Auto von Perlacher Familie beschmiert

Hakenkreuz-Schmierereien: Polizei erntet Shitstorm

München - Das Auto einer türkischstämmigen Familie wird mit einem Hakenkreuz beschmiert. Die Polizei, so scheint es, kann daran aber nichts Fremdenfeindliches erkennen. Am Montag folgte dann eine Erklärung, doch in den Sozialen Netzwerken war der Shitstorm schon losgetreten.

Die Nachricht kommt zunächst wie eine standardmäßige Polizeimeldung in gewohnt trockenem Beamtendeutsch daher: Am Gustav-Heinemann-Ring in Perlach wurde am Donnerstag, 15. Oktober, ein Auto beschmiert. Die Tat muss gegen 21.30 Uhr passiert sein, der Besitzer habe die Beschädigung seines Mercedes am nächsten Morgen gegen 8 Uhr entdeckt.

Allerdings, hier handelt es sich keinesfalls um einen beliebigen Fall von Vandalismus: Die Schmiererei mit schwarzem Sprühlack zeigt ein Hakenkreuz und das beschädigte Auto gehört einer türkischstämmigen Familie. Die betroffene Familie ist völlig geschockt. Die Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und "Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen", heißt es am Montag. Außerdem werden Zeugen gesucht, wer Hinweise geben kann, soll sich an das Kommissariat Rechtsextremismus unter der Telefonnummer 29100 wenden. 

Ein übler Vorfall, doch soweit reine Routine? Nicht ganz. Die Tat taucht erst am Montag, 19. Oktober, im offiziellen Pressebericht der Polizei auf, nachdem einige Münchner Medien wie etwa die Süddeutsche Zeitung bereits am Sonntag online darüber berichtet hatten. Dabei, so scheint es zumindest, hat die Münchner Polizei keine gute Figur abgegeben. Wie die SZ wörtlich zitiert, reagierte ein Polizeisprecher auf eine Nachfrage zu dem Vorfall recht lapidar. Man habe bislang keine Anhaltspunkte für einen politisch rechts motivierten Hintergrund gefunden, so ein Polizeisprecher. Bei einem Hakenkreuz? Schwer vorstellbar.

Dementsprechend sind die Reaktionen im Netz - und zwar deutschlandweit. Viele Nutzer fragen sich, wie ein Tathergang aussehen muss, damit von einem fremdenfeindlichen Hintergrund ausgegangen wird. 

Doch damit nicht genug, denn die Polizei gibt der betroffenen Familie einen Rat, der in diesem Zusammenhang fast schon zynisch wirkt: Sie riet der Familie, das Hakenkreuz schnell entfernen zu lassen und nicht damit durch die Stadt zu fahren - sonst verstoße sie gegen das Verbot der Verwendung eines verfassungsfeindlichen Symbols.

Tatsächlich bestreitet die Polizei die Aussage des Sprechers vom Sonntag nicht. Auf Nachfrage wird aber erklärt, man ermittle in solchen Fällen zuerst einmal in alle Richtungen. Auch weil man nicht bisher wisse, ob der oder die Täter wussten, dass es sich bei den Geschädigten um eine türkischstämmige Familie handelt. Die Münchner Polizei betonte, man nehme so etwas nicht auf die leichte Schulter.  

Auch auf Twitter äußerte sich die Polizei in der Sache am Montagmittag mit dem Schlagwort "Klarstellung". Noch einmal die Betonung, dass man natürlich wegen einer rechtsextremistischen Tat ermittelt. Doch wer auf eine ausführliche öffentliche Stellungnahme hofft, wie es zu dem unglücklichen Zitat kommen konnte, wurde enttäuscht. Der Link führte lediglich zum Polizeibericht mit der knappen Meldung im trockenen Beamtendeutsch.

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Rubriklistenbild: © Reinhard Kurzendoerfer

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