Plädoyers

Doppelmord von Ramersdorf: Freispruch gefordert

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Die Anwälte Özhan Erenoglu (l.) und Andreas von Mariassy fordern Freispruch für Abdullah K.

München - Ich bitte um Freispruch.“ Das waren am Freitag die letzten Worte des 64-jährigen Abdullah K., dem ein schrecklicher Doppelmord zur Last gelegt wird.

Ich bitte um Freispruch.“ Das waren am Freitag die letzten Worte des 64-jährigen Abdullah K., dem ein schrecklicher Doppelmord zur Last gelegt wird. Am 1. Dezember 2012 metzelte er laut Anklage in einem Wohnhaus in der Hofangerstraße (Ramersdorf) seine Schwester Semra A. (51) und seine Ex-Ehefrau Muradiye (60) nieder. Für dieses Verbrechen forderte Staatsanwalt Markus Koppenleitner lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Unter 25 Jahren Knast käme der Angeklagte damit kaum herum.

In dem Mordprozess, der sich seit Februar hinzieht, geht es für den Türken um alles oder nichts. Für Abdullah K. sieht es schlecht aus, sehr schlecht. Mit blutverschmierten Schuhen meldete er sich nach der Mordnacht bei der Polizei und gestand, die beiden Frauen getötet zu haben. Als Beamte nachsahen, bot sich ihnen ein Blutbad. Semra A. lag in einer riesigen Blutlache unterhalb der Kellertreppe. Im Obergeschoss war eine Tür aufgetreten: Muradiye A. war nach unzähligen Messerstichen getötet worden.

„Gut, dass sie tot sind“, sagte Abdullah K. zur Polizei. Sein Motiv: Seine Ex-Frau hatte bei der Scheidung ihren Anteil eingeklagt. Auch mit seiner Schwester führte er einen Prozesskrieg um Geld, das er sich unrechtmäßig unter den Nagel gerissen haben soll. Beide Frauen hatten sich verbündet.

„Er wollte ohne Arbeit ein bequemes Leben führen“, so Koppenleitner. „Er wollte die Frauen dafür bestrafen, weil sie sich seinen Wünschen widersetzten und dabei auch noch erfolgreich waren.“ Seinem Antrag auf lebenslange Haft schlossen sich alle sechs Nebenklage-Anwälte an. Steffen Ufer, der den 17-jährigen Sohn von Semra A. vertritt, zum Angeklagten: „Sie sind ein skrupelloser, habgieriger Doppelmörder!“

Abdullah K. grinste nur. Er setzt auf seine Verteidiger Andreas von Mariassy und Özhan Erenoglu. Diese forderten ein Verwertungsverbot seiner Geständnisse bei der Polizei. Grund: Er sei nicht über seine Rechte belehrt worden und man habe ihm nicht rechtzeitig einen Anwalt zur Seite gestellt. Und die vielen DNA-Spuren? „Diese hätten auch so übertragen werden können“, sagte Erenoglu und forderte „Freispruch mangels Beweisen“!

Der Angeklagte holte zu einer Erklärung aus, was am Tattag geschah: „Ich kam, um das Gespräch zu suchen...“ Weiter kam er nicht mehr. Seine Anwälte rüttelten ihn, bis er schwieg. Das Urteil wird am 24. Juni verkündet.

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Eberhard Unfried

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