Schockierender Anruf aus Münchner Klinik

Falsche Todesnachricht lässt Angehörige trauern - Patientin ist am Leben und es geht ihr besser als anderen

Zu einem schrecklichen Irrtum kam es in einer Münchner Klinik. Angehörige wurden vom Tod einer Corona-Patientin benachrichtigt, die in Wahrheit auf dem Weg der Besserung ist.

  • Schrecklicher Irrtum während der Corona-Krise* in einer Münchner Klinik: Angehörige wurden über den Tod einer Corona-Patientin informiert, die in Wirklichkeit auf dem Weg der Besserung ist.
  • Die Schwester und der Sohn der Frau trauerten zwei Tage lang.
  • Dann erst erfuhren sie, dass die Totgesagte lebt und sogar schon über den Berg ist. 

Zwei Tage lang haben Schwester und Sohn um eine Münchnerin getrauert – im Glauben, sie sei im Klinikum Neuperlach an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben. Erst dann erfuhren sie: Die schreckliche Nachricht aus der Klinik war falsch. Die Totgesagte lebt und ist sogar schon über den Berg!

Corona in München: Schockierender Anruf aus dem Sterbebüro

Die Patientin lebt als alleinerziehende Mutter mit ihrem elfjährigen Sohn in Neuperlach. Wie ihre Unterhachinger Schwester Andrea (die ihren vollen Namen nicht nennen will) dem Radiosender Bayern3 erzählte, hatte sich die Münchnerin bei Ihrer Arbeit in einem Seniorenheim mit dem Coronavirus infiziert. Am Wochenende vor Ostern musste sie zur Beatmung ins Klinikum Neuperlach. Zunächst erfährt Andrea von dort: Ihrer Schwester geht es den Umständen entsprechend gut.

Doch dann erreicht sie ein Anruf – aus dem Sterbebüro der Klinik: „Herzliches Beileid! Wann können Sie die Sachen Ihrer Schwester abholen?“ Andrea ist schockiert, muss ihrem Neffen erzählen, dass die Mama gestorben ist. „Der ist in Tränen ausgebrochen! Wie will man einem Elfjährigen so etwas schonend beibringen?“

Corona in München: Schwester hatte bereits Bestattungsinstitut informiert

Zwei Tage später – Andrea hat bereits das Bestattungsinstitut informiert – fährt sie in die Klinik, um die Sachen ihrer Schwester abzuholen. „Ich habe in die Tüte reingeschaut und da habe ich das Foto von meinem Neffen gesehen“, erzählt sie. Andrea nimmt alles mit, fährt zum Einkaufen. Auf dem Parkplatz klingelt ihr Handy. Es ist die Klinik: „Bitte regen Sie sich jetzt nicht auf. Es gab da eine Verwechslung. Ihre Schwester ist gar nicht verstorben…“ 

Im Klinikum Neuperlach der München Klinik kam es zu dem gravierenden Irrtum.

Mittlerweile hat sich Andrea von dem Schock erholt. Da sie selbst als Krankenschwester arbeitet, sagt sie: „Ich weiß: Überall, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Aber so ein Fehler dürfte nicht passieren!“

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Wie es zu dem Irrtum kam, lesen Sie unten. Offiziell teilt die München Klinik mit: „Wir haben uns für diese tragische Verwechslung in aller Form bei der Familie entschuldigt. Gleichzeitig freuen wir uns, dass nach einem über dreiwöchigen intensiven Kampf von Medizinern und Pflegekräften gegen das Coronavirus die Mutter nun sehr bald wieder entlassen werden kann.“ Andrea durfte ihre Schwester nun unter strengen Vorsichtsmaßnahmen besuchen. So konnte sie ihrem Neffen sagen: „Es stimmt. Die Mama lebt.“

So erklären die Ärzte, wie es zu dem Fehler kam

Die betroffene Covid-19-Patientin aus Neuperlach wurde zunächst auf der Corona-Isolierstation des Klinikums Neuperlach behandelt. Wie unsere Zeitung aus Klinikkreisen erfuhr, verschlechterte sich ihr Zustand nachts dramatisch. Die Patientin wurde auf die Intensivstation verlegt. Ihre Kleidung wurde in eine Tüte verpackt, versehen mit einer Nachricht, dass die Patientin nun auf Intensiv liegt. Am Morgen fand ein ehrenamtlicher Helfer den Beutel. Er fragte nach der Besitzerin. Weil gerade Schichtwechsel auf der Station war, bekam er nur die schnelle Antwort zugerufen: „Der Zustand der Patientin hat sich verschlechtert, wir wissen nicht, ob sie verstorben ist.“ 

Fatal: Der Helfer brachte die Tüte ins Sterbebüro. Die Angestellte dort übersah den beigefügten Zettel. Sie rief bei der Familie an – entgegen der Dienstanweisung, wonach nur Ärzte Hinterbliebene anrufen dürfen. Ein Arzt der Klinik: „Wir haben alles gegeben, um die Patientin zu retten, haben wochenlang um sie gekämpft. Am Ende waren wir überglücklich, dass wir sie über den Berg bringen konnten. Und dann passiert so ein Fehler, der mit nichts zu rechtfertigen ist. Das tut uns sehr, sehr leid für die Angehörigen.“ Auch für die Klinikmitarbeiter sei es „frustrierend, weil wir eigentlich ein Menschenleben gerettet haben – und nun wird dies durch so einen Fehler getrübt.“ Es sei ein „Tiefschlag“ für Hunderte Mitarbeiter der Städtischen Kliniken, die sich um die Covid-19-Patienten kümmern – und bundesweit als besonders erfahren gelten.

Lesen Sie auch: Corona in München: Am Wochenende werden die Infizierten-Zahlen neue Schwelle überschreiten*

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Rubriklistenbild: © Sigi Jantz

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