Neues Denkmal in Perlach

Prächtige Einfriedung wird zum Denkmal

Perlach erhält ein neues Denkmal. Zaun und Gartenmauern sowie die Kapelle auf einem Privatgrundstück an der Unterbiberger Straße sollen unter Schutz gestellt werden.

Die Pfosten und Mauern sowie der schmiedeeiserne Zaun entlang des Gartengrundstücks sind als teils barockisierend, teils klassizisierend eingestuft worden.

Im örtlich zuständigen Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach wird indes bedauert, dass nicht der gesamte Garten und auch das Wohnhaus auf die Denkmal-Liste kommen. Es sollten alle Anstrengungen unternommen werden, das Grundstück vor dem Zugriff von Bauträgern zu schützen und von einer intensiven Bebauung freizuhalten, so die einhellige Meinung in dem Gremium. „Das Areal ist schon im Visier von Bauträgern“, sagt Wolfgang Thalmeir (CSU). Im Internet kursieren angeblich Kaufangebote für künftige Häuser dort – in Höhe von rund zwei Millionen Euro.

Im Jahr 1906 hatte der Großkaufmann Martin List die prächtige Einfriedung um sein Wohnhaus errichten lassen. Es sollte wohl den Eindruck vermitteln, dass dahinter eine stattliche Villa liegt. Allerdings ist es ein eher kleines Wohnhaus aus dem Jahr 1897, außen im Schweizer Stil dekoriert. Bei den Erweiterungen und Umbauten wurden ein großer Teil der Dekorelemente entfernt und auch die Grundrisse im Inneren verändert. Damit fehlen nahezu alle Ausbauelemente des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Das Wohnhaus erfüllt daher nicht die Vorgaben des Denkmalschutzes, der Zaun und die parallel im südlichen Gartenbereich wohl als Blickfang errichtete kleine Kapelle schon. Es handelt sich um Reste des historischen Ortskerns von Perlach, aber auch die Architektur ist schützenswert.

Historisch interessant ist auch einer der ehemaligen Besitzer. Paul Bauer (1896- 1990) war ein Spitzenfunktionär des nationalsozialistischen Sportwesens und Leiter des „Fachamtes für Bergsteigen und Wandern im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen“. Bauer war ab 1929 Leiter der ersten deutschen Himalaya-Expeditionen in Nepal. Zudem wurde er mit seinem Buch „Kampf um den Himalaya“ bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1932 zum Olympiasieger im „Wettbewerb der freien Künste“ in der Rubrik „Literatur“ gekürt. Sein Name steht noch heute auf der Ehrenstele der deutschen Olympiasieger im Berliner Olympiastadion. Später war der Notar und ehemalige Gebirgsjäger-Major Gründer und Chef der deutschen Himalaya-Stiftung.

Carmen Ick-Dietl

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