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Während Arbeiten ausquartiert: 300 Mieter müssen Wohnungen räumen – „Mit Riesenstress und Angst verbunden“

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Von: Carmen Ick-Dietl

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Die Wohnblöcke an der Kurt-Eisner-Straße 4-10 werden im kommenden Jahr saniert.
Die Wohnblöcke an der Kurt-Eisner-Straße 4-10 werden im kommenden Jahr saniert. © Marcus Schlaf

300 Wohneinheiten in Neuperlach werden saniert und müssen leer geräumt werden. Die WSB hat dabei aus dem Desaster einer ähnlichen Situation im Hasenbergl gelernt.

München - Die Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern (WSB) saniert in Neuperlach mehrere ihrer 50 Jahre alten Mietblöcke. Betroffen sind über 300 Wohneinheiten, die leer geräumt werden müssen. Mit dem ersten Riegel soll nächstes Jahr begonnen werden.

Im August haben die Mieter in der Kurt-Eisner-Straße 4-10 die offizielle Modernisierungsankündigung erhalten. 106 Wohneinheiten müssen nun geräumt werden. Das Gebäude habe veraltete Grundrisse und große energetische Mängel, erklärte der zuständige Projektleiter Jörg Fricke jetzt im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach. Man werde neue Fenster und Rollläden einsetzen, Fassade und Dach erhalten eine neue Dämmung, die Bestandsbalkone werden zur Vermeidung von Wärmebrücken abgerissen und neue Balkone angebaut. Das Gebäude erhalte eine neue Fußbodenheizung, neue Elektroinstallationen und Sanitäranlagen. Dazu soll es neue Mietergärten und Begegnungsflächen geben sowie eine Photovoltaikanlage oder Begrünung des Dachs.

München: Allen Bewohnern wurden mehrere Ersatzwohnungen mit gleichen Mieten zur Auswahl angeboten

Man könne den Mietern die umfassenden Eingriffe nicht zumuten, das Gebäude sei nur leer zu bearbeiten, so Fricke. Die Bewohner der Kurt-Eisner-Straße seien schon früher über die Pläne informiert worden, beteuern die beiden Vertreterinnen der WSB. Offensichtlich hat man aus dem Desaster im vergangenen Jahr bei der Sanierung der Wohnblöcke im Hasenbergl gelernt.

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Allen Bewohnern wurden mehrere Ersatzwohnungen mit gleichen Mieten zur Auswahl angeboten, alle im Umfeld von Neuperlach, erklärte WSB-Vermietungsleiterin Jennifer Kneißl. „So ein Wechsel ist immer mit Riesenstress und Angst verbunden.“ Daher organisiere die WSB den kompletten Umzug, übernehme alle Kosten und sorge bei Schäden sogar für Ersatzmöbel.

Wer wolle, könne nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit sogar in die alte Wohnung zurückkehren

„Wo hat die WSB denn so viele leere Wohnungen in Neuperlach her“, wunderte sich Bauausschuss-Vorsitzender Wolfgang Thalmeir (CSU). Man habe im Wissen um die anstehenden Sanierungen Vermietungen zurückgehalten, so die Erklärung. 98 Prozent der Betroffenen würden in der Gegend bleiben wollen, nur wenige hätten den Wunsch, in andere Bezirke zu ziehen.

Der WSB gehören in München knapp 14.000 Wohnungen. Wer wolle, könne nach rund eineinhalb Jahren Bauzeit sogar in die alte Wohnung zurückkehren, versprechen die WSB-Vertreter. Die Preise nach der Sanierung würden vom Markt abhängen, die WSB rechnet mit einer Erhöhung um etwa drei Euro pro Quadratmeter Kaltmiete. Derzeit liegt der Durchschnittspreis bei neun Euro.

Die Sanierung der ersten 106 Wohnungen ist indes nur der Auftakt: Als Nächstes sollen die Wohnblöcke an der Kurt-Eisner-Straße 12-14, Heinrich-Wieland-Straße 73-177 und am Karl-Marx-Ring 8-10 modernisiert werden. Die entsprechenden Bauanträge wurden gerade bei der Stadt eingereicht. Hier gibt es noch einmal rund 200 Wohneinheiten, deren Bewohner bislang noch nicht informiert wurden, wie die WSB zugab. CARMEN ICK-DIETL

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