Weniger Bewohner als geplant

Ist die Neuperlacher Mauer zu groß geraten?

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Unterkunft und Mauer sind fertig, doch einziehen wird hier so schnell nieman d. 

München - Die Lärmschutzmauer der Flüchtlingsunterkunft an der Nailastraße hätte womöglich kleiner ausfallen können: Weil nur halb so viele Flüchtlinge einziehen werden wie geplant, hält Stadtteil-Politiker Guido Bucholtz das Vier-Meter-Bauwerk für überdimensioniert.

Bislang war immer die Rede von 160 minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen gewesen, die in der Neuperlacher Unterkunftsanlage unterkommen sollen. Auch Bürgermeisterin Christine Strobl hatte bei den Stellungnahmen zur sogenannten Neuperlacher Mauer stets diese Zahl genannt.

Die mit Steinen gefüllten Drahtkörbe, aufgestapelt auf eine Höhe von vier Metern, hatten Ende letzten Jahres weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Es sei keine Wand gegen Flüchtlinge, sondern nur eine Lärmschutzmaßnahme, so die Erklärung der Stadt. Das Ergebnis einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit den Anliegern, die angesichts der Unterkunfts-Spielwiese an der Grundstücksgrenze auf ihr Ruhebedürfnis pochten. Basierend auf einem Lärmschutzgutachteneinigte man sich schließlich auf die Vier-Meter-Wand. 

Dabei ging das Gericht ausdrücklich von der damals schon anvisierten Belegung mit 160 jungen Menschen aus. Nun aber sind nur noch 80 Jugendliche für das Flüchtlingsheim geplant. „Die Zahl 160 stammt aus einer Zeit, in der man noch nicht wusste, wie man mit der Unterkunft umgehen wird“, erklärt Hedwig Thomalla, Sprecherin des Sozialreferats. 160 wären es tatsächlich gewesen, wenn sie nur zur sogenannten vorläufigen Inobhutnahme hier eingezogen und nach etwa 14 Tagen weiterverteilt worden wären. Jetzt aber hat die Stadt die Betriebsgenehmigung der Neuperlacher Unterkunft in ein Wohnheim für Flüchtlingskinder umgewandelt. Und da gelten laut Thomalla andere Regeln und Standards, nämlich die des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, und somit auch ein anderer Platzbedarf. Also Einzelzimmer und mehr Aufenthaltsräume, was die halbierte Belegungszahl erklärt.

Guido Bucholtz (parteilos), der die Mauer-Debatte mit einem Video über das Bauwerk entfacht hatte, sieht das kritisch. Sollten hier nun doch keine „160 den ganzen Tag krachmachenden Youngsters“ einziehen, müsse man eventuell auch die Lärmschutzwand in dieser Größe in Zweifel ziehen. „Dann stellt sich die Frage, ob das Schallschutzgutachten noch seine Berechtigung hätte“, sagte er auf Anfrage.

Wie viele Jugendliche nun tatsächlich einziehen werden, wird man frühestens im Herbst sehen. Mindestens bis dahin bleibt die Unterkunftsanlage nämlich leer. Denn zuvor muss ein Träger für das Jugendheim ausgewählt werden, erläutert Thomalla. Und das dauert einige Monate. Denn die Ausschreibung startet erst jetzt, da die Unterkunft nahezu bezugsfertig ist. Nach der sechswöchigen Bewerbungsfrist muss die Behörde die Bewerbungen fachlich beurteilen, der Stadtrat muss sich damit befassen, und wenn dann endlich ein Träger ausgewählt ist, hat der noch drei Monate Zeit zur Vorbereitung auf seine Aufgabe.

Mit diesem langwierigen Verfahren hätte man die Flüchtlingskrise 2015, als mehr als 10.000 minderjährige Flüchtlinge nach München strömten, wohl kaum bewältigen können. „Damals waren die vertraglichen Grundlagen anders“, so Thomalla. Doch die damalige unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Trägern fliegt dem Sozialreferat nun wegen Problemen bei den Abrechnungen um die Ohren.

Carmen Ick-Dietl

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