9000 Münchner sind wohnungslos

Obdachlose in München müssen auf zweite „Teestube“ warten, dabei ist andere völlig überlaufen

+
Anlaufpunkt für Obdachlose: Die Teestube „komm“ an der Zenettistraße, hier im Bild, soll ein Pendant an der Rosenheimer Straße erhalten.  

Im Winter ist die Teestube „komm“ in der Zenettistraße ein wichtiger Anlaufpunkt für obdachlose Menschen. Doch völlig überlaufen. Eine zweite Einrichtung sollte im Herbst öffnen, doch das klappt nicht. 

München - Jetzt drängen sie sich wieder am Nachmittag in der Teestube „komm“ an der Zenettistraße: Menschen, die in München kein Obdach haben. Bereits seit einigen Jahren ist die Einrichtung des Evangelischen Hilfswerks München vor allem im Winter heillos überfüllt. Abhilfe sollte der neue Tagestreff „Otto & Rosi“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) an der Rosenheimer Straße 128d schaffen. Im Herbst sollte die neue Obdachlosen-Einrichtung aufsperren. Doch nun steht fest: Die Anlaufstelle wird erst 2019 öffnen können.

Menschen warten draußen schon in Schlangen

70 Sitzplätze gibt es in der Teestube „komm“. Doch jeden Tag kamen zuletzt zwischen 14 und 20 Uhr etwa 200 Menschen, um sich aufzuwärmen, zu duschen, zu kochen, Post abzuholen oder sich von einem der Sozialpädagogen beraten zu lassen. „Wir sind tagtäglich mehr als proppenvoll“, sagt Teestuben-Leiter Franz Herzog. „Spätestens um 13.15 Uhr stehen sie draußen schon Schlange, um sich in die Listen für Duschen und Waschmaschinen eintragen zu können.“

9000 Münchner sind derzeit wohnungslos 

Rund 9000 Menschen sind derzeit in München als wohnungslos registriert, 550 von ihnen leben – nach konservativen Schätzungen – auf der Straße, weil sie nicht in eine Unterkunft wollen oder keinen Anspruch darauf haben.

Um angesichts der steigenden Wohnungslosenzahlen Entlastung zu schaffen, beschloss der Stadtrat 2017, einen zweiten Tagestreff einzurichten. Für das laufende Jahr stellte die Stadt 930.000 Euro für den neuen Tagestreff zur Verfügung, ab kommendem Jahr werden es jährlich knapp 700.000 Euro sein. Den Zuschlag für das Projekt erhielt die AWO, die auch schnell einen Standort mit 300 Quadratmetern für die Einrichtung fand. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag vermittelte Räume in der Rosenheimer Straße 128d, in denen das Gewofag-Wohnforum untergebracht war, bevor es nach Neuperlach zog.

„Wir werden schon gefragt, wann die neue Stube endlich aufmacht“, berichtet Herzog. Doch die AWO muss zumindest in diesem Jahr passen. „Otto & Rosi wird nicht vor 2019 eröffnet werden“, teilt AWO-Sprecherin Karin Sporrer auf Anfrage mit. Leider sei im Moment auch „nicht mal sicher zu sagen, wann im kommenden Jahr genau“. Grund seien Verzögerugen beim Umbau der Räume im Erdgeschoss und im Souterrain. Kommende Woche wisse man mehr. Irgendwie, sagt Herzog, werde man in der Teestube auch diesen Winter überstehen. „Wir hoffen aber, dass es bald losgehen kann bei der AWO.“

Lesen Sie auch: 

Auch interessant

Meistgelesen

Fußballfans liefern sich heftige Schlägerei in München - TSV 1860 gibt Statement ab
Fußballfans liefern sich heftige Schlägerei in München - TSV 1860 gibt Statement ab
Bluttat am Stachus: Männer gehen aufeinander los - dann zückt einer ein Messer
Bluttat am Stachus: Männer gehen aufeinander los - dann zückt einer ein Messer
E-Scooter während Oktoberfest verbannt - diese Sperrzonen gelten zur Wiesn
E-Scooter während Oktoberfest verbannt - diese Sperrzonen gelten zur Wiesn
Lauter Knall mit schmerzhaften Folgen: Mann erleidet schwere Verbrennungen
Lauter Knall mit schmerzhaften Folgen: Mann erleidet schwere Verbrennungen

Kommentare