Trotz Eiseskälte bringt er uns Päckchen

Paket-Zusteller Ludwig ist unser Schnee-Express

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Trotz der Kälte hat Ludwig Loderer immer ein Lächeln auf den Lippen.

München - Seit 15 Jahren ist Ludwig Loderer Paketzusteller. Täglich fährt er bis zu zehn Stunden durch Münchens Südosten. Er schultert, was wir bestellen. Auch im tiefsten Winter. Die tz hat ihn begleitet.

Ein Klick am Computer. Zwei Tage warten. Es läutet an der Tür. Und davor steht Ludwig Loderer (44) – mit gelber Jacke und einem Paket unterm Arm. „Pooost“, ruft er freundlich und laut. Holt sich eine Unterschrift – und steigt wieder in seinen Transporter. Seit 15 Jahren ist Loderer Paketzusteller. Täglich fährt er bis zu zehn Stunden durch Münchens Südosten. Er schultert, was wir bestellen. Auch im tiefsten Winter. Die tz hat ihn begleitet.

Dicke Flocken wehen über das Paketzentrum Ottobrunn, am Boden liegen 15 Zentimeter Schnee. Es ist 9.45 Uhr, minus fünf Grad, eisiger Wind pfeift. Loderer steht vor seinem gelben Zustellerauto und lächelt: „Ich mach das schnell weg“, sagt er und zwirbelt seinen Eiskratzer über die gefrorene Scheibe. Im Laderaum stecken links und rechts die Pakete in Fächern und Netzen. Eine Stunde lang hat er sie einsortiert. „Das ist wie Tetris. Darin bin ich gut.“

Loderer muss los. Er zieht die Schiebetür zu und springt hinters Lenkrad. „Heute stelle ich 192 Pakete zu“, sagt er. Seine Route geht quer durch Waldperlach. Im Schnitt muss er alle zwei Minuten eine Sendung an den Mann bringen – oder zu den Nachbarn. „Normalerweise kein Problem. Aber wenn Schnee liegt, kann ich schlechter parken und muss weiter laufen.“ Auch Wind und Glätte machen dem Paketboten zu schaffen.

Es ist ein harter Job. Die Straße durch eine Wohnsiedlung ist eng und zugeschneit. Am Rand türmen sich dicke Haufen. Loderer steuert hindurch und stapft zum Hauseingang. „Servus, Ludwig“, ruft Nicolas Courville, der Schnee schiebt. Er lacht: „Oh je. Meine Frau hat eine Blechschere bestellt.“

Kurz darauf klingelt Loderer bei Peter Kleine-Möllhoff. Ihm bringt er zwei schwere Pakete, darin liegen 36 Flaschen Wein. „Die hab ich bei Verwandten bestellt“, sagt der Professor. „Ich komme mit der Sackkarre raus.“

Weiter geht’s durch den Schnee. Loderer hat eine Sendung, aber der Bewohner ist nicht da. Macht nichts: „Ich habe den Code für die Garagentür. Dort lege ich sie ab“, sagt er. Das passiert nicht selten, viele vertrauen dem Paketboten – im Viertel ist er bekannt wie ein bunter Hund, wird ständig gegrüßt.

192 Pakete muss Ludwig Loderer in Waldperlach zustellen. tz-Reporter Thieme (l.) hilft beim Ausladen

„Der Ludwig ist freundlich und zuverlässig“, sagt Rainer aus der Backstub’n. Hier trinkt Loderer um 11.45 Uhr Kaffee. 50 Pakete hat er da schon zugestellt – der Schnitt liegt bei 20 pro Stunde. Wer, wohin, wie lang – das sind die Fragen seines Alltags. Ist ein Kunde nicht da, flucht er leise – als hätte er beim Fußball neben das Tor geschossen. Geht die Tür auf, strahlt er. Für warmes Essen hat er mittags keine Zeit, zur Toilette geht er bei einem Zahnarzt oder einer Schule.

Es schneit stärker, Loderer schwitzt. „Heute brauche ich wohl zehn Stunden“, sagt er. Aber seinen Job würde er nicht tauschen wollen. „Ich brauche die Bewegung, den Kontakt zu den Menschen.“ Während der Fahrt lacht er viel. Und verrät am Ende: Ja, auch er bestellt bei Amazon. „Aber nichts Schweres. Den Kollegen zuliebe.“

A. Thieme

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