Irre Amtsschimmel-Posse

Mandeln im Sommer verkaufen? Standl-Betreiberin will sich vor Corona-Ruin retten - und darf nicht

Im Sommer bauen die Eberhardts ihren Stand sonst auf Festen auf.
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Im Sommer bauen die Eberhardts ihren Stand sonst auf Festen auf.

Um sich vor dem Ruin zu retten, will Standlbetreiberin Jacquelin Eberhardt ihre Mandeln auch im Sommer verkaufen dürfen. Dabei kämpft sie gegen städtische Behörden-Windmühlen.

  • Wegen der Corona-Krise fallen für Standl-Betreiberin Jacquelin Eberhardt die Einnahmen aus dem Geschäft auf Märkten und Festen aus
  • Eberhardt will deshalb auf ihrem Winter-Standplatz am PEP in Neuperlach ihre Ware verkaufen
  • Beim KVR stößt sie mit ihrem Plan aber auf taube Ohren.

München - Für Jacquelin Eberhardt und ihre Familie ist der Corona-Lockdown ein wahrer Albtraum. Die Eberhardts betreiben in der mittlerweile dritten Generation zwei Süßwaren-Hütten in München. Dort verkaufen sie gebrannte Mandeln und Nüsse, Magenbrot, Popcorn, Schokoladenspezialitäten und andere Süßigkeiten. Im kleineren Stand arbeitet Eberhardt mit ihrem Mann, im größeren Mutter und Schwester. Durch Corona steht dem kleinen Betrieb das Wasser bis zum Hals. „Wir haben schon kleinere Ersatzgeräte verkauft, um nicht aufgeben zu müssen.“

“Könnte das unsere Existenz und unser Leben retten“

Seit 30 Jahren steht der kleine Stand auf städtischer Fläche vor dem PEP-Einkaufszentrum in Neuperlach. Immer von Anfang September bis April. In der Sommerzeit tingeln die Eberhardts dann über diverse Märkte und Vereinsfeste von Burschen, Trachtlern und anderen. Doch die sind heuer alle Corona zum Opfer gefallen. „Alles weg, alles abgesagt“, erzählt Eberhardt. In ihrer Not klammert sie sich nun an einen Strohhalm und möchte den Stand am PEP wieder aufstellen, den sie Ende März vertragsgemäß abgebaut hat. Könnte sie dort auch in den Sommermonaten verkaufen, „könnte das unsere Existenz und unser Leben retten“, glaubt die Selbstständige. „Da ist viel Durchlauf und die Leute kennen uns.“

In ihrem Stand am Neuperlacher Einkaufszentrum PEP verkauft Jacquelin Eberhardt gebrannte Mandeln – erlaubt ist das nur im Winter.

Doch obwohl die Fläche in Neuperlach leer ist und auch das Einkaufszentrum kein Problem mit dem Stand hätte, kriegt sie keine Genehmigung vom Kreisverwaltungsreferat. Wegen einer Klausel im Sondernutzungsvertrag, den die Budenbetreiberin alljährlich mit der Stadt abschließt. Demnach ist ihr Verkaufsstand ein Saisongeschäft mit Herbst-Winter-Ware und das kriegt keinen Sommervertrag. Dasselbe mit der zweiten Bude am Standplatz in Schwabing.

SPD-Stadträtin: „In Krisenzeiten mal ein Auge zudrücken“

„Was die Frau verkauft, ist mir ziemlich wurscht, Hauptsache, sie verkauft und verdient was“, meint Perlachs Bezirksausschussvorsitzender Thomas Kauer (CSU) kopfschüttelnd, den nun der Hilferuf der Standbetreiberin erreichte. Mit Blick auf das Projekt „Sommer in der Stadt“ könne man den Passus für dieses Jahr doch einfach mal aussetzen. In Krisenzeiten müsse man ein Auge zudrücken, findet auch die Ramersdorfer SPD-Stadträtin Lena Odell. Überhaupt gehe die Welt nicht unter, wenn man gebrannte Mandeln künftig auch im Juli kaufen kann.

Für Jacquelin Eberhardt klingen die großartigen Ankündigungen der Stadt zur Unterstützung der Schausteller und Budenbetreiber gerade eher wie Hohn. „Wir sind halt ganz am Ende der Nahrungskette, wahrscheinlich wird nur den großen und bekannten Betreibern von der Wiesn geholfen“, so die Standlbetreiberin frustriert.

Die Folgen der Corona-Krise sind für Süßwarenhändler Stefan Vogler aus Inning besonders hart – vor allem die Absage des Oktoberfestes trifft den 53-Jährigen.

Wegen Corona ist das Dachauer Volksfest abgesagt. Um dennoch „Feeling“ aufkommen zu lassen, haben drei Dachauer Stadträte ein „Drive-in-Volksfest“ vorgeschlagen.

Carmen Ick-Dietl

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