Werkstatt-Engpass

Bremsen Eidechsen die Münchner Tram aus? 

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Weil es an Werkstattkapazitäten fehlt, müssen Reparaturen der Tram-Wagons an Fremdfirmen vergeben werden.

Die Stadtwerke München brauchen dringend zusätzliche Werkstattkapazitäten. Doch vorher muss eine Eidechsenart umgesiedelt werden.

München - Die große Montagehalle an der Ständlerstraße ist seit 2018 wegen erheblicher Schäden zum Teil gesperrt. Weitere Untersuchungen sowie die erforderliche Sanierung des maroden Mauerwerks dauern. Offenbar zu lang für die Stadtwerke, die deshalb nun die Reißleine ziehen und eine Interims-Werkstatt errichten wollen. „Zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit des ÖPNV ist der kurzfristige Ausgleich der Werkstattkapazitäten zwingend erforderlich“, heißt es in den Unterlagen zum dazu eingeleiteten Planfeststellungsverfahren.

Denn die bestehenden Standorte Ständler- und Einsteinstraße seien bereits heute ausgelastet. Zudem müssen aufgrund von Sanierungsarbeiten in der Werkstatt an der Einsteinstraße ab Ende dieses Jahres zwischenzeitlich zwei Arbeitsstände gesperrt werden.

Tram-Reparaturen: Fremdfirmen von SWM-Werkstatt-Not

Es geht vor allem um die Arbeiten an den Drehgestellen – also den Fahrwerken der Wagons mit den Rädern. Die Stadtwerke betreiben 135 Trambahnen, die auf insgesamt 431 Drehgestellen laufen. Sie müssen regelmäßig instand gehalten werden. Doch derzeit müssen die SWM einen großen Teil zur Aufarbeitung an Fremdfirmen vergeben. Und die Drehgestelle, die ab 2020 in neuen Trambahnen verbaut sind, können in der heutigen Notwerkstatt gar nicht mehr bearbeitet werden.

Um die notwendigen Arbeiten wieder effizient und in Eigenfertigung leisten zu können, soll nun an der Ständlerstraße übergangsweise eine passende Werkstatt errichtet werden. Das soll dazu führen, dass Werkstatt-Stau vermieden wird und die MVG mehr Fahrzeuge auf die Strecke schicken kann. Außerdem verschafft die Zwischenlösung den Stadtwerken Zeit für die Änderungen am neu geplanten Betriebshof in Ramersdorf. Hier will man die angrenzende SWM-eigene Sportanlage zugunsten von Mitarbeiterwohnungen räumen.

Werkstatt-Engpässe bei der SWM: Einschränkungen im Tram-Betrieb möglich

Neben der rund 1580 Quadratmeter großen Drehgestellwerkstatt mit Arbeitsbühnen und Hebekränen im Inneren soll es zwei weitere Leichtbauhallen geben: Eine Instandhaltungshalle mit etwa 1800 Quadratmetern und Arbeitsständen zur Wartung von kompletten Tramfahrzeugen sowie eine Lagerhalle mit Hochregallager auf 1000 Quadratmetern. An der Ständlerstraße sollen auch künftig lediglich Großreparaturen, Unfallinstandsetzungen und Komponentenaufarbeitungen abgewickelt werden. Arbeiten mit kurzen Standzeiten sind hier nicht geplant. Damit beschränken sich die Betriebszeiten auf 6 Uhr bis maximal 18 Uhr, werktags von Montag bis Freitag.

Hier sollen die neuen Hallen entstehen. 

Die Stadtwerke München planen mit einem Baustart im Juni 2020 und einer Bauzeit von etwa sieben Monaten. Die Interimswerkstatt soll möglichst schnell in Betrieb genommen werden. „Ende 2020 ist aus betrieblicher Sicht kritisch, Einschränkungen im Trambetrieb können nicht vermieden werden“, heißt es warnend in den Unterlagen.

Seltene Eidechsenart verzögert Baubeginn

Hintergrund des späten Baubeginns: Auf dem Gelände direkt neben den Bahngleisen gibt es mehrere geschützte Kleintiere, darunter auch die Zauneidechse. Im Herbst und noch einmal im Frühjahr vor der Eiablage im Mai sollen die Tiere ins Ersatzhabitat umgesiedelt werden. Angeordnet ist außerdem, dann noch verbleibende Individuen unmittelbar vor Baubeginn in mindestens zwei Durchläufen „soweit wie möglich zu fangen“ und zu versetzen. Es sei der unteren Naturschutzbehörde „bis spätestens 1. Juni 2020 zu berichten, wie viele Tiere (differenziert nach Geschlecht und Alter) wann abgefangen und verbracht wurden“.

CARMEN ICK-DIETL

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