Bürger sauer

Miet-Wahnsinn mitten in München - in dieser Siedlung stehen mehr als 30 Wohnungen leer

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Tom Majer ärgert sich über den Leerstand in seiner Amisiedlung und hat eine Bürgerinitiative gegründet.

Weil der Wohnraum knapp, teuer und begehrt ist, bleiben Wohnungen in München nur selten ungenutzt. Und doch gibt es Leerstand – etwa in der Amisiedlung am Perlacher Forst, die sich im Besitz des Bundes befindet.

München - Bezahlbare Mietwohnungen in einer familienfreundlichen Umgebung mit viel Grün. Die gibt es in München nicht allzu oft. Eine der wenigen Ausnahmen: Die Amisiedlung am Perlacher Forst – theoretisch. „Denn das Unglaubliche ist, dass etliche dieser Wohnungen leer stehen“, ärgert sich Tom Majer (47). Er ist der Vorsitzende der Bürgerinitiative Amisiedlung und erklärt: „Der Bund macht das mit Wohnungen seit Jahren so!“

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben spricht von Abriss und Renovierung - Stadt weiß von nichts

Schon im vergangenen Jahr hatte der Merkur berichtet – geändert hat sich wenig. Im März 2018 standen 36 Wohnungen leer. Der Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) in Bonn, erklärte damals, ein Teil werde renoviert, ein Teil befinde sich in Gebäuden, die abgerissen würden, und ein dritter Teil könne neu vermietet werden. Von einem Abriss oder einem Neubau ist der Stadt derzeit jedoch nichts bekannt. Deshalb schüttelt Tom Majer jetzt verärgert den Kopf: „Hier hat sich nichts getan, ein Teil der Wohnungen steht seit Jahren leer. Immer wieder fragen uns Leute, warum hier keiner einzieht, denn sie wissen, dass etliche Bewohner in ihren alten Mietverträgen um die 11 Euro pro Quadratmeter bezahlen.“ Er ist sich zwar sicher, dass sich neuen Mietverträge am Mietspiegel orientieren werden. „Aber dafür gibt es hier eine super Infrastruktur, Kindergärten, Schulen und sogar ein Kino.“

BImA spricht von „Vollvermietung“

Die BImA kann den Ärger nicht verstehen und spricht von „Vollvermietung“, ihr gehören 1193 Wohnungen. Auf Nachfrage heißt es: Von den angesprochenen 36 Wohnungen seien 19 wieder vermietet. Fluktuationsbedingt stehen jetzt aber 34 Geschosswohnungen und eine Doppelhaushälfte leer, für neun davon gebe es bereits Anschlussmietverträge. Demnach stehen derzeit 25 Wohnungen leer. „Da ist jede einzelne zu viel“, sagt Tom Majer. Dass die BImA einige der leer stehenden Wohnungen vorab renovieren möchte – das Argument lässt der Chef der Bürgerinitiative nicht gelten. „Es gibt genügend Mieter, die das selber machen würden, wenn sie nur einziehen könnten.“ Was ihn außerdem stört: „Bei uns haben sich zwei ältere Bewohner gemeldet, die ihre Fünf-Zimmer-Wohnung gegen eine Drei-Zimmer-Wohnung tauschen möchten. Aber leider macht die BImA die neuen Mietverträge für die kleineren Wohnungen teurer als die bestehenden für die großen.“

Kleine Wohnungen teurer als große

Davon kann Erzieherin Petra Z. (56) ein Lied singen. „Ich zahle 1000 Euro warm für meine knapp 100 Quadratmeter große Vier-Zimmer-Wohnung. Nach der Trennung von meinem Mann wollte ich mit meinen Töchtern in eine Drei-Zimmer-Wohnung wechseln, doch für diese verlangte die BImA 1100 Euro, 100 Euro mehr.“ Dazu heißt es vonseiten der BImA: „Die Wohnungen unterliegen der Wohnungsfürsorge, werden vorrangig an Bundes- bzw. Landesbedienstete vermietet. Wenn ein Bewohner die Wohnung kündigt, würden diese an „berechtigte Bewerber vermietet“. Und weiter: „Für andere Bewerber, die nicht beim Bund oder Land angestellt sind, stehen aufgrund der aktuellen Bedarfslage derzeit keine Wohnungen zur Verfügung. Auch ein Tausch ist leider nicht möglich.“ Majer fragt sich: „Wenn der Bedarf für die Mieter aus dem öffentlichen Dienst so groß ist – warum stehen dann so viele Wohnungen so lange leer?“

In München fehlen bezahlbare Wohnungen – und trotzdem stehen immer noch Immobilien, die sich im Besitz der Stadt befinden, leer. Insgesamt 156 Wohneinheiten sind seit mindestens über einem halben Jahr unbewohnt.

mw

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