Perlach: Gibt es eine „Amigo-Affäre“?

„Ihr wollt tote Bäume? Hier habt ihr!“ - Aktivisten stinksauer auf Gartencenter-Chef, weil 50 Bäume gefällt werden sollen

Protest vor dem Gartencenter Seebauer in Perlach: Tote Bäume als Zeichen dafür, was die Aktivisten verhindern wollen.
+
Protest vor dem Gartencenter Seebauer in Perlach: Tote Bäume als Zeichen dafür, was die Aktivisten verhindern wollen.

Jede Menge alte Christbäume lagen am Montagmorgen vor der Tür der Firma Seebauer in Perlach. Die Aktion wendet sich gegen die geplante Erweiterung des Gartencenters. Auch eine Demo ist geplant.

München - „Ihr wollt tote Bäume? Hier habt ihr!“ So kommentiert die Organisation „Extinction Rebellion München*“ ihre Aktion mit den dürren Tannen auf Twitter. Die Klima-Aktivisten befürchten, dass 4000 Quadratmeter öffentliche Grünanlage durch Versiegelung zerstört und 50 alte Bäume gefällt werden – „damit das riesige Gartencenter Seebauer erweitert werden kann“. Ihre Vermutung: Hier werde Baurechtschaffung durch Hinterzimmer-Politik, Lobbyismus und Investoren-Profitgier, letztlich also rechtswidrig, geschaffen.

Die jungen Leute orientieren sich damit offenbar an Aussagen der Bürgerinitiative (BI) zum „Erhalt der öffentlichen Grünanlage Adam-Berg-Straße“. Deren Mitglieder werfen Gartencenter-Besitzer Bernhard Gerstenkorn vor, „40 bis 60 schützenswerte, circa 100 Jahre alte Baumriesen“ fällen zu wollen und warnen vor der Vernichtung einer öffentlichen Grünanlage.

Gartencenter-Chef verteidigt sich

Gerstenkorn will sein Gartencenter erweitern – zusätzliche Gewerbeflächen sowie bis zu 50 Wohnungen für Mitarbeiter, Azubis und Studenten-WGs. Außerdem sollen im Neubau eine Kita und ein Café entstehen. Inzwischen wurden die Pläne um gut ein Drittel reduziert. Nun soll die Grünanlage, die zwischen zwei Gerstenkorn-Grundstücken eingeklemmt ist, etwas zur Seite rutschen. Damit gäbe es in dem einen Teil des Areals genügend Platz für die Neubauten, im anderen Teil kann die Grünfläche komplett erhalten werden. „Die Stadt erhält hier die gleiche Größe, nämlich 2600 Quadratmeter Bolzplatz, zusammen mit altem Baumbestand übertragen“, sagt Gerstenkorn.

Die Angaben der Bürgerinitiative zu nötigen Baumfällungen bezeichnet der Chef des Familienunternehmens als „reine Übertreibung“. Auf öffentlichem Grund stehen laut Baumbestandsplan derzeit 45 schützenswerte Bäume. „Davon sind drei gefährdet.“ Auf seinem privaten Grundstück geht es um nochmals etwa 25 Bäume, die weg müssten. Dafür werde es ökologische Nachpflanzungen geben, verspricht Gerstenkorn. „Die meisten Bäume wurden übrigens in den 1960er-Jahren gesetzt.“

Eine weitere Protestaktion findet einige Wochen später statt und warnt die Bevölkerung vor dem globalen Kollaps.

Bürgerinitiative mutmaßt „Amigo-Affäre“

Eigentlich entspricht dies dem stets formulierten Kern-Anliegen der BI: Die öffentliche Grünanlage flächengleich zu erhalten und das Bauvorhaben zu realisieren. Trotzdem will die Bürgerinitiative die Pläne so nicht akzeptieren. Sie hätte den Baukörper lieber im Süden, direkt neben der Ständlerstraße – und nicht im Norden vor den Reihenhaus-Gärten, von denen einzelne auch BI-Mitgliedern gehören.

Die BI ärgert, dass sich die Grünen bei der Sache nicht mehr einspreizen. Hintergrund ist nach ihrer Auffassung eine Interessenverquickung: Gerstenkorns Ehefrau Hannah ist Stadträtin der Grünen. Eine „Amigo-Affäre“, mutmaßt BI-Sprecherin Nele Joas, die Mitglied der ÖDP ist. Die Grünen verrieten ihre Werte. Die BI kündigt an, einen langen Atem zu haben und notfalls auch gegen das Bauvorhaben vor Gericht zu ziehen. Am Freitagnachmittag will die Bürgerinitiative erneut lautstark vor der Grünanlage an der Adam-Berg-Straße 210 protestieren. „Gegen Hinterzimmer-Politik, Lobbyismus und Investoren-Profitgier und für den Erhalt von Grünflächen und Bäumen.“ - CARMEN ICK-DIETL - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Auch interessant

Kommentare