JVA-Beamten mit Tränengas attackiert

Perlach: Häftling flüchtet nach der Operation

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Langzeit-Häftling Eugen N. wollte seinen Aufenthalt im Klinikum Perlach zur Flucht nützen.

München - Frisch aus der Narkose erwacht startete der Häftling Eugen N. im Klinikum Perlach einen brutalen Fluchtversuch. Er attackierte einen Beamten mit dessen Tränengasgerät.

Als Eugen N. im Klinikum Perlach aus der Narkose erwacht ist, verspürte er einen unwiderstehlichen Drang nach Freiheit. Verständlich, schließlich hatte der Serien-Straftäter noch über sieben Jahre Knast abzusitzen. Trotz seines OP-Kittelchens, das an der Rückseite die volle Blöße freigibt, startete der Häftling einen brutalen Fluchtversuch. Dafür drohen ihm noch einmal drei Jahre Haft.

Eugen N. hat schon viele Jahre hinter Gittern verbracht. Zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Augsburg am 18. November 2011 zu einer Gesamtstrafe von neun Jahren. Er war damals an einem nächtlichen Raubüberfall auf ein betagtes Ehepaar beteiligt: Die fast 90 Jahre alten Menschen wurden mit einer Axt bedroht!

Das Absitzen in der Zelle hatte für Eugen N. einen schweren Abszess am Steißbein zur Folge, der dringend operiert werden musste. Am 13. Mai wurde er von der JVA Stadelheim ins Klinikum Perlach verlegt, um die eitrige Geschwulst entfernen zu lassen. Als er wieder zu sich kam, bat er den Justizbeamten, der zu seiner Bewachung abgestellt war, eine Zigarette rauchen zu dürfen. Seinen Infusionsbeutel hinter sich herziehend ging Eugen N. mit seinem Bewacher auf den Balkon.

Plötzlich griff nach dem Tränengasgerät des Beamten und sprühte diesem mitten ins Gesicht! Dann riss er die Infusionsnadel heraus und rannte zur Tür, wo ihn der Bewacher wieder einholen konnte. Eugen N. wehrte sich mit Fußtritten und Faustschlägen. Weit kam er mit seinem weißen Hemdchen aber nicht: Der Beamte konnte ihn trotz brennender Augen überwältigen und fesseln.

Der Prozess gegen den Gangster am Mittwoch war kurz: Sein Anwalt Franz Xaver Wittl beantragte ein Gutachten, ob sein Mandant bei der Tat voll bei Sinnen war. Der Anästhesist habe eine sehr hohe Dosis Narkosemittel verabreichen müssen. Dies könne die Schuldfähigkeit beeinträchtigt haben. Richter Alexander Metz setzte das Verfahren aus.

Eberhard Unfried

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