Sie hat sich gewehrt

Rentnerin (89) in München wegen 3,06 Euro gekündigt - doch dann wendet sich das Blatt

Hat Recht bekommen: Margarethe Mayer.
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Hat Recht bekommen: Margarethe Mayer.

Eine 89-jährige Mieterin hat in Neuperlach gegen eine drohende Kündigung gekämpft. Diese basierte auf der winzigen Summe von 3,06 Euro.

  • Eine 89-jährige Mieterin aus Neuperlach sollte aus ihrer Wohnung geworfen werden -wegen 3,06 Euro.
  • Dieser kleine Betrag kam aus einer für sie nicht nachvollziehbaren Erhöhung der Miete zustande.
  • Der Vermieter reagierte mit der Drohung des Rauswurfs. Doch es kam anders.

München - „Es lohnt sich, auf seinem Recht zu bestehen“, sagt Margarethe Mayer. Die fast 90-jährige Münchnerin aus Neuperlach hat sich erfolgreich gegen eine fristlose Kündigung gewehrt. Das Amtsgericht und auch das Landgericht haben inzwischen die Räumungsklage ihres Vermieters abgewiesen. Der hatte sie rauswerfen wollen wegen eines lächerlichen Geldbetrags.

Zu dem Zeitpunkt, als die Räumungsklage bei Gericht eingereicht wurde, war die schwerbehinderte Seniorin laut Vermieter mit einem Betrag von 3,06 Euro in Rückstand – und hatte eine Miete zu spät überwiesen. Für die alte Dame kam der Ärger völlig unerwartet. Margarethe Mayer hatte sich zunächst keine Sorgen gemacht, als sie am 11. Juni vergangenen Jahres zwei Briefe von ihrem Vermieter erhielt – einmal die Nebenkostenabrechnung, in der eine Nachzahlung von 152,42 Euro in Rechnung gestellt wurde. In dieser stand die Brutto-Miethöhe mit 545,66 Euro – und nichts wies darauf hin, dass dieser Betrag nicht auch weiterhin gelten sollte.

Mieterin erhebt Einspruch gegen die Erhöhung

In einem weiteren Umschlag fand die Seniorin dann aber eine Mietneuberechnung. In diesem stand, die Bruttomiete werde ab dem 1. Juli 2019 von 545,66 auf 547,19 Euro erhöht, begründet wurde das mit der Sozialmietentabelle des Statistischen Bundesamtes. „Ich fand sie verwirrend, diese widersprüchlichen Schreiben“, sagt die Mieterin. Noch am selben Tag erhob Margarethe Mayer Widerspruch gegen die Erhöhung, die ihr nicht einleuchtete.

Sie überwies für den Juli den alten Betrag, und fand dann am 9. August ein Einwurfeinschreiben mit einer fristlosen Kündigung in ihrem Briefkasten. Es sei „nicht zumutbar“, das Mietverhältnis mit ihr fortzusetzen, wegen eines Rückstands von 1,53 Euro Restmiete für Juli und 547,19 Euro Miete für den August.

3,06 Euro im Rückstand - Vermieter will Seniorin rauswerfen

Begründet wurde dies damit, dass Mietzahlungen bis 3. Werktag des Monats auf dem Vermieterkonto sein müssten. Nun solle die Seniorin bis 23. August ihre Wohnung an der Putzbrunner Straße 66 räumen. „Ich hatte einen Schock, aber dann dachte ich, das kann doch nicht wahr sein, es muss ein Bankversehen vorliegen, denn meine Miete wird mit Dauerauftrag bezahlt“, erzählt Margarethe Mayer.

Sie widersprach auch der Kündigung und blieb in der Wohnung – prompt erhob der Vermieter am 23. August die Räumungsklage. „Da war der Mietbetrag schon überwiesen – also bis auf die jeweils 1,53 Euro Mieterhöhung, die ich ja für nicht wirksam halte“, sagt die 89-Jährige. Sie sammelte ihre Unterlagen und schrieb dem Gericht mithilfe von Bekannten und ihrer Tochter ihre Sicht der Dinge – und gewann in zwei Instanzen. Der Vermieter bezog auf die Anfrage unserer Zeitung bislang nicht Stellung zu dem Fall.

„Ich möchte anderen Mietern Mut machen, sich zu wehren“

„Ich möchte anderen Mietern, denen es ähnlich ergeht wie mir, Mut machen, sich zu wehren“, sagt die Seniorin. Es lohne sich, „die Gerichte arbeiten sauber und sehen sich die Fälle genau an.“Die betagte Mieterin will nun auch klären lassen, ob die geringfügige Mieterhöhung von 1,53 Euro überhaupt rechtmäßig ist. „Ich fand das Verhalten meines Vermieters mir gegenüber unfassbar rücksichtslos – dass man wegen eines angeblichen Rückstands von nicht einmal vier Euro zum Zeitpunkt der Klageerhebung ein Räumungsverfahren gegen eine fast 90-Jährige anzettelt“, sagt die Seniorin.

„Man ließ sich auch nicht erweichen, die hätten das durchgezogen ohne Rücksicht auf Verluste. Ich dachte: Jetzt gebe ich nicht klein bei.“ Der Versuch, eine hochbetagte Mieterin wegen eines Bagatellbetrags rauszuwerfen, ist in ihren Augen keine Kleinigkeit. „Ich ermutige jeden Mieter, der von so einer Rücksichtslosigkeit bedroht wird, sich zu wehren.“ 

Video: Miete in Corona-Zeiten - Schicksal einer Ladenbesitzerin

Susanne Sasse

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