-Anlage: Bauherr droht mit Klage

Am Stadtrand von Neuperlach gärt der Widerstand gegen die geplante Biomasse-Anlage an der Carl-Wery-Straße weiter. 

München - Für Unternehmensanwalt Benno Ziegler ist die Biomasse-Anlage an der Stadtgrenze auf jeden Fall rechtlich zulässig. Auf das 5,4 Hektar große Gelände an der Carl-Wery-Straße soll eine Aufbereitung für biologische Reststoffe samt Kompostieranlage ziehen, die derzeit noch in einem Waldstück bei Grasbrunn steht. Florafuel nennt sich das innovative Verfahren, bei dem aus Gras, Laub und Algen Biobrennstoff in Form von Pellets und Briketts geformt wird.

 Interessenten aus aller Welt würden bereits anklopfen, um Anlagen nach diesem Patent bauen zu können, so Umweltmanagerin und Projektleiterin Dr. Swantje Schlederer, die zusammen mit Ziegler das Projekt im Planungsausschuss des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach vorstellte. Für die Vermarktung benötigt man jedoch eine erprobte Vorzeigeanlage. In Grasbrunn allerdings hat man keine winterfeste Halle, weder Strom- noch Wasseranschluss, kann auf dem vom Freistaat gepachteten Areal auch nicht bauen. Zudem sei man „zu weit vom Schuss“ für die Anlieferung des Materials aus Stadt und Landkreis München.

„Es wird sich verändern, und zwar nicht zum Positiven“

Als die Münchner Firmengruppe Werner das Grundstück in Neuperlach-Süd 2006 von privat gekauft habe, habe man sich von der Stadt ausdrücklich die Nutzung für eine gewerbliche Kompostieranlage schriftlich bestätigen lassen, erklärt Ziegler. Die Biomasse-Anlage habe die gleiche Ausrichtung. Das Umweltreferat würde das „Leuchtturm-Projekt“ angeblich gern begleiten, doch die Lokalbaukommission halte es nicht für genehmigungsfähig, erzählt der Anwalt. Die Begründung stamme aus einem Schülerlexikon, sagt Ziegler. Ein Grund mehr für seine Überzeugung, dass er eine Klage auf Genehmigung gewinnen würde.

Aus dieser Gärtnerei soll eine Straßenmüll-Verbrennungsanlage werden.

Die Anlieger aus Waldperlach und Neubiberg befürchten vor allem, dass die Anlage stinken wird. Ziegler bestätigt das sogar. „Es wird sich verändern, und zwar nicht zum Positiven“, sagt er. Laut Gutachten halte man jedoch bei Geruch, Lärm und Verkehr alle Grenzwerte ein. „Sonst würden wir da ja einen Klageweg einräumen.“

Bei der Diskussion mit Stadtteilpolitikern und rund 20 aufgebrachten Neubiberger Bürgern wird klar: Letztendlich geht es um die optimale Verwertung des Grundstücks an der Carl-Wery-Straße. Eigentlich, so Ziegler, habe sein Mandant dort ja Wohnungen bauen wollen. „Doch das Planungsreferat blockt das ab.“ Eine weitere Alternative: eine große Kompostieranlage. „Ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl: Wenn ihr das nicht wollt, dann kommt es noch schlimmer?“, erkundigt sich Sepp Kress-del Bondio (SPD).

Bewilligung steht bevor

Auch BA-Planungssprecher Wolfgang Thalmeir (CSU) kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Biomasse-Anlage „vielleicht nur ein Vehikel sein soll“. Zumal das Areal damit nicht ausgenutzt wird, weshalb eventuell noch eine Gärtnerei dort betrieben werden soll. Ein Tausch wäre durchaus möglich, auch ein anderer Ort, erklärt Ziegler. „Die Fasangartenstraße wäre ein idealer Standort.“ Dort betreibt die Stadt bereits eine Kompostieranlage, man könnte sich eine Kooperation vorstellen. Doch die Stadt sehe die Firma Werner leider als Konkurrenz und lehne ab.

Wolfgang Thalmeir (CSU)

Derzeit prüft das Referat für Gesundheit und Umwelt noch, ob die Biomasse-Anlage bewilligt werden kann. Die LBK habe eine Stellungnahme abgegeben, zum Inhalt will sich ein Sprecher nicht äußern. In Perlach bleibt die Stimmung negativ. „Wir wollen die Anlage an der Stelle nicht haben“, betont Thalmeir. Mit dem geplanten U-Bahn-Betriebshof ums Eck sei die Belastungsgrenze erreicht, urteilt BA-Chef Thomas Kauer (CSU).

Carmen Ick-Dietl

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