Der Käfer erreicht Waldperlach

Laubholzbockkäfer: Jetzt müssen Privatgärten gerodet werden

+
Kleines Tierchen, große Wirkung: Taucht der Asiatische Laubholzbockkäfer auf, muss im Umkreis von 100 Metern gefällt werden. Jetzt trifft es Anwesen in Altperlach.  

München - Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) dringt jetzt von einer weiteren Seite ins Münchner Stadtgebiet ein. Direkt an der Grenze zu Waldperlach wurde ein befallener Ahornbaum entdeckt. Damit werden erstmals Fällungen auf Münchner Privatgrund notwendig. Die Stadt will Betroffenen helfen.

Vergangenen Donnerstag hatten sich die Vertreter der zuständigen Stadt- und Land-Behörden im Riemer Wäldchen noch durchaus optimistisch gegeben. Wie berichtet, waren dort in einem Feldahorn Fraßspuren des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) entdeckt worden. Aber erstens ist der Riemer Park noch ein gutes Stück von einer Besiedlung weg, zweitens hoffte man, dass es sich um einen Einzelfall handelt und besagter Käfer es nicht weiter geschafft hat als bis zum Riemer Wäldchen. Vielleicht habe ja ein Specht den Käfer beseitigt, hieß es.

Nur wenige Tage später hat die Specht-Theorie eher ausgedient. Es sind wohl doch mehr Käfer-Schädlinge unterwegs als gedacht. Und das, obwohl der Käfer als flügellahm gilt. Erstmals ist ein Wohngebiet auf Münchner Flur betroffen. Dort droht jetzt das, was auch schon in Anrainer-Gemeinden im Münchner Osten, etwa Feldkirchen und Neubiberg, passiert ist: Abholzungen von Laubbäumen im großen Stil.

Direkt an der Grenze zu Waldperlach haben die Behörden am Dienstag einen neuen ALB-Befall gemeldet. Das Viertel gehört zwar bereits seit den ALB-Funden im Herbst 2014 in Neubiberg zur Quarantänezone und wird seitdem regelmäßig kontrolliert. Aber gefühlt war der Käfer, der seine Eier in Laubbäumen ablegt, noch ein gutes Stück weg. Denn die Quarantänezone um einen Fundort beträgt zwei Kilometer, abgeholzt wird nur in einem Umkreis von 100 Metern.

Nun also ist der Käfer da. In einem Ahornbaum am Rand des Putzbrunner Waldes, an der Ecke Stollstraße/Rübezahlstraße, wurde eine lebende ALB-Larve gefunden, die kurz vor der Verpuppung und somit vor dem nahen Ausflug als Käfer stand. Genau auf der anderen Straßenseite, also nur wenige Meter vom Waldrand entfernt, beginnt Waldperlach.

Wie die Behörden mitteilten, waren Mitarbeitern der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) bei einer Beschau vom Boden aus Holzspäne aufgefallen. Ein Merkmal dafür, dass sich dort ein Käfer nach außen bohrt. Üblicherweise fliegt der Asiatische Laubholzbockkäfer im Juni aus und verbreitet sich weiter. Die ALB-Saison hat also gerade erst begonnen.

Die Untersuchung des verdächtigen Astes bestätigte die Befürchtung. Um eine weitere Ausbreitung des in Verpackungsholz aus China, Korea und Taiwan eingeschleppten Baumparasiten zu verhindern, müssen nun im 100-Meter-Radius um die Fundstelle alle für den Käfer in Frage kommenden Wirtsbäume gefällt, gehäckselt und verbrannt werden. Dazu gehören nach einer neuen EU-Liste so gut wie alle Laubgehölze. Nur Eichen und Nadelgehölze mögen die Larven nicht, die sich nach der Eiablage unter der Rinde in den Baum bohren, dort zwei Jahre heranreifen und sich als erwachsener Käfer wieder rausfressen. Die Fällungen sind bislang die einzig wirksame Methode zur Bekämpfung des Baumschädlings. Bereits vom Asiatischen Laubholzbockkäfer befallene Laubbäume können nicht gerettet werden und sterben innerhalb weniger Jahre vollständig ab.

Die Quarantänezone (rot markiert)   umfasst Waldperlach nahezu komplett.

Der Waldperlacher Anwohner Herbert Bockmaier hatte die Experten bei ihren Kontrollgängen bereits beobachtet. Er selbst überprüft regelmäßig seine Bäume im Garten und schaut sich auch beim Gassigehen mit seinem Hund aufmerksam um. Wie seine Nachbarin ist er über die Meldung vom ALB-Befall in unmittelbarer Umgebung entsetzt. „Ich bin froh, wenn ich nicht im 100-Meter-Radius drin bin“, sagte er am Dienstag. Kriegt er keinen Brief von der Stadt, ist er erst mal aus dem Schneider – bis beim jetzt startenden Intensiv-Monitoring in den nächsten Wochen womöglich weitere Larven oder Käferspuren gefunden werden.

Die Stadt hat bereits ein Informationsschreiben an die von den Fällungen betroffenen Eigentümer in Waldperlach geschickt. Darin werden die weiteren Schritte zur Bekämpfung des Laubholzbockkäfers erläutert. Eigentlich wären per Gesetz die betroffenen Grundstückseigentümer verpflichtet, Fällung und Entsorgung auf eigene Kosten vorzunehmen, doch der Münchner Stadtrat hat erst letzten Monat beschlossen, dass die Stadt dies übernimmt, um die Bürger nicht zu belasten.

Das wird eines von vielen Themen sein auf der Informationsveranstaltung, zu der die Stadt zusammen mit den Experten der beiden zuständigen Landesanstalten am Mittwoch, 10. Juni, einlädt (19 Uhr, Mensa des Schulzentrums Perlach-Nord, Quiddestraße 4). Bei dem Informationstermin, der einen Tag zuvor auch in Neubiberg stattfindet, wird auf spezifische Waldperlacher Probleme aber nicht eingegangen, erklärt die LfL ausdrücklich.

Weitere Infos zum Thema ALB finden sich unter www.LfL.bayern.de/ALB.

Carmen Ick-Dietl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare