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„Ich hatte Todesangst!“ Drastische Details nach Beinahe-Vergewaltigung

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Von: Andreas Thieme

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Hatte Todesangst: Maria J. (47, Name geändert) wurde am 3. Oktober 2017 überfallen © Sigi Jantz

Ein mutiges Trio hat auf dem Heimweg von der Wiesn eine drohende Vergewaltigung verhindert. Der Täter kommt mit einem äußerst milden Urteil davon.

München - So sehen echte Helden aus! Mit ernster Miene stehen Alexander (20), Nilay K. (20) und Erhan A. (21) am Montag auf dem Flur des Amtsgerichts. Dort mussten sie aussagen, weil sie am 3. Oktober 2017 Zeugen eines Verbrechens wurden - und es gerade so verhindern konnten.

Fröhlich kamen die Freunde damals vom letzten Wiesn-Abend nach Hause. An der U-Bahn Quiddestraße stiegen sie aus. „20 Meter vor uns liefen eine Frau und ein Mann. Sie wirkten erst wie ein Paar. Doch plötzlich packte er sie am Hals und riss sie herunter in ein Gebüsch“, sagt Schüler Alexander. „Sie rief sofort um Hilfe. Solche Schreie habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört“, ergänzt sein Kumpel Erhan. „Wir rannten sofort hin. Sie lagen schon am Boden, er hatte sie im Würgegriff und seine Hose hing tief. Die Situation war offensichtlich.“ 

„Wir fixierten ihn zu zweit“

Mutig schreiten die drei jungen Münchner ein, obwohl sie selbst Angst haben. „Wir zogen den Typen von der Frau herunter. Er wollte sich wehren, aber wir fixierten ihn zu zweit am Boden.“ Währenddessen kümmert sich Nilay um die verletzte Frau. „Sie weinte und blutete stark im Gesicht. Ich versuchte, sie zu beruhigen und rief sofort die Polizei.“

Keine zwei Minuten später treffen die Beamten am Tatort in der Plettstraße ein und nehmen den Wiesn-Gangster fest: Er ist selbst erst 22 Jahre alt und wohnt noch bei seinen Eltern. „Ich kann mich an nichts erinnern“, behauptet Tobias K. (Name geändert), der wegen versuchter Vergewaltigung und Körperverletzung vor Gericht musste.

Angeklagter verweist auf K.O.-Tropfen

Dort spielt er den braven Buben und sagte: „Ich bin kein aggressiver Mensch.“ Angeblich habe er vor der Tat auf der Wiesn getrunken – drei Mass in zwei Stunden. „Die Stimmung war gut. Plötzlich hatte ich einen Blackout. Ich glaube, mir hat jemand K.O.-Tropfen ins Bier gemischt.“ Erst auf der Polizeiwache wachte er wieder auf – und behauptet, von der brutalen Attacke nichts mehr zu wissen.

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Behauptet, er könne sich an die Attacke nicht mehr erinnern: Tobias K. am Landgericht. Angeblich, so der 22-Jährige, habe ihm auf der Wiesn jemand K.O.-Tropfen ins Bier gemischt © Sigi Jantz

Im Gegenteil zu seinem Opfer! Maria J. (47, Name geändert) weint bitterlich vor Gericht. „Es war dunkel. Er hat mich von hinten an den Haaren gerissen und hielt mir den Mund zu. Ich hatte Todesangst.“ Bei den Rettern bedankte sie sich: „Vielleicht würde ich ohne sie nicht mehr leben.“

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Hatte Todesangst: Maria J. (47, Name geändert) wurde am 3. Oktober 2017 überfallen © Sigi Jantz

Staatsanwältin Galina Nikolova sah es ähnlich: Sie forderte zwei Jahre und zehn Monate Haft für Tobias K. Schon vor dem Prozess hatte der Azubi 5000 Euro an sein Opfer gezahlt – als Schmerzensgeld, obwohl er selbst nur 700 Euro verdient. Amtsrichterin Heinrich sah den Fall überraschend anders – und verurteilte K. nur zu sechs Monaten Haft wegen Körperverletzung. „Es ist nicht konkret nachweisbar, dass der Angeklagte sexuelle Handlungen ausführen wollte. Das reicht nicht für eine Verurteilung wegen Vergewaltigung.“ Stattdessen schickte sie Tobias K. mit Bewährung nach Hause.

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