Entwicklung alternativer Antrieben

Wegweisende Technologie aus Perlach - Aber Innovation erzeugt heftigen Gegenwind

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Auf diesem Grundstück in Perlach soll das neue Innovationszentrum entstehen.

Im Gewerbegebiet Perlach will die Freudenberg-Gruppe Antriebssysteme der Zukunft für schwere Lkw und Kreuzfahrtschiffe entwickeln. Die Pläne stoßen auf Skepsis, denn dafür müsste es in München ein Novum geben.

  • Die Forschung und Entwicklung alternativer Antriebstechnologien läuft auf Hochtouren.
  • In Perlach möchte ein auf Brennstoffzellen fokussiertes Unternehmen sein Innovationszentrum ausbauen.
  • Es gibt jedoch Gegenwind, aufgrund des drohenden Schwerlastverkehrs.

München/Perlach - Ein Kreuzfahrtschiff, aus dessen Schornstein keine giftigen schwarzen Rauchschwaden quellen – dank einer Technologie, die in Perlach entwickelt wurde: Das könnte schon bald Realität werden. Der Freudenberg-Konzern bzw. seine Tochter Freudenberg Sealing Technologies (FST) wollen an der Unterbiberger Straße 53 ihr bereits in München ansässiges Innovationszentrum ausbauen. 

Brennstoffzellen für Kreuzfahrtschiffe und Flixbusse

Im stillgelegten Druckgusswerk, das bis Januar vom Kinofilmausrüster ARRI genutzt wurde, soll dafür ein erweitertes Technikcenter mit Gas-Farm entstehen. In die Halle sollen Testlabore als geschlossene Containermodule eingefügt werden. 50 bis 60 Mitarbeiter sollen hier eine neue Generation alternativer Energien mit „null Emissionen“ entwickeln, sagte Freudenberg-Vertreter Tobias Umseher, der das Projekt im Bezirksausschuss Perlach vorstellte. „Wir entwickeln hier CO2-freie Antriebssysteme für Busse, schwere Nutzfahrzeuge und Schiffe, vor allem Kreuzfahrtschiffe.“

Bei einem Hochsee-Passagierschiff mit Brennstoffzellensystem spart man laut Konzern auf einen Schlag die Schadstoffe von 1000 Pkw ein. FST arbeitet bereits mit der größten deutschen Werft zusammen. Ab 2021 sind erste Tests mit der AIDA-Nova geplant, die bereits mit emissionsarmem Flüssigerdgas unterwegs ist. Das Unternehmen will aber auch mit einem namhaften bayerischen Bus- und Lkw-Hersteller kooperieren. In den Fahrzeugen des Fernbusbetreibers Flixbus sollen künftig umweltschonende Freudenberg-Brennstoffzellen zum Einsatz kommen. Das weltweit tätige Unternehmen hat einen Jahresumsatz von 9,4 Milliarden Euro.

Brennstoffzellen aus München-Perlach: Sorge wegen Schwerlastverkehr

Für die

Entwicklung der Brennstoffzellen

braucht der Konzern am Perlacher Standort mehrere Großtanks: Ein 15 Meter langer Methanoltank mit 100 000 Litern Fassungsvermögen wird voraussichtlich liegend eingebaut werden. „Es ist der erste Methanoltank, der in München realisiert wird“, so Umseher. Ähnlich groß, aber möglicherweise stehend aufgebaut und dann mit Sockel um die 20 Meter hoch könnte ein Wasserstofftank werden. „Sicherheit ist dabei oberstes Gebot“, versichert der FTS-Vertreter. Etwa alle zwei Wochen kommen Tankwagen zum Auffüllen.

In diesem Schwerlastverkehr sehen die Stadtteilpolitiker das größte Problem des Standorts. Denn das Gewerbegebiet Perlach ist nur über Wohnstraßen erreichbar. „Ohne Verkehrskonzept funktioniert das nicht“, sagt BA-Chef Thomas Kauer (CSU). Schon jetzt habe man große Probleme mit den Lkws zum Wertstoffhof und anderen Firmen im Gewerbegebiet.

Bei der Pkw-Maut wurde Andreas Scheuer ausgebremst - bei seinem Plan, ein bayerisches Mobilitätszentrum voranzutreiben, drückt der Verkehrsminister aufs Gas - mit vielen Millionen.

Carmen Ick-Dietl

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