Geothermie soll an beliebten Ort

Schöne Schwimmbad-Liegewiese soll für neues Kraftwerk der Stadtwerke München weichen

Michaelibad: Stadtwerke planen Geothermie-Kraftwerk auf Liegewiese!
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Michaelibad: Stadtwerke planen Geothermie-Kraftwerk auf Liegewiese!

Die Stadtwerke wollen offenbar nahe dem Mittleren Ring ein neues Geothermie-Heizwerk bauen. Doch für die Anlage soll eine beliebte Liegewiese weichen. 

  • Die Stadtwerke in München setzten auf Geothermie.
  • Auf der Suche nach einem Standort für ein Geothermie-Heizwerk steht ein Bereich am Ostpark im Michaelibad im Fokus
  • Auf der Liegefläche soll bis in 3.000 Metern Tiefe gebohrt werden.

München - Tief unter München schlummert großes Potenzial für eine CO2-freie Energieversorgung: kochend heißes Wasser. Schon längst setzt die Stadt auf Geothermie, bei der das heiße Wasser nach oben gepumpt und seine Energie zur Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Das abgekühlte Wasser wird anschließend wieder nach unten zur neuerlichen Aufheizung entlassen. Auf dem Gelände des Heizkraftwerks Süd an der Sendlinger Großmarkthalle entsteht gerade die laut Stadtwerken bislang größte Geothermie-Anlage Deutschlands. Sie soll künftig Ökowärme für 80.000 Münchner liefern.

Neues Geothermie-Projekt in München: Michaelibad

Jetzt haben die Stadtwerke auf der Suche nach weiteren geeigneten Standorten im Stadtgebiet sich auf eine weitere Fläche festgelegt, wo sie die Erdwärme anzapfen wollen: im Michaelibad. Dort im Südosten der Stadt hat das Unternehmen schon lange nach einem geeigneten Standort für ein weiteres Geothermie-Heizwerk gesucht, denn das Wasser im Untergrund ist hier besonders heiß und damit besonders effizient für die Wärmegewinnung zu nutzen. Doch im dicht besiedelten München fällt das nicht leicht, wie Stadtwerke-Chef Florian Bieberbach erklärt. Denn neben den räumlichen Gegebenheiten des Bohrplatzes und seiner direkten Umgebung müsse auch die gute Einbindung in das Münchner Fernwärmenetz berücksichtigt werden. Bei der Suche nach einem passenden Grundstück seien „letztendlich nur Stadtwerke-eigene Flächen übrig geblieben“, sagt Bieberbach. Die endgültige Wahl ist darum nun auf das Michaelibad am Ostpark gefallen.

Michaelibad in München

Geothermieanlage am Michaelibad - Fertigstellung bis 2030

Im Zusammenhang mit einem nötigen Ersatz-Heizwerk bei Abschaltung des Kohleblocks am Heizkraftwerk Nord haben die Stadtwerke schon früher über eine mögliche Geothermieanlage am Michaelibad gesprochen, weshalb die Entscheidung nun eigentlich nicht völlig überraschend kommt. Der Standort sei ideal, weil man gleich in zwei Netzpunkte – Perlach sowie Ramersdorf/Berg am Laim – einspeisen könne, hieß es schon vor Jahren. Eine denkbare Fertigstellung: zwischen 2027 und 2030.

Mittlerweile sind die Planungen noch viel konkreter geworden. Von der Liegewiese des Freibads soll ein stattlicher Teil für das neue Geothermie-Werk abgeknapst werden, bestätigt der Stadtwerke-Chef auf Anfrage unserer Zeitung. Derzeit steht dort noch ein altes Filterwerk, das für den Bäderbetrieb in dieser Form nicht mehr nötig ist und daher abgerissen werden kann. Für die Badegäste bliebe deutlich weniger, „aber immer noch ausreichend Platz übrig“, so Bieberbach.

Wie groß soll die Anlage am Michaelibad werden?

Die Größe der geplanten Anlage wird laut dem SWM-Chef in etwa dem Geothermie-Werk in Riem mit seinen zwei Bohrlöchern entsprechen. Dort ist 2004 eines der ersten geothermischen Wärmeprojekte im Großraum München entstanden. Die Geothermieanlage an der Stadtgrenze versorgt rund 16.000 Menschen in der Messestadt sowie das Messegelände mit regenerativer Fernwärme. Am Michaelibad soll es jetzt auf jeden Fall zeitnah Geothermie-Bohrungen geben. Im vergangenen Jahr war die bergrechtliche Genehmigung für den Claim „Neuperlach“ nochmals bis 2022 verlängert worden.

Kraftwerk Riem

Sorgen um Lärmschutz für Tiefenbohrungen

Im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach herrscht nun trotz der grundsätzlich bekannten Überlegungen doch Verwunderung über den weiten Planungsfortschritt. Deshalb haben die Lokalpolitiker jetzt mal offiziell beim Rathaus angefragt. CSU-Sprecher Simon Soukup sorgt sich vor allem wegen der Bohrungen. „Um in Tiefen von bis zu 3000 Metern vorzustoßen, wird rund um die Uhr gearbeitet, das sind erhebliche Belastungen für die Anwohner.“ Bei den Arbeiten am Heizkraftwerk Süd, ebenfalls mitten in der Stadt, wurde von den Stadtwerken daher ein spezielles Lärmvermeidungskonzept mit Schutzwänden, einer besonders leisen Bohranlage und angepasster Baustellenlogistik entwickelt, um die Auswirkungen auf die Umgebung auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.

Geothermie in München

Neben der Anlage in Riem nutzen die Stadtwerke bereits seit 2013 das Geothermie-Heizkraftwerk in Sauerlach zur Strom- und Wärmegewinnung. 2016 kam die Geothermieanlage in Freiham zur Wärmeversorgung hinzu, außerdem wurden 2016 von der SWM zwei weitere Geothermie-Kraftwerke zur Stromerzeugung in Dürnhaar und in Kirchstockach erworben. Einen konkreten Zeitplan für das Projekt im Michaelibad gibt es laut Stadtwerken aber noch nicht.

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