In Perlach 

„Spekulantentum“: Heftige Kritik an der Stadt wegen dieses Grundstücks

+
Rund 9000 Quadratmeter groß ist die städtische Fläche an der Hofer Straße insgesamt.

Der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach kritisiert die Stadt. Das Kommunalreferat versuche über „Ausnutzung des Baurechts“, den Wert eines Grundstücks zu ermitteln. Es könnte eine fatale Situation entstehen.

München - Auslöser für die Aufregung ist das Grundstück an der Hofer Straße 24 in Perlach. Die Straße ist geprägt von Rotlichtgewerbe, zudem gibt es ein großes leerstehendes Bürohaus. Nun bekam der Bezirksausschuss (BA) den Antrag für einen Bauvorbescheid an die Lokalbaukommission (LBK) zur Beurteilung. Dabei geht es um den Neubau eines Boardinghauses. Mit drei Varian-ten will der Eigentümer offenbar austesten, welche Bebauung auf dem Grundstück maximal möglich wäre. Die Verblüffung war groß, als man feststellte: Antragsteller ist das Kommunalreferat.

Will denn die Stadt jetzt selbst Boardinghäuser bauen?, fragte BA-Chef Thomas Kauer (CSU) deshalb befremdet nach. Die Antwort: Selbstverständlich nicht. Das Ganze diene lediglich dazu, „eine maximierte Wertermittlung des privaten Grundstücks“ zu ermöglichen. In Anbetracht des vorliegenden Gewerbegebiets sei wohl die Boardinghaus-Nutzung das Maximum. Das Areal brauche man am Ende für Tauschverhandlungen.

Aus der LBK erfuhr Kauer auf Nachfrage, dass es dort keinen Bebauungsplan gebe und es sich deshalb offiziell auch nicht um ein reines Gewerbegebiet handle. Aufgrund dieser „Gemengelage“ könne der vorliegende Antrag aus baurechtlichen Gründen wohl kaum abgelehnt werden.

Ist die Zukunft des Grundstücks vorgezeichnet?

Im BA schrillten die Alarmglocken. Die Zukunft des Grundstücks wäre damit quasi vorgezeichnet. Unter Boardinghaus fällt schließlich von einer hotelähnlichen Nutzung bis zum Bordellbetrieb alles. „Für das fragliche Gebiet in Anbetracht der bereits bestehenden Rotlichtbetriebe geradezu fatal“, findet Wolfgang Thalmeir (CSU), Sprecher des BA-Planungsausschusses. Im Schlepptau dieser Entwicklung sieht er weitere Probleme wie erheblichen Mehrverkehr im Umfeld, aber auch die weitere Negativentwicklung des Gewerbegebiets. Denn ein positiver Vorbescheid hätte in seinen Augen Signalwirkung für künftige Investoren vor Ort.

Geht es dem Kommunalreferat nur um Gewinnmaximierung?

Dabei könnte man das Gebiet aus Sicht der Stadtteilpolitiker durchaus auch anders entwickeln. Vorstellbar wären Wohnungen oder zusätzliche Gewerbeflächen, die laut jüngstem Bericht gerade von Innenstadt-Betrieben nachgefragt würden. Zudem könnte man hier auch bürgerschaftliche Nutzungen integrieren. Die Perlacher Burschen beispielsweise suchen händeringend nach einem Stadl für ihre Veranstaltungen. Dem Kommunalreferat gehe es jedoch offenbar nur um Gewinnmaximierung – „ganz im Sinne klassischen Spekulantentums“, schimpft Thalmeir.

Das Kommunalreferat soll den Antrag nun ganz schnell zurückziehen, so die Forderung. Möglichst noch bevor „man sich hier selbst ins Knie schießt“, sagt Thalmeir. Den Grundstückswert könne man ja wohl auch über Fachleute ermitteln. Für die rund 9000 Quadratmeter große städtische Fläche an der Hofer Straße sollen zudem unverzüglich Gespräche geführt werden, mit dem Ziel einer sinnvollen Entwicklung fürs Stadtviertel, so die Lokalpolitiker.

Von Carmen Ick-Dietl

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler
Mann suchte Kontakt zu Pädophilen - „Abartiges Material“ schockiert Ermittler
Die Stadt München plant Verdopplung der Parkgebühren
Die Stadt München plant Verdopplung der Parkgebühren
Wer hat Pablo „ins Auto gelockt“? Neue Bilder des vermissten Jack Russells
Wer hat Pablo „ins Auto gelockt“? Neue Bilder des vermissten Jack Russells
Polizei auf Oktoberfest: Italiener sind gar nicht so schlimm
Polizei auf Oktoberfest: Italiener sind gar nicht so schlimm

Kommentare