Protest gegen neue Reinigungszentrale

Ramersdorf: Nachbarn fegen Betriebshof weg

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Hier war der Betriebshof der Straßenreinigung geplant - die Nachbarn bedanken sich bei der Stadt fürs Umdenken.

München - Sie haben argumentiert, demonstriert und Stadträte kontaktiert. Und: Sie haben sich durchgesetzt. Die Nachbarn von Ramersdorf verhindern die laute und stinkende Zentrale der Straßenreinigung!

Andreas Becker von der Bürgerinitiative Lebenswertes Ramersdorf sagt: „Wir sind sehr erleichtert.“ Das ist Demokratie! Am Mittwoch soll der Stadtrat die Pläne für das „City-Service-Center“ von Straßenreinigung und Winterdienst an der Paulsdorfferstraße kassieren: Stadtbaurätin Elisabeth Merk gibt inzwischen zu, dass der Standort wegen der „massiven und substantiiert begründeten Einwände der Öffentlichkeit nicht vermittelbar ist“. Im Klartext: Die Nachbarn von Ramersdorf haben nicht nur gepoltert, sondern ihr Anliegen so gut mit Argumenten untermauert, dass sie Münchens Chef-Planerin umstimmten.

Auch die Rathaus-Parteien wollen nun nach einem ganz neuen Grundstück suchen. „Wir haben immer das Gespräch gesucht und auf Information und Aufklärung gesetzt - in der Hoffnung auf den Sachverstand von Politik und Verwaltung“, resümiert Markus Bitzenbauer, einer der Begründer der Initiative. So haben sie den Entscheidern verdeutlicht, was diese den Nachbarn mit einem einzigen Beschluss beschert hätten: Auf dem Papier ist nur von einem „City-Service-Center“ die Rede, in dem mehrere Betriebshöfe zusammengelegt werden. In Wahrheit wäre eine riesige Straßenmüll-Zentrale entstanden.

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Die Nachbarn haben sich die Nacht an einem bisherigen -Betriebshof in der Gmunder Straße in Obersendling um die Ohren gehauen. Da rattern die Kehrmaschinen ab 3.50 Uhr in die Stadt. Ab 5 Uhr kommen die ersten schon wieder voll mit Dreck zurück, den sie tonnenweise vor Ort abladen. „Das stinkt zum Himmel!“, hatten die Nachbarn in der tz geklagt. Sie drehten ein Video, druckten Flugblätter, erstellten eine Internet-Seite, gingen in die Bezirksausschüsse, besuchten Anwohnerfeste, demonstrierten, marschierten ins Rathaus. Dort wollte zunächst die CSU den Plan noch einmal prüfen lassen, auch die SPD lehnt den Standort nun ab.

Jetzt ist der Hüllgraben im Gespräch - der liegt im Münchner Osten zwischen Gleisen und Autobahn. Die Nachbarn von Ramersdorf aber wollen mehr: „Der große, fast vergessene Stadtteil würde ganz besonders von einer zusammenhängenden Stadtteilentwicklung profitieren“, sagt Andreas Bruckmeier. „Wir möchten weiterhin unseren Beitrag dazu leisten.“

David Costanzo

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