400 Bürger kamen

OB-Sprechstunde im Stadtviertel: Testlauf in Neuperlach

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Im Fokus: OB Dieter Reiter steht in der Neuperlacher Schulsporthalle den Bürgern Rede un d Antwort.

Dass der Normalbürger einer 1,5-Millionen-Stadt seinen Oberbürgermeister mal persönlich treffen kann, ist nicht die Regel. Doch Dieter Reiter (SPD) will es zumindest probieren. Zur Premiere seiner Bürgersprechstunde im Stadtviertel kam er nun nach Ramersdorf-Perlach.

München - Die letzten Stuhlreihen sind teils frei, doch insgesamt ist die Turnhalle des Heinrich-Heine-Gymnasiums gut gefüllt. Knapp 400 Bürger sind gekommen, um endlich mal dem Stadtoberhaupt persönlich ihre Anliegen, Sorgen und Fragen vorzutragen. „Die Idee für diese Bürgersprechstunden habe ich aus einem alten Film über Thomas Wimmer“, verrät Dieter Reiter gleich am Anfang. Wimmer war von 1948 bis 1960 Oberbürgermeister Münchens und hatte damals immer wieder mal drei, vier Bürger zu sich eingeladen. Bereits während seines Wahlkampfs hatte Reiter angekündigt, diesem Vorbild nacheifern zu wollen – „zum Entsetzen meiner Mitarbeiter“.

Zwei Stunden lang tragen die Bürger Anliegen vor

Inzwischen hat auch Reiter bereits siebenmal Bürger zu sich ins Rathaus geladen. An diesem Abend Ende der vergangenen Woche setzt er noch eins drauf und lässt seine Bürgersprechstunde direkt vor Ort stattfinden, in Ramersdorf-Perlach, dem größten Münchner Stadtbezirk. „Sagen Sie einfach, was Sie so auf dem Herzen haben“, fordert Reiter die Anwesenden auf. Und sofort schnellen die Finger in die Höhe. Zwei Stunden lang tragen die Bürger dem Stadtoberhaupt ihre Sorgen, Probleme, Wünsche und Fragen persönlich vor. Die Bandbreite ist groß. Es geht um Buslinien, fehlende Unterrichtsräume, um Subventionen für billigeres Schulessen, Kinder- und Mittagsbetreuung, zu wenig Wohnraum für anerkannte Flüchtlingsfamilien, die Schließung der Neuperlacher Geburtsstation, schnelles Internet außerhalb des Mittleren Rings und um Alkoholkonsum in öffentlichen Parkanlagen.

Hauptthema im Viertel: Der Verkehr

Das Hauptthema aber ist der Verkehr. Klagen über Pendler, die die letzten Parkmöglichkeiten vor der Haustüre belegen würden, über dauerhaft abgestellte Wohnmobile und Werbeanhänger, über die Parkgebühren am Hanns-Seidel-Platz, aber auch Beschwerden über Raser, die Anliegerstraßen bei Staus als Ausweichrouten nutzen. In der Mehrzahl leidige Themen, die man aus der ganzen Stadt hört, sagt Reiter. „Obwohl in München alle über den Verkehr schimpfen, steigen jedes Jahr die Zulassungszahlen.“ Reiter plädierte für einen gut ausgebauten ÖPNV, „damit nicht alle mit dem Auto in die Stadt fahren“. In München gebe es zum Beispiel 200 000 Diesel, die nicht dem neuesten Stand entsprächen.

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Insgesamt kommt Reiter bei seiner Sprechstunden-Premiere glimpflich davon in der Neuperlacher Sporthalle. „Sie waren ein tolles Publikum und sind sehr anständig mit mir umgegangen“, dankt der OB am Ende der Veranstaltung. Sein Resümee: „Der Verkehr ist das brennendste Thema in München.“ Man wird sich dem noch intensiver widmen müssen als bisher.

Ob es noch mehr Vor-Ort-Sprechstunden gibt, ist noch unklar

Ob es in der Zukunft weitere Vor-Ort-Sprechstunden geben wird, darüber ist noch nicht entschieden. Aktuell geplant sind derzeit zumindest keine, heißt es auf Nachfrage. Man wollte sich erst einmal anschauen, wie es denn funktioniert und ankommt, heißt es aus dem Rathaus am Tag nach der Veranstaltung.

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Carmen Ick-Dietl

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