1000 Freunde und Fans am Südfriedhof

Hildebrandt: Abschied von einem Unsterblichen

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Hildebrandts Frau Renate begleitete ihren Mann auf seinem letzten Weg. Sie hatte „Wolke 7“ auf Hildebrandts schlichten Sarg gemalt

München - Die Trauer ist nicht in Worte zu fassen. Und doch: Dieter Hildebrandt hinterlässt viel Liebe. Man spürt bei allem Schmerz auch Dankbarkeit. Am Montag wurde er beigesetzt.

Als rund tausend Menschen Dieter Hildebrandt (86) gestern zu seinem letzten Gang auf dem Neuen Südfriedhof begleitet haben, fühlte man sich auch geborgen. Und als ganz am Schluss, schon am Grab, Stopherl Well Trompete spielte, dann war das der kleine, tiefe, zärtliche Abschluss einer Zeremonie, die Wärme, Würde und Weisheit vereinte.

Dieter Hildebrandt mochte ja gar nicht an seine Beerdigung denken – er hatte Angst, sie wäre zu lang. Sie war lang, über eine Stunde. Aber: Er hätte gelächelt und wäre stolz gewesen. Auf seine Familie, seine Freunde, die Reden – und alle Menschen, die bei klarer Kälte, sanftem Sonnenschein und schnatternden Gänsen im und um den kleinen Bach vor der Aussegnungshalle ausharrten.

Zwei Bildschirme und Lautsprecher übertrugen die Feier für geladene Gäste aus der Halle. Innen stand ein schlichter Sarg – bemalt. Wie kam das? Am Sonntag vorige Woche konnten in einem Bestattungsinstitut Verwandte und Freunde Abschied nehmen von Dieter Hildebrandt, der am Mittwoch zuvor den tapferen Kampf gegen den Krebs verloren hatte. In einem Raum von ihm, im zweiten stand der Sarg. Jeder, der wollte, konnte etwas auf den Sarg malen oder schreiben. Hildebrandts Gattin Renate malte die „Wolke 7“, seine Schwägerin eine Sonnenblume. Dieter Hanitzsch schuf zwei weinende Hunde, ein enger Freund schrieb „1860 – wir kommen wieder!“ Seine Schwägerin trug einen Satz von Erich Kästner bei. Ein Satz, der von Hildebrandt hätte sein können: „Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“

Zwei Kondolenzbücher im schlichten roten Einband liegen vor der Halle aus. Viele unterschrieben einfach nur mit ihrem Namen. Doch das reicht als Liebes- und Respektsbezeugung. Manche haben Blumen dabei, ein Mann sogar einen kleinen Strauß und ein Schild, auf dem er den großen Mann verabschiedet. Auch viele Kollegen und Freunde Hildebrandts verewigen sich im Buch – gleich auf der ersten Seite hat Heidelinde Weis kondoliert, es folgen under anderem Frank Lüdecke, Monika Gruber, Andreas Rebers, Bruno Jonas, Willy Michl.

"Ich glaube, ich habe im Wesentlichen herumgestochert", stand auf Hildebrandts Sterbebild.

Für Trauer ist Platz, nicht für Trübsinn. „Mit Tränen in den Augen und einem Lächeln“, sagt Pastor Friedrich Schorlemmer in seiner Ansprache. „Ich glaube, dass er Gott, an den er nicht geglaubt hat, im Himmel zum Lachen bringt. Dieter Hil­debrandt hatte Kopf, Herz und Hand zur Handlung. Ihm war es immer ernst, deshalb brachte er uns zum Lachen. Solche Menschen braucht die Demokratie.“

Und als der Geistliche die Stimme erhebt und von der Fröhlichkeit bei der Arbeit spricht, die Hildebrandt immer hatte, da fangen die Gänse laut zu schnattern an. Vielleicht hat Dieter Hildebrandt die Tiere noch in seinem Tod zum Lachen gebracht.

von Maria Zsolnay, Matthias Bieber, Armin Geier

Bis 22. Dezember zeigt die Galerie Truk Tschechtarow (Haimhauser Str. 16a) bislang unbekannte Fotografien Hildebrandts. Täglich 15 – 20 Uhr.

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